Kim Jong-nam starb im Februar

Prozess wegen Giftmords an Kim-Halbbruder begonnen

Montag, 02. Oktober 2017 | 09:04 Uhr

Im südostasiatischen Malaysia hat am Montag der Prozess wegen des Giftmords am Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un begonnen. Vor Gericht müssen sich zwei Frauen im Alter von 25 und 29 Jahren verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, den älteren Halbbruder Kim Jong-nam im Februar auf dem Flughafen der Hauptstadt Kuala Lumpur mit dem Nervengas VX getötet zu haben.

Beide Frauen plädierten auf nicht schuldig. Sie sind wegen Mordes angeklagt. Bei einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe. Vermutet wird, dass die Führung des kommunistischen Einparteienstaates hinter dem Anschlag steckt. Pjöngjang weist alle Vorwürfe zurück.

Staatsanwalt Muhamad Iskandar Ahmad zeigte sich zum Auftakt des Verfahrens in Shah Alam bei Kuala Lumpur überzeugt von der Täterschaft der Angeklagten. Sie hätten sich Kim am Flughafen genähert “und ihm eine giftige Flüssigkeit in die Augen und ins Gesicht gerieben”, sagte der Ankläger. “Die Beweise belegen eindeutig, dass ihre Handlungen den Tod des Opfers verursacht haben.”

Die Verteidigung argumentiert, die Drahtzieher seien längst aus Malaysia geflohen. Der Prozess findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Die beiden Angeklagten wurden in Handschellen und schusssicheren Westen in den Verhandlungssaal geführt. Rund 200 Sicherheitskräfte bewachten das Gerichtsgelände.

Kim Jong-nam war der ältere Sohn des früheren Machthabers Kim Jong-il. Der 45-Jährige galt früher auch als erster Anwärter auf die Nachfolge, fiel dann aber in Ungnade. Seit Jahren verbrachte er die meiste Zeit außerhalb Nordkoreas. Mehrfach äußerte er sich kritisch über sein Heimatland. Als Regimegegner galt er jedoch nicht.

Die beiden Frauen aus Vietnam und Indonesien – Doan Thi Huong (25) und Siti Aishah (29) – gaben an, von Fremden angeheuert worden zu sein. Angeblich hielten sie alles nur für einen Scherz – Fernsehaufnahmen für eine Art “Versteckte Kamera”.

Von den mutmaßlichen Hintermännern der Tat ist niemand in Haft. Die Staatsanwaltschaft sprach zu Beginn des Prozesses von vier weiteren Verdächtigen, ohne jedoch Namen oder Nationalität zu nennen.

Der Prozess wird vermutlich mindestens zwei Monate dauern. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, zwischen 30 und 40 Zeugen zu laden. Die Tat wurde zudem im Flughafen von Überwachungskameras aufgezeichnet.

Der Fall hatte die Beziehungen zwischen Malaysia und Nordkorea im Frühjahr schwer belastet. Mittlerweile hat sich die Lage wieder beruhigt. Allerdings empfahl Malaysia vergangene Woche seinen Bürgern, keinesfalls nach Nordkorea zu reisen.

Von: APA/dpa