Schäden an der 19 Kilometer langen Brücke

Putin gibt Ukraine Schuld an “Terrorakt” auf Krim-Brücke

Montag, 10. Oktober 2022 | 00:15 Uhr

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den ukrainischen Geheimdienst SBU für die schwere Explosion auf der Krim-Brücke verantwortlich gemacht. “Es gibt keine Zweifel. Das ist ein Terrorakt, der auf die Zerstörung kritischer ziviler Infrastruktur der Russischen Föderation ausgerichtet war”, sagte der Kremlchef am Sonntagabend. Kiew hat eine Beteiligung an dem Anschlag bisher nicht eingeräumt.

“Die Täter, Ausführenden und Auftraggeber sind die ukrainischen Geheimdienste”, sagte Putin bei einem Treffen mit Chefermittler Alexander Bastrykin, wie aus einem vom Kreml veröffentlichten Video hervorging. Bei der Vorbereitung des Terroranschlags hätten auch russische Bürger ausländische Staaten mitgeholfen, sagte Bastrykin.

Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew hat indessen die Vernichtung der Verantwortlichen gefordert. “Alle Berichte und Schlussfolgerungen sind gemacht. Russlands Antwort auf dieses Verbrechen kann nur die direkte Vernichtung der Terroristen sein”, sagte Medwedew, der mittlerweile Vize des russischen Sicherheitsrates ist, am Sonntagabend in einem Interview der kremlnahen Journalistin Nadana Friedrichson. “Darauf warten die Bürger Russlands”, meinte er.

Der Kreml hat für diesen Montag eine Sitzung Putins mit dem russischen nationalen Sicherheitsrat angekündigt. Dort könnte eine Reaktion auf den Anschlag besprochen werden.

“Putin beschuldigt die Ukraine des Terrorismus? Das sieht sogar für Russland zu zynisch aus”, erwiderte daraufhin der Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Mychajlo Podoljak, auf Twitter. Podoljak verwies auf jüngste Raketenangriffe in der südukrainischen Stadt Saporischschja, infolge dessen jüngsten Erkenntnissen nach mehr als ein Dutzend Menschen starben. “Nein, es gibt nur einen Terrorstaat – und die ganze Welt weiß, wer er ist.”

Samstag früh hatte eine Explosion die 19 Kilometer lange Brücke erschüttert, die Russland und die 2014 von Moskau annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim verbindet. Dabei wurde rund siebeneinhalb Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine das strategisch und symbolisch wichtige Herzensprojekt von Putin schwer beschädigt. Offiziellen Angaben aus Moskau zufolge starben mindestens drei Menschen. Zwischenzeitlich wurden Bahn- und Autoverkehr komplett eingestellt, sind mittlerweile aber weitgehend wieder aufgenommen.

Russlands nationales Ermittlungskomitee hatte in einer ersten Reaktion am Samstag mitgeteilt, dass nach vorläufigen Angaben ein Lastwagen auf der Brücke explodiert sei. Bastrykin sagte nun, es seien viele Zeugen und Augenzeugen vernommen worden. Die Untersuchungen zu dem Anschlag liefen weiter, darunter Sprengstoffanalysen, genetische und kriminalistische Expertisen.

Moskau hatte zunächst direkte Schuldzuweisungen vermieden. Russische Taucher sollten am Sonntag das beschädigte Bauwerk untersuchen. Der Präsident des von Russland auf der Krim eingesetzten Regionalparlaments, Wladimir Konstantinow, sprach aber von einem Angriff durch “ukrainische Vandalen”. Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak betonte dagegen, der explodierte Lastwagen sei aus Russland gekommen, dies weise “eindeutig auf eine Spur nach Russland hin”.

Bei dem Besitzer des Lastwagens handelt es sich nach russischen Angaben um einen Einwohner der südrussischen Region Krasnodar. Sein Haus wurde demnach durchsucht.

