13 Menschen wurden bei der Explosion verletzt

Putin stuft Explosion in St. Petersburg als Terrorakt ein

Donnerstag, 28. Dezember 2017 | 14:06 Uhr

Bei der Explosion in einem Supermarkt in St. Petersburg hat es sich nach Angaben von Russlands Präsident Wladimir Putin um einen Terroranschlag gehandelt. “Gestern ist in St. Petersburg eine terroristische Tat verübt worden”, sagte Putin am Donnerstag in Moskau. Bei der Explosion waren am Mittwochabend 13 Menschen verletzt worden.

Putin wies die russischen Sicherheitsbehörden an, “entschieden zu handeln”. Kriminelle sollten bei ihrer Festnahme “auf der Stelle ausgeschaltet werden”, wenn sie für die Einsatzkräfte “eine Gefahr für Leib und Leben” darstellten, sagte Putin zu Beginn einer Zeremonie im Kreml. “Es handelt sich um diejenigen, die sich darauf vorbereiten, Anschläge in unserem Land zu verüben”, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Der Sprengsatz war am Mittwoch gegen 18.45 Uhr (Ortszeit, 16.45 Uhr MEZ) explodiert, als viele Russen zu Vorbereitungen für den Jahreswechsel unterwegs waren. Der Vize-Gouverneurin von St. Petersburg, Anna Mitjanina, zufolge befanden sich am Donnerstag noch sechs der 13 Verletzten im Krankenhaus. Fünf Verletzte hätten einen Klinikaufenthalt verweigert, teilte sie im Kurzbotschaftendienst Twitter mit.

Der Sprengsatz war in einem Schließfach in dem Supermarkt deponiert. Auf am Donnerstag veröffentlichten Bildern einer Überwachungskamera aus dem Supermarkt war ein Mann in einer Kapuzenjacke mit einem offenbar schweren Rucksack zu sehen, der das Geschäft anschließend ohne den Rucksack wieder verließ.

Das Nationale Antiterror-Komitee (NAK) übernahm die Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwochabend zunächst erklärt, es werde wegen versuchten Mordes ermittelt. Das NAK erklärte am Donnerstag, es sei zu der Explosion gekommen, nachdem “ein Krimineller einen nicht identifizierten Sprengsatz in einem Schließfach deponierte”.

In Russland herrscht derzeit Besorgnis über die Rückkehr von Jihadisten, die in Syrien gekämpft haben. Putin hatte Mitte Dezember einen Teilabzug der russischen Truppen aus Syrien angekündigt. Die russischen Sicherheitsbehörden erklärten anschließend, es sei eine Rückkehr von Jihadisten zu befürchten, nachdem die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) praktisch alle ihre Gebiete in Syrien und im Irak verloren habe.

Russlands Eingreifen in den Syrienkrieg zugunsten von Machthaber Baschar al-Assad hatte gemeinsam mit der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition dazu beigetragen, den IS aus praktisch allen Gebieten in dem Land zu vertreiben.

Laut dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB reisten knapp 4.500 russische Staatsbürger ins Ausland, um “an der Seite von Terroristen” zu kämpfen. Putin lobte am Donnerstag bei der Zeremonie im Kreml zur Ehrung von Soldaten für ihren Syrien-Einsatz Russlands “wichtigen Beitrag beim Sieg über kriminelle Kräfte, welche die gesamte Zivilisation herausforderten”.

Mitte Dezember hatte Präsident Putin mitgeteilt, seine Sicherheitskräfte hätten dank Informationen des US-Geheimdienstes CIA Anschläge in St. Petersburg verhindern können. Die Heimatstadt des Präsidenten, der sich im März der Wiederwahl stellt, gehört zu den Austragungsorten der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Russische Behörden hatten sich in den vergangenen Monaten gescheut, Terroranschläge als solche einzustufen, auch wenn es klare Hinweise dafür gab.

In Russland hatte es zuletzt mehrfach Anschläge gegeben. Im April waren bei einem Bombenanschlag in der U-Bahn von St. Petersburg 16 Menschen getötet und dutzende weitere verletzt worden. Zu der Tat bekannte sich eine Gruppe aus dem Umfeld des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Im Juli meldete der russische Inlandsgeheimdienst FSB die Festnahme von sieben Verdächtigen wegen Vorbereitung von “Terrorakten” in St. Petersburg. Erst in diesem Monat war ein offenbar auf die berühmte St. Petersburger Kasaner Kathedrale geplanter Anschlag vereitelt worden, was auf US-Geheimdienstinformationen zurückging.

Von: APA/dpa/ag.