Putin will mit neuer Krimbrücke den Tourismus ankurbeln

Putin eröffnete Brücke zwischen der Krim und Russland

Dienstag, 15. Mai 2018 | 17:51 Uhr

Vier Jahre nach der Annexion der Krim hat Russlands Präsident Wladimir Putin eine Brücke zwischen der ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel und dem russischen Festland eingeweiht. Am Steuer eines Lastwagens fuhr der Staatschef am Dienstag über die 19 Kilometer lange Brücke über der Meerenge von Kertsch.

Bisher war die Krim von Russland aus nicht über einen direkten Landweg zu erreichen gewesen. Die Ukraine und die EU verurteilten den Brückenbau.

Bei strahlendem Sonnenschein setzte sich Putin in Jeans und sportlicher Jacke ans Steuer eines orangefarbenen Lastwagens der russischen Marke Kamaz und überquerte – an der Spitze einer Lkw-Kolonne – in 16 Minuten die Brücke. Auf der Krim wurde er von einer applaudierenden Menge begrüßt.

Schon zur Zeit von Zar Nikolaus II. hätten die Menschen vom Bau der Brücke geträumt, sagte Putin vor Brückenarbeitern. “Dank Ihrer Arbeit und Ihres Talents ist dieses Projekt, dieses Wunder, nun realisiert worden.” Der Tag der Einweihung sei für Russland “ein besonderer, feierlicher und historischer Tag”.

Putin eröffnete zunächst nur den vierspurigen Autoteil der Brücke, der nach Angaben des Kreml ab Mittwoch für Pkw und Busse geöffnet ist. Ende 2019 soll noch eine zweigleisige Eisenbahnstrecke hinzukommen.

Die Brücke, welche die Krim mit der gegenüberliegenden südrussischen Halbinsel Taman verbindet und über die Insel Tusla führt, ist mit 19 Kilometern länger als die Vasco-da-Gama-Brücke in Lissabon und damit nun die längste Brücke Europas. Am höchsten Punkt ist sie 35 Meter hoch.

Gebaut wurde sie von dem Konzern Stroigasmontasch, der dem Milliardär Arkadi Rotenberg gehört – ein enger Vertrauter und Ex-Judo-Partner Putins. Im Februar 2016 hatte die russische Regierung 228,3 Milliarden Rubel (damals 2,9 Milliarden Euro) für das Großprojekt bewilligt, um den Tourismus auf der Krim wieder anzukurbeln.

Die Krim war im März 2014 nach einem umstrittenen Referendum von Russland ins eigene Staatsgebiet eingegliedert worden. Die Regierung in Kiew und der Westen sprechen von einer völkerrechtswidrigen Annexion und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine. Die EU und die USA verhängten wegen der Annexion Sanktionen gegen Moskau.

Die ukrainische Regierung kritisiert auch die Brücke als Verstoß gegen das Völkerrecht. Russland trete das Völkerrecht damit weiter “mit Füßen”, sagte Ministerpräsident Wolodimir Groisman am Dienstag.

Auch die EU verurteilte die Brücke als “eine weitere Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine”. Russland habe die Brücke “ohne die Zustimmung der Ukraine” gebaut, kritisierte eine Sprecherin des Auswärtigen Dienstes der EU. Das Ziel sei, die “erzwungene Eingliederung” der Krim in russisches Staatsgebiet und ihre Abtrennung von der Ukraine weiter voranzutreiben.

Frankreich kritisierte zudem Nachteile für die ukrainische Schifffahrt – große Schiffe können die Häfen am Asowschen Meer nicht mehr erreichen. Die Brücke trage dazu bei, dass die Ukraine ihre “international anerkannten Hoheitsgewässer” nicht mehr uneingeschränkt erreichen und nutzen könne, erklärte das Außenministerium in Paris.

Der ukrainische Geheimdienst SBU durchsuchte indes das Büro der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti in Kiew. Mehrere Mitarbeiter wurden am Dienstag verhört, der Büroleiter festgenommen. Den Journalisten im Dienste Moskaus wird Landesverrat vorgeworfen.

Generalstaatsanwalt Juri Luzenko schrieb auf Facebook: “Die Ermittler haben Beweise für die Ausführung gut bezahlter antiukrainischer Attacken unter Beteiligung von Bürgern der Ukraine in diesem Desinformationskrieg.” Den Journalisten drohen damit bis zu 15 Jahre Haft. Kremlsprecher Dmitri Peskow drohte mit Gegenmaßnahmen.

Moskauer Medien deuteten das Vorgehen im Zusammenhang mit der neuen Brücke von der Halbinsel Krim zum russischen Festland, die am Dienstag für den Straßenverkehr geöffnet wurde. Nach Angaben Luzenkos sind die Beschuldigten Bürger der Ukraine, von denen einige auch die russische Staatsbürgerschaft behalten hätten. Ria gehört zum staatlichen Medienkonzern Rossija Segodnja und versteht sich als Teil der Regierungspropaganda.

Die Ermittlungen werden von der ukrainischen Staatsanwaltschaft der Krim geleitet. Sie hat ihren Sitz mit der Einverleibung der Halbinsel durch Russland 2014 verloren und ist offiziell nach Kiew verlegt worden. Die Ukraine ist mehrfach gegen russische Medien und Journalisten vorgegangen. Auch nichtrussischen Journalisten wurde schon die Einreise verweigert, weil sie aus Kiewer Sicht nicht objektiv über den Krieg gegen die von Moskau unterstützten Separatisten in der Ostukraine berichtet hätten.

Von: APA/ag.