Die Angriffe hatten alle einen islamistischen Hintergrund

Razzien gegen islamistisches Netzwerk in Deutschland

Mittwoch, 10. April 2019 | 14:24 Uhr

Die deutsche Polizei hat Mittwoch früh in neun Bundesländern Razzien gegen ein mutmaßliches deutschlandweit aktives Islamisten-Netzwerk gestartet. Hintergrund ist der Verdacht, dass das Netzwerk die radikalislamische Palästinensergruppe Hamas “finanziell und propagandistisch” unterstütze, teilte das Innenministerium in Berlin mit.

Demnach wurden in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein etwa 90 Objekte durchsucht. An der Spitze des Netzwerks stünden die in Nordrhein-Westfalen ansässigen Vereine WWR Help und Ansaar International.

“Wer unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe die Hamas unterstützt, missachtet fundamentale Wertentscheidungen unserer Verfassung”, erklärte Innenminister Horst Seehofer. “Dadurch wird auch das Engagement der vielen Hilfsorganisationen diskreditiert, die sich unter schwierigen Rahmenbedingungen zur Neutralität verpflichtet haben.” Die USA, Israel und die EU haben die Hamas, die im Gazastreifen herrscht, als Terrororganisation eingestuft.

Dem Innenministerium zufolge besteht der dringende Verdacht, dass sich das Netzwerk gegen den Gedanken der Völkerverständigung gemäß dem Grundgesetz richte. Die beteiligten Organisationen seien nach aktuellem Ermittlungsstand dem “extremistischen Milieu zuzurechnen”.

Ansaar International wurde 2012 in Düsseldorf gegründet. Vordergründig verfolgt der Verein laut Behördenangaben den Zweck, humanitäre Hilfe für Muslime weltweit zu leisten – beispielsweise in Syrien, Somalia, Marokko und Myanmar. Ansaar International betreibt unter anderem mehrere Bekleidungsgeschäfte. Es gibt personelle Überschneidungen mit dem mittlerweile verbotenen Verein Die Wahre Religion/Stiftung LIES, die in mehreren Städten Koranausgaben in deutscher Übersetzung auf der Straße verteilt hatte.

Die 2014 gegründete und in Neuss (Nordrhein-Westfalen) ansässige Organisation WWR Help bezeichnet sich selbst als Hilfsverein zur Unterstützung von Kriegsopfern, Kriegshinterbliebenen, Kriegsgefangenen sowie hilfsbedürftigen und notleidenden Menschen in Kriegs- und Krisengebieten. Im Vordergrund der Vereinsaktivitäten steht dem Landesverfassungsschutz zufolge die Hilfe für Betroffene im Gazastreifen.

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben der “Rheinischen Post” zufolge seit 2010 13 Terroranschläge verhindert. Dabei habe es sich ausschließlich um geplante Angriffe mit einem islamistischen Hintergrund gehandelt, so die Zeitung unter Berufung auf Angaben des deutschen Bundeskriminalamts (BKA).

Es seien unter anderem in Düsseldorf, Bonn, Köln, Chemnitz, Ludwigshafen, Schwerin, Niedersachsen, Karlsruhe und im Raum Frankfurt Anschläge geplant gewesen. Zudem habe es weitere Anti-Terror-Einsätze gegeben, über deren Anzahl das BKA jedoch aus einsatztaktischen Gründen keine weitere Auskunft geben wolle.

Von: APA/ag.