AKW Saporischschja könnte bald Besuch von IAEA-Kontrolleuren erhalten

Putin und Macron für Inspektion in ukrainischem AKW

Freitag, 19. August 2022 | 22:11 Uhr

Ein Fokus der internationalen Vermittlungsbemühungen im Ukraine-Krieg ist weiterhin das von russischen Truppen besetzte AKW Saporischschja. Russlands Präsident Wladimir Putin und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron haben sich am Freitag in einem Telefonat für eine Inspektion durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) ausgesprochen. IAEA-Chef Rafael Grossi erklärte seine Bereitschaft, “baldmöglichst” Inspekteure zu entsenden.

Putin und Macron forderten nach ihrem Telefonat am Freitag einer Mitteilung des Kreml zufolge, IAEA-Kontrolleure sollten das Kraftwerk “sobald wie möglich” besichtigen. Russland sichere die “erforderliche Mithilfe” zu. Aus dem französischen Präsidentenbüro hieß es, Macron habe sich für die “schnellstmögliche Entsendung” einer IAEA-Expertenmission “unter Bedingungen, denen zuvor die Ukraine und die UNO zugestimmt haben” ausgesprochen. Macron und Putin würden sich hierüber in den kommenden Tagen erneut austauschen. Das Telefonat war der erste direkte Austausch zwischen den beiden Staatschefs seit Ende Mai.

IAEA-Chef Grossi sagte, er begrüße die jüngsten Aussagen, die Unterstützung Kiews wie Moskaus für das Ziel der IAEA erkennen ließen, eine Mission nach Saporischschja zu entsenden. Die Behörde sei in “Beratungen mit allen Parteien”, um baldmöglichst Inspekteure in das AKW zu schicken.

Mit Blick auf einen Besuch internationaler Atom-Experten hatte es zuletzt Uneinigkeiten zu den Anreisemodalitäten gegeben. Von französischer Seite hieß es nach dem Telefonat der Präsidenten am Freitag, die Anreise solle über die Ukraine unter Kontrolle der dortigen Regierung erfolgen. Für die Sicherheit der Experten sei eine Feuerpause erforderlich, auch wenn diese nicht einfach zu verhandeln sei.

Die russische und die ukrainische Führung machen sich seit Tagen gegenseitig für den Beschuss des größten Atomkraftwerks in Europa verantwortlich. Russland lehnt zudem internationale Forderungen ab, die eigenen Truppen von dem AKW-Gelände abzuziehen, das diese im Zuge des seit rund einem halben Jahr andauernden Kriegs gegen die Ukraine erobert haben.

International wird ein besonderes Augenmerk auf Saporischschja gelegt, denn ein Treffer in den Reaktoren könnte eine Nuklearkatastrophe ähnlich wie der in Tschernobyl 1986 auslösen. Damals wurde nicht nur die unmittelbare Umgebung dauerhaft verstrahlt, sondern radioaktiver Niederschlag ging auch in mehreren europäischen Ländern nieder. IAEA-Chef Grossi warnte Anfang August mit Blick auf Kämpfe in der Umgebung des AKW vor einem “Spiel mit dem Feuer, mit möglichen katastrophalen Folgen”.

In Kiew befürchtet man unterdessen die Abschaltung des Kraftwerks. Es gebe Hinweise darauf, dass russische Truppen das Abschalten der noch betriebenen Reaktoren im AKW Saporischschja vorbereiteten, teilte der staatliche Energieversorger Energoatom am Freitag mit. Ein Ausfall der Stromlieferungen aus der riesigen würde vor allem den Süden der Ukraine treffen. Das Land bereitet sich angesichts von Krieg und Verknappung der Energieversorgung auf den schwierigsten Winter seit Erklärung der Unabhängigkeit vor.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte Russland noch am Freitag auf, das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja nicht vom ukrainischen Stromnetz zu trennen. “Natürlich ist der Strom von Saporischschja ukrainischer Strom (…). Dieses Prinzip muss voll und ganz respektiert werden”, sagte Guterres am Freitag bei einer Pressekonferenz in der ukrainischen Hafenstadt Odessa.