Die Ukraine hatte in der Vergangenheit wiederholt mit Angriffen auf die 19 Kilometer lange Brücke gedroht, die ein wichtiger Versorgungs- und Nachschubweg auch für die russischen Truppen auf der Krim ist. Von offizieller ukrainischer Seite reklamierte jedoch niemand die mutmaßliche Attacke für Kiew.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ließ eine Beteiligung seines Landes offen. In der Ukraine sei es großteils sonnig und warm gewesen, “auf der Krim leider bewölkt, obwohl auch dort warm”, sagte er in der Nacht von Samstag auf Sonntag in seiner täglichen Videoansprache in Anspielung auf die Detonation. Näher ging er auf den Vorfall nicht ein.

Selenskyj bekräftigte die Unmöglichkeit von Verhandlungen mit Russland: “Der ständige Terror gegen die Zivilbevölkerung ist Russlands offensichtliche Absage an echte Verhandlungen. Terror auf Staatsebene ist eines der schlimmsten internationalen Verbrechen.”

Russische Staatsmedien bezeichneten die Explosion am Wochenende zunächst als “Notfall”, nicht als Angriff. Die russischen Behörden bemühten sich auch, die Auswirkungen der Schäden an dem Bauwerk herunterzuspielen. Der Auto- und Zugverkehr über die Brücke wurde nach russischen Angaben bereits wieder aufgenommen. Die Passagier-Fernzüge zwischen Russland und der Krim verkehrten demnach am Sonntag “nach Fahrplan”.

Die Explosion dürfte nach Ansicht britischer Experten die Kapazität der Straßenverbindung aber erheblich verringert haben. Zwei der vier Fahrspuren seien auf einer Länge von 250 Metern eingestürzt. Die anderen beiden Spuren würden aber wahrscheinlich wieder genutzt, hieß es im täglichen Geheimdienst-Update des britischen Verteidigungsministeriums. Wie schwer die Schienenverbindung beschädigt ist, sei unklar, “aber jegliche schwerere Störung ihrer Kapazität wird höchstwahrscheinlich einen erheblichen Einfluss auf die bereits angespannten Fähigkeiten Russlands haben, seine Kräfte in der Südukraine zu versorgen”, so die Mitteilung.

Die Auto- und Eisenbahnbrücke führt über die Straße von Kertsch und war vier Jahre nach der Annexion der Krim durch Russland fertiggestellt und 2018 von Putin persönlich eingeweiht worden.

Unterdessen gehen die Kämpfe in der Ukraine weiter: Bei neuen russischen Raketenangriffen auf die südukrainische Stadt Saporischschja wurden laut Selenskyj mindestens 14 Menschen getötet. Zuvor war sogar von 17 Toten die Rede gewesen. Die russische Armee erklärte, sie habe mit “Hochpräzisionswaffen” “ausländische Söldner” nahe Saporischschja angegriffen.

Das österreichische Außenministerium kritisierte die russischen Angriffe auf zivile Infrastruktur am Sonntag auf Twitter scharf. Diese seien “völlig inakzeptabel und müssen aufhören”, hieß es. “Der Schutz der Zivilbevölkerung ist keine Wahl, sondern eine völkerrechtliche Pflicht. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.”

Von: APA/dpa/AFP

Kommentare

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21 Kommentare auf "Putin gibt Ukraine Schuld an “Terrorakt” auf Krim-Brücke"


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Superredner
1 Monat 27 Tage

Medwedew und direkte Vernichtung? Warum spricht er nicht vom „totalen Krieg“? Okay, die Worte gab es schon einmal und das Ende ist bekannt. Auf der anderen Seite ist wieder ein „Führer“ an der Macht – ein echter Stalin-Nachfolger in Russland – dem Massenvernichtung, Folter und Mord an Regime-Gegnern und Bedrohung der gesamten Staatengemeinschaft ebenso anzulasten ist. Die Tölpel, die hier russische massenhafte Kriegsverbrechen ausblenden, heißen sie indirekt gut und auch hier lassen sich Parallelen zur Nazizeit ziehen. Ein blindes Volk folgte dem Diktator in den Abgrund.

