Proteste gegen das iranische Regime in Teheran

Proteste gegen iranisches Regime nach Flugzeugabschuss

Samstag, 11. Januar 2020 | 23:06 Uhr

Nach dem Abschuss eines ukrainischen Flugzeugs wächst der innenpolitische Druck auf das iranische Regime. Oppositionsführer Mehdi Karroubi hat den Obersten geistlichen Führer, Ayatollah Ali Khamenei, zum Rücktritt aufgefordert. Karroubi kritisierte am Samstag, dass die Öffentlichkeit erst mit Verzögerung über die Absturzursache informiert worden sei. Auch regierungskritische Proteste gab es.

Der Iran hatte am Samstag eingeräumt, dass die Maschine am Mittwoch vom Militär versehentlich abgeschossen worden sei. Bereits am Donnerstag bekannt gewordene westliche Berichte hatte das Regime in Teheran zuvor vehement dementiert. An Bord der Maschine befanden sich zahlreiche Iraner. Das Eingeständnis des Abschusses löste wütende Proteste aus, auf Twitter wurde auch ein Video verbreitet, auf dem Demonstranten den Rücktritt Khameneis forderten. Karroubi stellte nun öffentlich die Frage, wann Khamenei über den Abschuss informiert worden sei.

Die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars berichtete zudem, dass bei Protesten in Teheran Bilder von General Qassem Soleimani zerrissen wurde, dessen Tötung durch die USA noch vor wenigen Tagen eine Solidaritätswelle im Land ausgelöst hatte. Laut Fars nahmen 700 bis 1.000 Menschen an der Kundgebung teil. Sie hätten auch regierungskritische Slogans gerufen.

Bei einer Protestkundgebung wegen des Flugzeugabschusses vor der Universität Amir Kabir in Teheran wurde offenbar der britische Botschafter Rob Macaire für einige Stunden festgenommen, wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete. Der britische Außenminister Dominic Raab protestierte scharf gegen die Festnahme, die “ohne Begründung oder Erklärung” erfolgt sei. Es handle sich daher “um eine ungeheuerliche Verletzung des Völkerrechts”.

Laut Tasnim hat Macaire die Demonstranten provoziert, “radikale Aktionen” durchzuführen. Macaire sei nach “einigen Stunden” wieder freigelassen worden, werde aber am Sonntag ins Außenministerium zitiert, schrieb Tasnim unter Berufung auf informierte Quellen. Eine offizielle Bestätigung des Außenministeriums lag zunächst nicht vor.

Der Iran hatte am Samstag mitgeteilt, die am Mittwochfrüh abgestürzte Maschine mit 176 Passagieren an Bord sei nahe an ein sensibles Militärgelände herangeflogen und für ein “feindliches Flugzeug” gehalten worden. Es habe sich um “menschliches Versagen” gehandelt, hieß es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Mitteilung des Militärs.

Ein Defekt im militärischen Kommunikationssystem führte nach Angaben eines Kommandanten der iranischen Revolutionsgarden zu dem fatalen Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine nahe Teheran. “Das Unglück ereignete sich nach einem Kommunikationsdefekt, was jedoch trotzdem keine Rechtfertigung und unverzeihlich ist”, sagte der Kommandant der Luft- und Weltraumabteilung der Revolutionsgarden, Amir Ali Hajizadeh, am Samstag.

Hajizadeh berichtete, am Tag des Unglücks seien alle Streitkräfte wegen der Drohungen der USA, 52 Ziele im Iran anzugreifen, in höchster Alarmbereitschaft gewesen, darunter die Militärbasen in Teheran.

Die ukrainische Maschine wurde nach seinen Worten als potenzielle Gefahr eingestuft, man habe sie fälschlicherweise für einen Marschflugkörper im Anflug auf eine strategisch wichtige Militärbasis in Teheran gehalten. Der zuständige Offizier wollte demnach der Zentrale die Gefahr melden, aber genau zu dem Zeitpunkt habe es einen Defekt im Kommunikationssystem gegeben.

