Gespräch zwischen Trump und Putin

Putin und Trump stärken gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus

Montag, 18. Dezember 2017 | 15:19 Uhr

Trotz ihres gespannten Verhältnisses wollen Russland und die USA einen angeblich verhinderten Anschlag zum Anlass für eine stärkere Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus nehmen. Russische Sicherheitskräfte hatten nach Darstellung von Präsident Wladimir Putin am Wochenende dank einer Warnung des US-Geheimdienstes CIA einen Bombenanschlag in St. Petersburg verhindert.

Dies sei die bisher produktivste Zusammenarbeit zwischen Moskau und Washington im Kampf gegen den Terrorismus gewesen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau. “Genau solche Standards müssen wir als unseren weiteren Kurs anstreben.”

Putin hatte US-Präsident Donald Trump in einem Telefonat dafür persönlich gedankt. Die Informationen der CIA hätten ausgereicht, um die Verdächtigen aufzuspüren und festzunehmen, teilte der Kreml mit. Russland wolle den USA künftig auf ähnliche Weise helfen, sollten entsprechende Informationen vorliegen.

Trump bezeichnete den vereinten Kampf gegen den Terrorismus als wichtig, wie das Weiße Haus in Washington mitteilte. “Auf Basis der US-Informationen waren die russischen Behörden in der Lage, die Terroristen kurz vor dem Anschlag zu fangen, der eine große Zahl von Menschen hätte töten können.” Trump habe Putins Anruf sehr geschätzt und den Dank weitergegeben an CIA-Direktor Mike Pompeo.

Ein Anschlagsziel war nach Darstellung der russischen Behörden die Kasaner Kathedrale im belebten Zentrum von St. Petersburg. Die Sicherheitskräfte hätten vergangene Woche eine Schläferzelle von Verdächtigen mit Verbindungen zur Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) ausgehoben, berichteten russische Medien. Von sieben Männern war die Rede, mindestens fünf wurden in Untersuchungshaft genommen.

Bei der Festnahme fanden die Einsatzkräfte 800 Gramm Sprengstoff, Gegenstände zum Bau einer Bombe und ein Sturmgewehr. Den Angaben zufolge kommen die Verdächtigen aus dem islamisch geprägten Nordkaukasus und aus Zentralasien. Russland schätzt, dass sich Tausende Menschen aus den beiden Regionen dem IS angeschlossen haben.

Seit einer Bombenexplosion in der Metro der Millionenstadt St. Petersburg am 3. April gehen die russischen Behörden verschärft gegen mutmaßlich radikale Kräfte vor. Damals waren mindestens 15 Menschen getötet worden. Als Täter gilt ein 22-Jähriger aus Kirgistan, der unter den Toten ist. Es war der schwerste Terroranschlag in Russland seit Jahren.

Der überraschende Anruf Putins bei Trump war ein seltenes Zeichen des Einklangs zwischen Moskau und Washington. Der Streit über Russlands Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014, über US-Sanktionen sowie über Moskaus angebliche Beeinflussung der US-Präsidentenwahl hat das Verhältnis zutiefst zerrüttet. Daher werten Experten Putins Dankesworte als vertrauensbildendes Signal.

“Es ist völlig offensichtlich, dass dies ein positives Beispiel dafür ist, was unsere Länder zusammen erreichen können, wenn sie zusammenarbeiten”, sagte der russische Botschafter in den USA, Anatoli Antonow. Es gebe viele Herausforderungen, die Russland und die USA gemeinsam am effektivsten lösen könnten.

Der Geheimdienst-Experte Arsen Martirosjan sagte, der Kontakt der Dienste sei gängige Praxis. “Es gibt ein entsprechendes Protokoll über den Austausch von Informationen zu Terroranschlägen, das nach den Ereignissen vom 11. September 2001 unterschrieben wurde”, sagte der frühere sowjetische Geheimdienstberater der Zeitung “Iswestija”. Trotz Differenzen stünden die Geheimdienste in Kontakt, wenn es um die Rettung von Menschenleben gehe.

Das Telefonat der Präsidenten vom Wochenende war bereits das zweite innerhalb weniger Tage. Schon bei seiner Jahrespressekonferenz am Donnerstag hatte Putin unerwartet milde Töne gegenüber Trump angeschlagen. Gäbe es im Englischen den Unterschied zwischen “Du” und “Sie”, sie würden sich vermutlich duzen, hatte er gesagt.

Von: APA/dpa/ag.