Rainer Nowak legt alle Funktionen bei der "Presse" zurück

Rainer Nowak tritt nach Chat-Affäre als “Presse”-Chef zurück

Freitag, 11. November 2022 | 13:33 Uhr

Rainer Nowak tritt als Chefredakteur, Herausgeber und Geschäftsführer der “Presse” “aus eigenem Wunsch” zurück. Das teilte Nowak in einem gemeinsamen Statement mit der Styria Media Group am Freitag mit. Es gehe ihm “um klare, unmissverständliche Konsequenzen aus der aktuellen Debatte rund um öffentlich gewordene Chat-Protokolle”. Erst am Montag hatte Nowak seine Funktionen als Chefredakteur und Herausgeber vorläufig ruhend gestellt.

Dieser Schritt geschehe vor allem, um “jeden Anschein von Befangenheit zu nehmen und die Unabhängigkeit der ‘Presse’ als Tageszeitung zu wahren, die Redaktion der ‘Presse’ und die Styria in der sehr emotional geführten Debatte vor Vorwürfen zu bewahren und um die Familie Nowaks vor weiteren unangebrachten Angriffen zu schützen”, hieß es in der Aussendung. Aufsichtsrat und Vorstand der Styria sprachen Nowak ihren “großen Dank für dessen 25 Jahre unermüdlichen Engagements” aus. Ihm sei es gemeinsam mit “Presse”-Geschäftsführer Herwig Langanger gelungen, das Medienhaus publizistisch weiterzuentwickeln, finanziell zu stabilisieren und auf Erfolgskurs zu bringen. Die interimistische Leitung der Chefredaktion übernahm bereits am Montag der stellvertretende Chefredakteur der “Presse” Florian Asamer.

Hintergrund des Rücktritts ist ein Bericht der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), der diese Woche bereits ORF-TV-News-Chefredakteur Matthias Schrom zurücktreten ließ. In dem Bericht sind Chats von Nowak mit dem damaligen Generalsekretär im Finanzministerium Thomas Schmid über eine mögliche Position in der ORF-Chefetage enthalten. Nowak hegte Ambitionen, an die Spitze des ORF zu gelangen und erhoffte sich dafür offenbar Unterstützung von Schmid. So schrieb Schmid etwa: “Jetzt du noch ORF-Chef”/”Alter – dann geht’s aber ab”/”Danke für alles.” Nowak reagierte mit: “Ehrensache. Jetzt musst du mir bitte beim ORF helfen.” Schmid: “Unbedingt.” Darüber hinaus gab Nowak Schmid Wordingtipps für die Kommunikation mit seiner Redaktion.

Nowak hielt dazu fest, dass es nie einen Deal mit Schmid gegeben habe. Bei der ORF-Wahl im Sommer 2021 wurde dann auch Roland Weißmann zum Generaldirektor gewählt. Zudem stand die FPÖ Nowak offenbar kritisch gegenüber. In einer FPÖ-internen Chatgruppe über den ORF wurde er als “wesentlich feindseliger als Wrabetz” eingeschätzt. “Er ist nicht unser Freund”, hieß es in einer Nachricht.

Nach Bekanntwerden der Chats zwischen Nowak und Schmid Ende vergangene Woche entschuldigte sich Nowak bei den Leserinnen und Leser der “Presse” für die “Tonalität und unangemessene Nähe” der Chatverläufe. Er betonte, dass kein Interventionsversuch in der Berichterstattung Niederschlag gefunden haben soll und die Vorwürfe ihn und nicht die Redaktion beträfen. Eine anonyme Anzeige rund um wohlwollende Berichterstattung und Interventionen für Nowaks Partnerin steht laut Nowaks Anwalt vor der Zurücklegung.

Am Montag kündigte die Styria Media Group eine interne Prüfung der Vorwürfe an, Nowak stellte seine Funktionen als Chefredakteur und Herausgeber ruhend. Innerhalb der Redaktion führten die Chats laut Redaktionsausschuss der Zeitung “teilweise zu schweren Irritationen”. Der Redaktionsausschuss verwies darauf, dass “die rote Linie nicht erst mit strafrechtlich relevanten Handlungen überschritten wird und Kontakte mit politischen Entscheidungsträgern keinesfalls zur Durchsetzung persönlicher Eigeninteressen genützt werden dürfen”.

Nowak war seit 1996 für die “Presse” tätig. 2012 stieg der gebürtige Innsbrucker zum achten Chefredakteur der Zeitung auf und folgte damit Michael Fleischhacker nach. 2014 gesellte sich die Funktion als Herausgeber und 2017 jene als Geschäftsführer hinzu. Rainer Nowak zeichnete damit vollumfassend für die inhaltliche Ausrichtung der “Presse” verantwortlich.

Im WKStA-Bericht enthaltene Chats sind diese Woche bereits einem Chefredakteur zum Verhängnis geworden. Am Mittwoch trat ORF-TV-News-Chefredakteur Matthias Schrom zurück. Grund waren publik gewordene Chats aus dem Jahr 2019 mit Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Er tauschte sich damals als ORF 2-Chefredakteur mit dem Politiker zur inhaltlichen Ausrichtung der ORF-Berichterstattung und Personalwünschen der FPÖ aus.

Von: apa

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