Im Sudan wollen sich die Wogen nicht glätten

Protestbewegung im Sudan nimmt Gespräche mit Militärrat auf

Dienstag, 11. Juni 2019 | 22:27 Uhr

Die Protestbewegung im Sudan hat sich nach Angaben eines Vermittlers bereit erklärt, ihre Kampagne des “zivilen Ungehorsams” zu beenden und die Gespräche über eine Machtübergabe mit dem regierenden Militärrat wieder aufzunehmen. Das teilte der äthiopische Vermittler Mahmoud Drir am Dienstag mit.

Die Protestbewegung will nach eigenen Angaben die Bevölkerung aufrufen, “ab Mittwoch die Arbeit wieder aufzunehmen”. Der Streik habe der Militärführung des Landes klar die Macht der sudanesischen Bevölkerung gezeigt, teilte das Gewerkschaftsbündnis SPA, die Organisatoren der Massenproteste der vergangenen Monate, am Dienstagabend auf Twitter mit. Zudem habe der militärische Übergangsrat große politische Verluste erlitten, hieß es.

Die Menschen sollten daher ab Mittwoch wieder zur Arbeit gehen. Zunächst hatte es geheißen, der Streik werde so lange gelten, bis die Militärführung die Macht an eine zivile Übergangsregierung übergebe. Am Mittwoch blieben in Khartum viele Läden geschlossen, einige öffneten jedoch wieder.

Der Militärrat habe sich als “Zeichen des guten Willens” bereit erklärt, alle politischen Gefangenen freizulassen, sagte Drir, nannte jedoch keine Details.

Die Verhandlungen zwischen Militär und Oppositionsgruppen waren nach dem Sturm auf ein Protestlager in der Hauptstadt Khartum abgebrochen worden. Bei dem Vorfall am 3. Juni waren Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Im April war der langjährige Machthaber Omar al-Bashir gestürzt worden. Nach der gewaltsamen Niederschlagung des Protestlagers hatte die Protestbewegung am Sonntag landesweit zu “zivilem Ungehorsam” aufgerufen und damit das öffentliche Leben in Khartum und andernorts weitgehend lahmgelegt.

Die seit dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Bashir herrschende Armee war in der vergangenen Woche gegen die Protestbewegung vorgegangen und hatte in Khartum Straßenblockaden gewaltsam räumen lassen. Nach Angaben des Zentralkomitees sudanesischer Ärzte wurden mindestens 108 Menschen getötet. Das Gesundheitsministerium sprach lediglich von 61 Toten landesweit. Vergangene Woche reiste der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed zu einer Vermittlungsmission nach Khartum.

Der Militärrat hatte nach Bashirs Sturz infolge von monatelangen Massenprotesten im April die Führung übernommen. Mit dem Rat einigte sich die Protestbewegung Mitte Mai grundsätzlich darauf, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Seither herrschte aber Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll.

Von: APA/ag.