Trump sorgte mit besonders provokanten Äußerungen für Empörung

Protestwelle gegen Trump in eigener Partei schwillt an

Freitag, 12. August 2016 | 15:57 Uhr

Der US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump sieht sich in der eigenen Partei mit einer immer heftiger anschwellenden Protestwelle konfrontiert. Mehr als 70 einflussreiche Republikaner verlangen nun, die Partei solle ihm den Geldhahn zudrehen.

Stattdessen sollten die Gelder an die Kandidaten bei der gleichzeitig im November stattfindenden Kongresswahl fließen, deren Chancen durch Trump beschädigt worden seien, verlangen sie in einem am Freitag bekanntgewordenen Brief.

Trump hatte zuletzt mit besonders provokanten Äußerungen für Empörung und Aufruhr gesorgt. Seine Umfragewerte sind abgesackt, so dass er inzwischen deutlich hinter seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton zurückliegt. Seit er Mitte Juli zum Präsidentschaftskandidaten ernannt wurde, haben ihm bereits zahlreiche prominente Republikaner demonstrativ die Gefolgschaft verweigert.

“Wir glauben, dass Donald Trumps spalterische Haltung, Rücksichtslosigkeit, Inkompetenz und rekordverdächtige Unbeliebtheit diese Wahl in einen Erdrutsch für die Demokraten verwandeln können”, heißt es in dem Brief der mehr als 70 Anti-Trump-Rebellen, aus dem die Website “Politico” zitierte.

Sie werfen Trump vor, eine “Kampagne der Wut und der Diskriminierung” zu führen. Er habe Millionen von Wähler beleidigt und verspottet, darunter Behinderte, Frauen, Muslime, Einwanderer und Minderheiten. Trump habe außerdem “gefährliche autoritäre Tendenzen” erkennen lassen. Deshalb müsse die Finanzierung seines Wahlkampfs “sofort” gestoppt und die Mittel müssten an die Kongresskandidaten umgeleitet werden.

Der Brief wurde laut “Politico” von früheren Parteimitarbeitern sowie Ex-Mitgliedern des Kongresses unterzeichnet und soll in den nächsten Tagen an Parteichef Reince Priebus geschickt werden.

Trump hatte zuletzt unter anderem mit einer mehrdeutigen Ansprache an Waffenliebhaber, die von Kritikern als Aufruf zum Anschlag auf Clinton gedeutet wurde, einen Sturm der Entrüstung entfacht. Er beteuerte jedoch, er habe die Waffenfreunde lediglich zur Wahlteilnahme aufgerufen.

Der Immobilienmogul sorgte außerdem mit Äußerungen zum Islamischen Staat (IS) für Wirbel. Er bezeichnete Präsident Barack Obama als “Gründer” der Jihadistenmiliz, weil er deren Aufstieg durch den Truppenabzug aus dem Irak ermöglicht habe. Clinton, die von 2009 bis 2013 Außenministerin war, nannte er die “Mitbegründerin” des IS.

Auch in diesem Fall versuchte Trump, seine Äußerungen im Nachhinein zurechtzurücken. Dies sei “Sarkasmus” gewesen, schrieb er am Freitag im Internetdienst Twitter. Auch eine frühere Skandaläußerung, in der er Russland zum Hackerangriff auf Clinton aufgefordert hatte, hatte der Rechtspopulist im Nachhinein als Sarkasmus bezeichnet.

Trump scheint sich inzwischen verstärkt mit der Perspektive einer Wahlniederlage auseinanderzusetzen. Sollte es für den Sieg nicht reichen, kehre er zu einer “sehr guten Lebensweise” zurück. Er würde dann erstmal einen “sehr, sehr schönen langen Urlaub machen”, kündigte der 70-Jährige im Fernsehsender CNBC an.

Clinton legt unterdessen verstärkt den Schwerpunkt auf die Wirtschaft. In einer Grundsatzrede am Donnerstag kündigte sie erneut an, bei einem Wahlsieg ein gigantisches Investitionsprogramm aufzulegen, das mehr als zehn Millionen neue Jobs schaffen werde. Trump warf sie eine Politik für die Reichen vor. Die massiven Steuersenkungen, die der Immobilienmagnat ankündige, dienten nur “Leuten wie ihm”.

Von: APA/ag.

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