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 27 Tage

Der Massenschlächter spricht vo an Terrorakt 🤔😂😂😂😂
Blost ihm in Rest a glei no aweck!👍

sophie
sophie
Kinig
1 Monat 27 Tage

Krim ist 🇺🇦🇺🇦🇺🇦🇺🇦🇺🇦🇺🇦🇺🇦und nicht Russland,
Putin hat sich die Krim nur ausgeliehen,
Jetzt ist die Zeit gekommen,
sie zurück zu geben…..

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 27 Tage

…da regt sich ja der richtige auf!…
😆

faif
faif
Superredner
1 Monat 27 Tage

…wenn putin nicht “den roten knopf” hätte, wäre er schon längst vernichtet worden…inklusive seiner treuen gefolgschaft!
…und das wäre auch gut so, nach alledem was er verursacht hat.

andr
andr
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

Was man in den Wald hinein schreit……..

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

“Terrorakt”???
Was ist dann die systematische Bombardierung der ukrainischen Städte?

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 27 Tage

…Russen führen Krieg gegen Zivilbevölkerung…das bringens grad noch zamm…ekelhaft…

Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

@Doolin erlost de leiden wos sich net wehren kennen ondere tatn zrugschiasen

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 27 Tage

Wir wissen nicht, wer dahintersteckt. Putin sucht einen Vorwand, um zu eskalieren, weil die Ukraine zuletzt militärisch erfolgreich war und die bisherige Art der Kriegsführung nun zu einem russischen Fiasko wird. Da ist es besser, auf alt bewährte Mittel zurückzugreifen, die man bereits im 2. Tschetschenienkrieg und in Syrien erfolgreich umgesetzt hat: bombardieren von Städten, Einschüchterung der Zivilbevölkerung, Vertreibung und Belagerung. Egal wer es nun war, Russland wird versuchen, diesen Weg zu gehen.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

…. 1 Tag ist vergangen und schon weiss man wer das wahr? Naja, die Zugänge zur Brücke werden kontrolliert, der Lkw kam vom russischen Festland. Da müssten die Ukrainer schon extrem gut gearbeitet haben und die Russen weggeschaut….. Putin und seine nationalistischen Schergen bombent sich in die Geschichtsbücher, als Htiler und deren Terrorregimes des 21. Jh….. tragisch und zwingt auch noch die eigenen Leute in der Schlacht zu sterben…..

inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

Putin greift einen autonomen Staat an, bombardiert und zerztört zivile Einrichtungen, Häuser, Krankenhäuser, Schulen usw., wobei tausende Leute getötet werden und er duldet keine Gegenwehr und keinen Gegenangriff von ukrainischer Seite … 🤔 … 🤦‍♀️

phile
phile
Grünschnabel
1 Monat 27 Tage

wos wenn putin die Brücke selber gesprengt hat ? um Ukraine die Schuld zu geben?

@
@
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

Man kann Putin vorhalten, dass er nicht rational denkt, jedoch so dumm schätze ich ihn nicht ein, dass er seine eigene Versorgungsinfrastruktur zerstört nur um dem Gegner die Schuld zu geben.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

Was sagt eigentlich
unser Experte für alles und ganz besonders für Russland, ihr wisst schon wer (N. G.) dazu?
Er ist in letzter Zeit etwas wortkarg geworden.

Zugspitze947
1 Monat 27 Tage

Diese illegale Brücke gehört restlos zerstört ! 😡👌😝

@
@
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

Leider nein,die Züge fahren schon wieder und es auch die darunterliegende Autobahn ist einspurig befahrbar

@
@
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

Sorry habe mich “verlesen”, nämlich dass diese Brücke entgültig zerstört sei. Natürlich hast du recht.

tom
tom
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

und gibt indirekt zu, dass die russische Terrorabwehr nicht mal einen kleinen Pfifferling wert ist

shanti
shanti
Tratscher
1 Monat 26 Tage

🤡🤡🤡🤡

Schneehuhn
Schneehuhn
Grünschnabel
1 Monat 26 Tage

und was macht Putin in der Ukraine? Rosen verteilen ? den Menschen helfen ? Sollte sich mal an seine Nase packen

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