Der Offizier hatte laut Hajizadeh dann nur wenige Sekunde zu entscheiden, ob er eine Luftabwehrrakete abfeuert oder nicht. “Und leider tat er es, was dann zu dem Unglück führte”, sagte der Kommandant. “Als ich davon erfahren habe, wünschte ich mir, lieber selbst tot zu sein, statt Zeuge dieses Unglücks”, sagte Hajizadeh. Als Chef der Abteilung für Luft- und Weltraumabteilung trage er die volle Verantwortung und sei bereit, alle Konsequenzen zu tragen.

Hajizadeh verteidigte die zivile Luftfahrtbehörde, die tagelang den Abschuss geleugnet hatte. “Sie trifft keine Schuld, weil sie das Ganze aus technischer Sicht und gesehen haben und nichts über den Ablauf wussten”, sagte der Kommandant Seiner Einschätzung nach hätte es aber an dem Tag landesweit ein Flugverbot geben sollen, weil sich das Land in einer Art Kriegssituation befunden habe.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani bedauerte den Abschuss und versprach eine gründliche Untersuchung: “Dieser unverzeihliche Vorfall muss juristisch konsequent verfolgt werden.” Die Familien der Opfer müssten entschädigt werden.

In einem Telefongespräch mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj entschuldigte sich Rouhani am Samstag auch offiziell bei der Ukraine für den versehentlichen Abschuss. “Das Zugeben der ‘Raketenversion’ als Ursache für die Katastrophe hat den Weg für die Fortsetzung der Ermittlungen ohne Verzögerungen und Behinderungen geöffnet”, sagte Selenskyj.

Kiew werde an Teheran eine offizielle Note unter anderem mit Kompensationsforderungen senden, so Selenskyj weiter einer Mitteilung zufolge am Samstag. Rouhani versicherte, dass alle Schuldigen für den Fehler des iranischen Militärs zur Verantwortung gezogen würden und mit juristischen Konsequenzen rechnen müssten. “Wir werden in jeder Hinsicht unsere juristischen Verpflichtungen einhalten”, teilte das iranische Präsidialamt mit.

Laut Selenskyj sollen die Toten bereits in der kommenden Woche in die Ukraine zurückgeführt werden. Teheran habe zugesichert, dies zu ermöglichen.

Der iranische Außenminister Mohammad Jawad Zarif gab am Samstag den USA eine Teilschuld an dem versehentlichen Abschuss. Sie seien für die aufgeheizte Atmosphäre verantwortlich, die zu dem menschlichen Fehler geführt habe, twitterte er. Die USA haben vergangene Woche den iranischen General Qassem Soleimani getötet.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau forderte eine umfassende Aufklärung des Flugzeugabschusses sowie die volle Zusammenarbeit der iranischen Behörden. “Dies ist eine nationale Tragödie und alle Kanadier trauern gemeinsam”, erklärte er.

Auch die Europäische Union hat vom Iran Konsequenzen gefordert. “Es müssen angemessene Maßnahmen getroffen werden um sicherzustellen, dass solch ein schrecklicher Unfall nie wieder geschehen kann”, erklärte EU-Kommissionssprecher Peter Stano am Samstag in Brüssel. Nach entsprechenden Zusagen Rouhanis erwarte die EU, dass Teheran weiter voll kooperiere und nach internationalen Standards umfassend und durchschaubar untersuche, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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19 Kommentare auf "Proteste gegen iranisches Regime nach Flugzeugabschuss"


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wellen
wellen
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Wenn verrückte Präsidenten und aufgepeitsche Generäle Krieg führen statt Diplomatie, müssen immer zivile Opfer das ausbaden.Beim Krieg geht es immer um wirtschaftliche Interessen, Macht über eine Region, Ideologie. Alles Dinge die nur wenigen nützen und den Bürgern schaden. Deshalb: Touristen, boikottiert Amerika!

