Es war der gewalttätigste "Gelbwesten"-Protest seit Dezember

Proteste der “Gelbwesten” arteten in massive Gewalt aus

Samstag, 16. März 2019 | 22:59 Uhr

Der Protest der “Gelbwesten”-Bewegung in Paris ist am Samstag in massive Gewalt ausgeartet. Auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées wurden Boutiquen geplündert und in Brand gesteckt. Randalierer zündeten zudem eine Bankfiliale an, beim Brand des darüber liegenden Wohnhauses wurden elf Menschen verletzt. Innenminister Christophe Castaner bezeichnete die Randalierer als “Mörder”.

Die Polizei nahm bis zum Nachmittag 129 Menschen fest. Landesweit protestierten nach Angaben des Innenministeriums rund 14.500 “Gelbwesten”. Diese Zahl lag deutlich unter jener der Vorwochen. Allerdings nahm die Gewaltbereitschaft zu – es war der gewalttätigste “Gelbwesten”-Protest seit Dezember.

5.000 Polizisten waren in Paris im Einsatz, sie setzten Tränengas, Blendgranaten und Wasserwerfer ein, um die Demonstranten zurückzudrängen. Mehrere Zeitungskioske brannten aus, vermummte und schwarz gekleidete Teilnehmer der Proteste warfen Steine auf Polizisten und bauten Barrikaden.

Auf den Champs-Élysées wurden unter anderem an einem Geschäft der Modekette Boss und am Promi-Restaurant Fouquet’s Scheiben eingeschlagen. Auch Geschäfte von Zara und Lacoste wurden geplündert, Ladenlokale von Lacoste und Nespresso angegriffen.

Randalierer drangen zudem in den Fanshop des Fußballvereins Paris Saint-Germain ein. Von dort schossen sie Fußbälle in die Menschenmenge, die sich vor dem Geschäft versammelt hatte. Ähnliche Szenen spielten sich kurz darauf vor der Filiale des österreichischen Schmuckherstellers Swarovski ab. Begleitet wurden die Ausschreitungen von Sprechchören, die sich gegen den Kapitalismus und gegen die Polizei richteten.

Die Demonstranten setzten außerdem eine Bankfiliale im Erdgeschoß eines Wohngebäudes in Brand. Eine Frau und ihr Baby waren im zweiten Stock von den Flammen eingeschlossen und mussten von der Feuerwehr gerettet werden. Elf Menschen wurden bei dem Brand verletzt, unter ihnen zwei Feuerwehrleute.

“Sehen Sie nur, was hätte passieren können”, sagte ein sichtlich unter Schock stehender Bewohner des Gebäudes. “Sie hätten töten können.” Frankreichs Innenminister Christophe Castaner warf den Brandstiftern vor, sie seien weder Demonstranten noch Randalierer, sondern Mörder. Castaner sagte weiter, einige Teilnehmer seien offensichtlich “nur angereist, um Sachen zu zerstören”. In sozialen Netzwerken hatten die Organisatoren des Protestes zuvor angedeutet, es würden Unterstützer aus Italien, Belgien, den Niederlanden und sogar aus Polen erwartet.

“Wir waren zu nett, darum die Gewalt heute”, kommentierte ein Demonstrant die Vorfälle. Jean-François Bernard, von Beruf Landschaftsgärtner, sagte, er befürworte die Gewalt zwar nicht. “Aber wir werden von korrupten Menschen regiert, und die nehmen sich dann heraus, uns zu belehren”, sagte Bernard. Frankreichs Premierminister Edouard Philippe verurteilte die Ausschreitungen als inakzeptabel: “Wer solche Taten verteidigt oder ermutigt, macht sich zum Komplizen.”

Der Innenminister sprach von 1.500 “extrem gewaltbereiten” Teilnehmern unter den Demonstranten in Paris. Landesweit gingen nach Angaben des Ministeriums bis zum frühen Nachmittag 14.500 “Gelbwesten” auf die Straße – mehr als doppelt so viele wie zur gleichen Zeit eine Woche zuvor. In Paris waren es demnach 10.000 Demonstranten.

Die Teilnehmerzahlen waren zuletzt deutlich gesunken. Vor einer Woche gingen in ganz Frankreich nur noch 28.000 Menschen auf die Straße – ein deutlicher Kontrast zu den fast 300.000 Menschen beim ersten Protestmarsch im November. Parallel zu den Demonstrationen endeten die Diskussionsrunden, zu denen Präsident Emmanuel Macron die Bürger unter dem Eindruck der Proteste aufgerufen hatte. In den vergangenen zwei Monaten waren rund 500.000 Menschen zu den landesweiten Gesprächen gekommen. Die “Gelbwesten” hatten die Veranstaltungsreihe als Ablenkungsmanöver abgelehnt.

Zuletzt hatte es am Rande der “Gelbwesten”-Proteste nicht nur Gewalt, sondern auch antisemitische Äußerungen gegeben. Bei einer Demonstration in Paris hatte ein Teilnehmer den Philosophen Alain Finkielkraut als “dreckigen Zionisten” und “große Scheiße” beschimpft. Daraufhin protestierten Tausende von Franzosen gegen Antisemitismus.

