Houthis verwenden Drohnen für ihren Kampf

Regierung des Jemen sagt Teilnahme an Friedensgesprächen zu

Montag, 19. November 2018 | 20:48 Uhr

Neue Hoffnung für den Jemen: Die jemenitische Regierung hat am Montag ihre Teilnahme an Friedensgesprächen mit den Houthi-Rebellen zugesagt. Es werde eine Delegation zu den Gesprächen nach Stockholm entsandt, teilte das Außenministerium mit. Dort soll eine politische Lösung für ein Ende des blutigen Konflikts gefunden werden.

Zuvor hatten die Houthi-Rebellen mitgeteilt, die Drohnen- und Raketenangriffe auf die Regierung sowie deren Verbündete Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate zu stoppen. Damit reagierten sie auf einen entsprechenden Aufruf der Vereinten Nationen, wie es in einer Erklärung hieß.

Die vom Iran unterstützten Houthis zeigten sich zudem bereit für einen umfassenderen Waffenstillstand, sollte die von Saudi-Arabien angeführte feindliche Militärallianz den Frieden wollen. Diese hatte zuletzt ihre Offensive auf die jemenitische Hafenstadt Hodeidah unterbrochen, die von Houthis kontrolliert wird und zum Brennpunkt der Kämpfe geworden ist. Über den Küstenort am Roten Meer läuft ein Großteil des Nachschubs für die Gebiete unter Houthi-Kontrolle im Norden des bitterarmen Landes. Eine Eroberung durch die arabische Koalition würde für die Houthis eine möglicherweise entscheidende Niederlage bedeuten.

Das Aussetzen eigener Raketen-und Drohnenangriffe sei ein Akt des guten Willens. Man nehme damit den Feinden jeden Vorwand, Friedensgespräche abzulehnen und ihre “Belagerung” des Jemens fortzusetzen, teilte Mohammed al-Houthi, Anführer des Revolutionskomitees der Rebellen, auf Twitter mit.

Großbritannien verlangte in einem UNO-Resolutionsentwurf ein sofortiges Ende der Gefechte in Hodeida. Die Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi sagte zu, eine Delegation zu den Friedensgesprächen zu entsenden, um “eine politische Lösung” für ein Ende des blutigen Konflikts zu erreichen. Das jemenitische Außenministerium rief die UNO auf, Druck auf die Rebellen auszuüben, damit sich diese “ohne Bedingungen” an den Verhandlungen in Schweden beteiligten.

Der UNO-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths, wird in dieser Woche zu einem Besuch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa erwartet, um die Friedensgespräche in Stockholm endgültig zu vereinbaren. Er befürwortete die Ankündigung der Houthi-Rebellen und rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.

Der Bürgerkrieg dauert bereits seit fast vier Jahren an. Truppen aufseiten des ins Exil geflohenen, aber international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansour Hadi kämpfen gegen die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen, die weite Teile des Nordens inklusive der Hauptstadt Sanaa kontrollieren. Seit 2015 bombardiert ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis Stellungen der Houthis aus der Luft, wobei bereits Tausende Zivilisten getötet wurden. Die Aufständischen hatten vor allem das benachbarte Saudi-Arabien immer wieder mit Raketen angegriffen.

Die Vereinten Nationen bezeichnen den Krieg im Jemen als schwerste humanitäre Krise der Gegenwart. Mehr als 10.000 Menschen kamen ums Leben, über zwei Millionen wurden vertrieben. Die UNO warnt vor einer verheerenden Hungersnot in dem Land.

Die Ankündigung der Houthis kommt nur wenige Tage, nachdem UNO-Vermittler Martin Griffiths vor dem UNO-Sicherheitsrat in New York neue Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien angekündigt hatte. Diese sollten “in Kürze” stattfinden, sagte Griffiths, ohne ein Datum zu nennen. Außerdem hätten sich Regierung und Rebellen auf den Austausch von Gefangenen geeinigt. Erst im September waren politische Gespräche zwischen den Kontrahenten mangels Teilnahme der Rebellen gescheitert.

Die Rebellen feuerten in der Vergangenheit auch Raketen auf Ziele in Saudi-Arabien ab. Sie bezeichneten dies als Vergeltung für die zahlreichen Luftschläge der Militärallianz, durch die auch Schulen, Märkte und Krankenhäuser getroffen wurden.

Die saudi-arabische Allianz im Jemen wurde von westlichen Staaten mit Waffenlieferungen und Geheimdienstinformationen unterstützt. Doch zuletzt forderten Verbündete wie die USA ein Ende der Kämpfe. Nach der Ermordung des regierungskritischen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi Anfang Oktober in Istanbul wächst der internationale Druck auf das Königreich.

Zuletzt bröckelte auch der Rückhalt der Rebellen unter ihren Anhängern. Vor gut einer Woche lief ihr ehemaliger Informationsminister Abdel-Salam Jaber zum Feind über und gab eine Pressekonferenz in Riad. Dort ließ er kein gutes Haar an den Aufständischen: “Die Milizen schicken im Namen der Religion Kinder in den Krieg”, sagte Jaber. “Ihre letzten Tage” seien angebrochen.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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1 Kommentar auf "Regierung des Jemen sagt Teilnahme an Friedensgesprächen zu"


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zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
28 Tage 3 h

Bei Konflikten mit arabischen/muslimischen Hintergrund gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Machen lassen, oder militärisch intervenieren. 
Alles Andere ist nicht nachhaltig. Der fromme Wunsch des “Westens” dort Frieden zu schaffen, basiert nicht auf den Werten, die in dieser Region gültig sind.

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