Zerstörungen mittlerweile enorm

Putin erörtert Lage in Ostukraine – Selenskyj will Befreiung

Dienstag, 20. Dezember 2022 | 21:43 Uhr

Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Dienstag in Moskau mit den von ihm eingesetzten Besatzungschefs der ostukrainischen Regionen Luhansk und Donezk die aktuelle Lage an der Front besprochen. Wie schon tags zuvor hob Putin die extrem schwierige Lage in den beiden Regionen hervor, wie die staatliche Nachrichtenagentur TASS berichtete. Ukraine Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigte unterdessen den Willen zur vollständigen Befreiung aller russisch besetzten Gebiete.

In der Unterredung mit dem Donezker Besatzungschef Denis Puschilin und dessen Lugansker Kollegen Leonid Paschetschin wollte sich Putin zunächst mit “lebenswichtigen Fragen” der Versorgung der Zivilbevölkerung in den beiden besetzten Gebieten mit Wasser, Heizung und Gesundheitsdiensten befassen, hieß es. “Erst danach werden wir zu Fragen der Sicherheit übergehen.” Vor allem die Stadt Donezk, deren Zentrum nur knapp zehn Kilometer von der Frontlinie entfernt ist, wird immer wieder von Angriffen ukrainischer Artillerie getroffen.

Putin hatte zuletzt den Sicherheitskräften Russlands den Auftrag gegeben, die Bevölkerung der “neuen Gebiete” der Russischen Föderation besser zu schützen. Mit diesen “neuen Gebieten” sind die besetzten Regionen im Süden und Osten der Ukraine genannt, die Russland völkerrechtswidrig annektiert hat. Das Militär der Ukraine wiederum hat sich zum Ziel gesetzt, diese Regionen zu befreien, ebenso wie die von Russland bereits 2014 annektierte Halbinsel Krim.

Der ukrainische Präsident Selenskyj unterstrich wiederum nach einem Besuch in der Frontstadt Bachmut im Osten der Ukraine den Willen zur vollständigen Befreiung aller russisch besetzten Gebiete. “Wir werden alles Mögliche und Unmögliche, Erwartete und Unerwartete tun, damit unsere Helden alles haben, was sie brauchen, um zu gewinnen”, sagte Selenskyj am Dienstagabend in seiner täglichen Videoansprache. Die Truppen sollten das erreichen, was “alle Ukrainer erwarten”.

Selenskyj listete die zu befreienden Gebiete auf. “Das ist unsere Region Luhansk, das ist unser Süden der Ukraine, das ist unsere Krim”, sagte er. “Die Ukraine wird dem Feind nichts Eigenes überlassen.” Russland hat die Gebiete völkerrechtswidrig annektiert.

Bei seinem Besuch im Osten des Landes habe er auf dem Weg zur “Festung Bachmut” viele schwer beschädigte und zerstörte Dörfer gesehen, die erst vor kurzem von ukrainischen Truppen befreit worden seien. “Schauen sie sich Russlands Offensive an, was es übrig lässt, wenn es irgendwo seine Flagge hinpflanzt”, sagte Selenskyj. “Verbrannte Erde, zerstörtes Leben … Schmerzen, Ruinen und Gräber – das ist der sogenannte Russische Friede.”

In Russland gehen unterdessen nnach US-Angaben die Meinungen über eine etwaige erneute Offensive in der Ukraine auseinander. “Sicher gibt es einige, die meiner Meinung nach Offensiven in der Ukraine vorantreiben wollen”, sagte ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums. “Andere wiederum haben ernsthafte Zweifel an der Fähigkeit Russlands, das tatsächlich umzusetzen.” Die USA hätten Hinweise auf einen “signifikanten Mangel” an Munition in Teilen der russischen Armee.

Dies sei ein zunehmendes Problem für die Regierung in Moskau, hieß es. Ukrainischen Medienberichten zufolge begann das russische Militär unterdessen erneut mit der Verlegung stärkerer Truppenverbände an die Grenze von Belarus zur Ukraine. Neben Panzern, Schützenpanzern und Transportern sei auch diverses militärisches Gerät in die Nähe der Grenze gebracht worden, berichteten die “Ukrajinska Prawda” und die Agentur Unian am Dienstag unter Berufung auf das belarussische Hacker-Kollektiv “Hajun Project”. Die Gruppe verfolgt alle Aktionen der dort stationierten russischen Truppen.

Die Beobachter gingen davon aus, dass es sich entweder um eine Verlagerung von russischen Truppen aus dem Norden und der Mitte von Belarus oder um eine kurzfristige Verlegung zu gemeinsamen Manövern mit der belarussischen Armee an der Grenze zur Ukraine handelte. Für Angriffshandlungen seien die an die Grenze verlegten Verbände gegenwärtig nicht stark genug, hieß es.

Die ukrainische Militärführung argwöhnt schon länger, dass Russland erneut versuchen könnte, aus Belarus in die Ukraine vorzustoßen. Zu Beginn des Kriegs vor zehn Monaten war eine aus Belarus vordringende russische Kampfgruppe bis in die Vororte von Kiew gelangt, wurde dann aber von den Ukrainern heftig bekämpft und zum Rückzug gezwungen.

Von: APA/Reuters/dpa

Kommentare

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1 Kommentar auf "Putin erörtert Lage in Ostukraine – Selenskyj will Befreiung"


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Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 12 Tage

…aber der Putler traut sich net selber in die Ostukraine…

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