Von: APA/ag.

Kommentare

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16 Kommentare auf "Proteste der “Gelbwesten” arteten in massive Gewalt aus"


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falschauer
falschauer
Universalgelehrter
8 Tage 18 h

und mit diesen gewalttätigen raudis treffen sich unsere regierungsspitzen, dazu erübrigt sich jeder weitere kommentar….

ahiga
ahiga
Tratscher
8 Tage 18 h

aber “ohne” diese gewalttätigen ” roudis” sind wir ( wie der unsympatische schreier vittorio sgarbi immer sagt ) nur eine horde schafe..
und wie nennst du es, wenn der staat hirnamptierte gesetze durchdrückt? ..ich nenne das auch gewalt, sonst gar nix. Gewalt im namen des staates. Und genau dieser steht in frankreich jetzt auf der strasse. Die da oben glauben nur, das sie der staat sind…aber so ganz stimmt das eben nicht!!

werner66
werner66
Superredner
8 Tage 17 h

Dieser Präsident lässt auf sein Volk schießen!
Wo bleiben die NATO Bomber?

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
8 Tage 14 h

@ahiga deine meinung über den hysterischen schreier sgarbi teile ich voll

Staenkerer
8 Tage 13 h

@ahiga man muaß nit, naaaa, man dorf nit a jo nikendes schof sein und wegschaugn wenn man mit eppas nit einverstondn isch, ober man dorf auf koan foll zu gewolttätige raudis wern, von de falschauer red!
leider wern solche, friedlich gemoante märsche, zu oft von zu viele “mistmocher” benutzt, lei um raudau zu mochn! de marschiern lei zu dem zweck mit und ruiniern damit in eigentlichn hintergedonke der soche!

Seppl123
Seppl123
Tratscher
8 Tage 3 h

@Staenkerer gewalt isch gonz ein normales element der politik. es wird auch “krieg” genannt. und manchmal unumgänglich. (welche erklärung hesch suscht z.B. für die atombomben auf zivilistenstädte in japan?)

ober als autonomer südtiroler sollte man des eigentlich wissen.

Rechner
Rechner
Superredner
8 Tage 19 h

Hooligans, Rechtsradikale und linke Chaoten ist das letzte Aufgebot der gelben Revolution. Das war von Anfang an absehbar. Es gab keinen Plan, die Forderungen waren ein wildes durcheinander ohne erkennbare Linie.
In wenigen Wochen werden die Gelbwesten Geschichte sein.
Vielleicht hat der Bürgerdialog ja was gebracht. Den Leuten hat’s gefallen und Marcon sitzt wieder fest im Sattel.

Mistermah
Mistermah
Kinig
8 Tage 17 h
In einigen Wochen? Das hat man hier vor 6 Monaten auch schon gelesen… ja leider hast du recht, dass die extreme Szene solche Proteste immer infiltriert und ihnen bewusst die größte Aufmerksamkeit der Medien gilt. Man will die Sache ja ersticken. Aber es geht um mehr, es geht um die soziale Gerechtigkeit. Während der Großteil immer mehr in die Armut rutscht, bereichern sich wenige, mit Hilfe der regierenden, immer mehr. Marcon fest im Sattel?? Naja, eine zweite Amtszeit gibt es für ihn sicher nicht und solange ihn das volk nicht mit Gewalt aus den Palast zieht, wird er sicher nicht… Weiterlesen »
zockl
zockl
Superredner
8 Tage 14 h

…ziviler Protest ist in Frankreich selbstverständlich – nur in Ländern wie Österreich und Deutschland traut sich niemand, obwohl zB Merkel ihre Bürger  noch schlimmer ausplündert. Friedlich wäre natürlich besser, aber wer französische Polizei kennt, weiß daß das manchmal schwer zu machen ist

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
8 Tage 11 h

Also die Polizei ist Schuld, wenn sie Autos und Geschäfte demolieren oder Häuser anzünden? Irgendwie will mir das so nicht in den Sinn.

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
7 Tage 23 h

zockl
Doch, wir trauen uns auch. Bei uns wird getrommelt.

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
8 Tage 13 h

tut mir leid wer sich mit diesen chaoten solidarisiert, macht sich selbst schuldig

Zugspitze947
Zugspitze947
Grünschnabel
8 Tage 36 Min

genau so ist es 🙁

Zugspitze947
Zugspitze947
Grünschnabel
8 Tage 13 h

Diesen Chaoten müsste man alles was sie demolieren in Rechnung stellen. Arbeiten wäre gescheidter als Protestieren ;-(

oli.
oli.
Universalgelehrter
8 Tage 6 h

Die meisten Krawall Demonstranten haben noch nie im Leben gearbeitet , nur Demo und Krawall im Hirn.

peterle
peterle
Superredner
8 Tage 8 h

Habe wrst Heute gelesen dass laut Nostradamus der dritte Weltkrieg von Frankreich ausgehen soll.
Die Proteste in Frankreich erinnern mich an die Vor napoleonschen Zeiten. Auch damals hat die Elite Frankreichs nicht Früh genug erkannt dass das Volk mit einigen Persönlichkeiten anders tickt.

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