Erdogan hatte sich bei Putin entschuldigt

Putin und Erdogan kündigten gemeinsames Telefonat an

Dienstag, 28. Juni 2016 | 14:30 Uhr

Die Präsidenten Russlands und der Türkei wollen nach sieben Monaten Streit an diesem Mittwoch erstmals wieder telefonieren. Das kündigte ein Präsidialamtssprecher am Dienstag in Moskau an. Man dürfe nicht erwarten, dass die Angelegenheit nach der Entschuldigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für den Abschuss eines Kampfjets innerhalb von Tagen aus der Welt sei.

Es sei jedoch ein “sehr wichtiger Schritt” vollzogen worden, sagte der Sprecher des russischen Staatschefs Wladimir Putin. Das Telefongespräch finde auf russische Initiative hin statt, ergänzte der Kreml-Sprecher. Aus türkischen Regierungskreisen hieß es, Putin wolle Erdogan bei dem Telefonat “seine Dankbarkeit ausdrücken”.

Am Montag war ein Brief Erdogans an Putin bekannt geworden, in dem er sich bei der Familie des russischen Piloten entschuldigt, der bei dem Abschuss des Kampfjets durch die türkische Luftwaffe Ende November getötet worden war. Zugleich äußerte Erdogan sein “Bedauern” über den Zwischenfall. Der Regierungsvertreter in Ankara unterstrich, Erdogan habe die Familie, nicht aber die russische Regierung um Verzeihung gebeten. “Wir haben keine Entschuldigung ausgesprochen, sondern unser Bedauern zum Ausdruck gebracht.”

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sorgte unterdessen mit widersprüchlichen Äußerungen zu einer möglichen Entschädigung für Verwirrung. Nachdem er zunächst eine Entschädigungszahlung in Aussicht gestellt hatte, ruderte er am Dienstag zurück. Russland zu entschädigen, komme nicht in Frage, wurde Yildirim vom Fernsehsender CNN-Türk zitiert.

Am Montagabend hatte Yildirim im Fernsehsender TRT gesagt, dass die türkische Regierung bereit sei, Russland “falls erforderlich” eine Entschädigung zu zahlen. Der Präsidentenpalast in Ankara widersprach dieser Darstellung jedoch. Es gebe keine “Absprache” über eine Entschädigungszahlung an Russland, sagte ein Vertreter des Präsidentenpalastes der Nachrichtenagentur AFP.

Der Abschuss des Kampfbombers vom Typ Su-24 durch die türkische Luftwaffe im Grenzgebiet zu Syrien im vergangenen November hatte das Verhältnis beider Länder stark belastet. Ankara zufolge hatte der russische Jet den türkischen Luftraum verletzt. Moskau bestritt das und warf der Türkei eine “geplante Provokation” vor. Russland verhängte Sanktionen. Vor allem die türkische Tourismusbranche und die Landwirtschaft waren davon stark betroffen.

Nach der Entschuldigung hofft die Türkei nun auf eine rasche Normalisierung der belasteten Beziehungen. Erdogan sagte am Montagabend in Ankara, er hoffe, “dass wir die derzeitige Situation, die für beide Länder schädlich ist, hinter uns lassen können”. Er strebe eine “rasche Normalisierung” der Beziehungen zu Russland an.

Im syrischen Bürgerkrieg unterstützt Moskau Syriens Machthaber Bashar al-Assad mit eigenem Militär, während die Türkei die gegen Assad kämpfenden Rebellen unterstützt.

Von: apa