Sun
Sun
Superredner
1 Monat 9 Tage

So ist es, Trumpel trägt eine Teilschuld an diesen zivilen Opfern.

ahiga
ahiga
Superredner
1 Monat 9 Tage

..trump hat jedenfalls genauer gezielt…und ganz genau gewusst wer getroffen wird…
aber mit atomwaffen spielen, bzw bauen wollen und dann ein zivielflugzeug von einer militärmaschine nicht unterscheiden können ist schon mehr als arg..
aber wenn bei einer begräbniss 30 oder mehr leute sterben, ..verflucht mit welchen spinnern haben wir es da dann zu tun???

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

warum? die Iraner haben das Flugzeug abgeschossen. aber stimmt, man ist ja Amerikahasser

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

das ist allerdings Blödsinn.

Jiminy
Jiminy
Superredner
1 Monat 9 Tage

@bon jour
man muss Amerika nicht hassen; wenn man ein bisschen Geschichte gelernt hat, dann weiss man, dass wenn die Amis ab den 60ger daheim geblieben wären, diese Welt eindeutig sicherer wäre!!

ivo815
ivo815
Kinig
1 Monat 8 Tage

@Jiminy ab den 50ern

Oracle
Oracle
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

…ohne jemanden in Schutz zu nehmen, aber bei diesen Spystories ist die Wahrheit meist nicht offensichtlich, Hollywood lehrt. Wir dürfen nicht vergessen, es geht in dieser Region vor allem um Erdöl.

Oracle
Oracle
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

… 1801 (Amerikanisch-Tripolitanische Krieg) haben die sich schon in die Mittelmeerpolitik eingemischt, um ihre Wirtsschaftinteressen zu wahren!

Don Bass
Don Bass
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

@ivo815 schon immer!

Do Teldra
Do Teldra
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

Stell di vöi es warn deitscha drunto…I sich schu is Titlblattl vo do Bild…

Ralph
Ralph
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Der abschuss war geziehlt, aber unbeabsichtigt….. Komisch

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

@Ralph

Sie haben auf ein vermeintliches feindliches Flugzeug gezielt und dieses getroffen. Nur hinterher sind sie draufgekommen was sie getroffen haben.

So wie bei der Jaged wenn man glaubt einen Hirsch erlegt zu haben und es dann der Jagdkamerad ist.

kaisernero
kaisernero
Tratscher
1 Monat 9 Tage

…des sein decht ols ogmochte sochen……Iran-Amerika……
Amerika -Iran……usw des offengetheater
Mir wissn jo gor nicht wos do ols obgeat af der welt

Jiminy
Jiminy
Superredner
1 Monat 9 Tage

da könntest du fast Recht haben. Auch 11/9, wer weiss was da genau dahinter war… wenn es um astronomische Geldsummen geht, ist der homo sapiens (americanis) zu allem bereit!!

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage
Klabauter
Klabauter
Neuling
1 Monat 9 Tage

lei mehr traurig wos aso af der welt passiert A menschenleben isch nix mehr wert…

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Warum Israel nicht in die NATO aufnehmen und die Türkei raus? Das wäre ein eindeutiges Zeichen den ganzen Islamisten und Mullahs in Nahost: Hier stehen alle zusammen. Wagt es nicht! 
Sogar V. Putin würde das verstehen. Die Mullahs und Islamisten im Nahen Osten vollständig isolieren. Keiner rein, keiner raus. Grenzen dicht, keine Waffen, kein Geld. Dann hat sich das in Kürze erledigt.

Don Bass
Don Bass
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

Die Türkei raus und Israel die gesamte Unterstützung entziehen!
Ohne diese Unruhestifter könntem die Moslems ihre Differenzen selbst regeln und hätten in 50 Jahren vielleicht endlich Frieden.
Solange Israel, unterstützt von den USA und leider auch von uns, ungestraft zündeln und seine Nachberländer gegeneinander ausspielen darf ist daran nicht zu denken!

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