Vor dem Gouverneurssitz kam es zu Straßenschlachten

Randale nach Selbstverbrennung von Journalist in Tunesien

Dienstag, 25. Dezember 2018 | 19:20 Uhr

Die Selbstverbrennung eines Journalisten in Tunesien hat in dem nordafrikanischen Land Ausschreitungen ausgelöst. Nach der Beerdigung des 32-Jährigen errichteten dutzende Demonstranten in der Nacht auf Dienstag in Kasserine eine Barrikade aus brennenden Autoreifen und blockierten die Hauptverkehrsstraße. Die Polizei setzte Tränengas ein. Am Dienstagnachmittag gab es erneut Zusammenstöße.

Die Proteste hatten kurz nach der Beerdigung des 32-jährigen Abdel Razaq Zorgi begonnen. Der Journalist aus Kasserine, im Westen des Landes, war am Montagabend seinen Verletzungen erlegen, nachdem er sich aus Protest gegen die hohe Arbeitslosigkeit und die allgemeine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Region Kasserine selbst angezündet hatte. In einem Video hatte er gesagt, er wolle eine Revolution starten. Kasserine liegt 270 Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt.

Bei den Zusammenstößen in der Nacht auf Dienstag wurden nach Angaben des Innenministeriums sechs Sicherheitskräfte leicht verletzt. Neun Menschen seien festgenommen worden.

Am Dienstag in der Früh hatte sich die Lage beruhigt, doch am Nachmittag gab es wieder Proteste. Dutzende Demonstranten gingen auf die Straße, die Polizei setzte erneut Tränengas ein. Vor dem Gouverneurssitz kam es zu Straßenschlachten. Die Polizei verstärkte ihre Präsenz auf den Hauptstraßen. Angaben zu möglichen Verletzten oder Festnahmen vom Dienstagnachmittag lagen zunächst nicht vor.

Eine Selbstverbrennung in Tunesien hatte Ende 2010 den Arabischen Frühling ausgelöst. Am 17. Dezember 2010 hatte sich in Sidi Bouzid der junge Gemüsehändler Mohamed Bouazizi aus Verzweiflung über seine Lage angezündet und damit landesweite Proteste ausgelöst – auch in Kasserine.

Der Aufstand trieb im Jänner 2011 den langjährigen Machthaber Zine El Abidine Ben Ali aus dem Amt und inspirierte ähnliche Proteste in Ägypten, Libyen, Jemen, Bahrain und Syrien.

Von: APA/ag.

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