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Kommentare

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15 Kommentare auf "Putin und Macron für Inspektion in ukrainischem AKW"


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Sigo70
Sigo70
Superredner
1 Monat 10 Tage

Eigenartige Situation. AKW ist von Russland besetzt und man zweifelt nach daran, wer einen Reaktor beschießen würde. Besteht bei einem Abzug der Russen nicht die Gefahr, dass die ukrainischen Arbeiter als Kollaborateure behandelt werden?

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Mit noch mehr schweren waffen könnte selenski die russen vertreiben👍

magari
magari
Superredner
1 Monat 10 Tage

@Sigo70: wenn die Russen dort eine entmilitarisierte Zone einrichten würden, dann würde man auch nicht kämpfen. Den Ort militärisch als Basis zu nutzen ist eine Geiselnahme.

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 10 Tage

@magari
Richtig erkannt!

Zugspitze947
1 Monat 10 Tage

sarkasmus: Er wird sie vertreiben , es rumort schon gewaltig auf der KRIM wo der Krieg 2014 begann 🙁

Pacha
Pacha
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Der Ukraine steht das Wasser bis zum Hals, nicht nur militärische sondern vor allem auch wirtschaftlich. Dem Land gehen durch den Krieg die Rohstoffe wie Gas und Strom verloren und sie steht kurz vor einem finanziellen Zusammenbruch. Alles deutet auf eine mögliche Niederlage hin.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 10 Tage

…dies deutete laut Experten schon seit Februar…diese unfähigen Russen mergeln immer noch herum…ausser Zivilisten schänden, bringen die nichts auf die Reihe…

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 10 Tage

Mal wieder nur das Propaganda-Geplärre von Führer Crétin Putin nachgeplappert? Stramme Leistung! (Nein, nicht das dumme Nachplappern, sondern die Tatsache, dass den Russen aber auch rein gar nichts im Völkermordfeldzug gelingt. Dank der Leistung der UkrainerInnen, die sich ihrem Freund und Verbrecher Putin in keinster Weise (und klug zudem) beugen wollen.)

Pacha
Pacha
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage
@Philingus…..mir tut es um einen Jeden leid, der in diesem sinnlosen Kampf sein Leben lassen muss. Ein Krieg auf dem sich die Ukraine seit 2014 mit Hilfe einiger Nato-Staaten vorbereitet hat und in Grunde genommen nur das ausführen muss, was andere sagen. Russland hat mehr als 20 Prozent des Territorium schon eingenommen, darunter fast zur Gänze den für die Ukraine wirtschaftlich wichtigen Donbass. Der Donbass wurde in den Jahren zu einer Festung ausgebaut, mit Bunkeranlagen, Kilometer langen unterirdischen Gängen, Geschützstellungen und Verteidigungswallen. Die Russen und nicht zu vergessen auch die Separatisten nagen daran und kommen Tag für Tag, Meter für… Weiterlesen »
Privatmeinung
Privatmeinung
Superredner
1 Monat 10 Tage

Was ist schon die Wahrheit… ?

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 10 Tage

Privat…..
Die Wahrheit ist das es kein Sinn macht das eigene Land zu verstrahlen aber wenn Putin das Land nicht klauen kann es verstrahlt zu hinterlassen!
Putin geht es ganz sicher nicht um die Bewohner egal ob ukrainische oder russische Bevölkerung sondern nur um den Boden!

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 10 Tage

@OrtlerNord
minusdrücker was seit ihr doch für jämmerlich Figuren! 🤢🤮

Clown
Clown
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Ortler sie gehen doch mit besten Beispiel voran was regen Sie sich dann so auf 🤔

Hustinettenbaer
1 Monat 9 Tage

Der Putler-Clan hat in ca. 2 Jahrzehnten diese Wahrheit vervollkommnet: Ihre, also Russlands Gegner sind Nazis. Sie verdienen Hass und Tod. Ergo sind Russen in Spezialoperationen – egal was sie tun – die Guten.
Die Mehrheit der Bevölkerung ist durch Propaganda, widersprüchliche Lügen weichgekocht. Das Hass-Dogma “draußen ist der Feind” hält das Land zusammen und schützt die Putler-Bande vor Gegner im Inneren.
Denn das sind ja dann Nazis…

pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
1 Monat 10 Tage

Da scheint Putin wohl um seinen eigenen A… …..Angst zu haben,der Massenmörder!

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