Dornauers Sager sorgte teils für Erheiterung und ablehnende Reaktionen

Rendi-Wagner lehnt Dornauer für Bundesgremien ab

Donnerstag, 22. November 2018 | 22:43 Uhr

Die neue SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner zieht nach dem Wirbel um den Sexismus-Sager des designierten Tiroler SPÖ-Chefs Georg Dornauer Konsequenzen. “Die Aussage von Georg Dornauer jun. ist inakzeptabel. Damit ist er als stellvertretender Bundesparteivorsitzender nicht tragbar”, erklärte Rendi-Wagner am Donnerstag.

Dornauer werde deshalb “keine bundespolitischen Funktionen – weder im Präsidium noch im Vorstand – übernehmen”, schrieb Rendi-Wagner, die am Samstag zur neuen SPÖ-Chefin gewählt wird. Dornauer selbst nimmt die Entscheidung “so zur Kenntnis”. “Die Tiroler SPÖ weiß, dass meine Stimme in Wien auch so gehört wird”, sagte Dornauer der APA. Die Landespartei stehe jedenfalls voll hinter ihm, er erhalte zahlreiche entsprechende Anrufe. Er wisse, wie sein umstrittener Sager im Landtag gemeint gewesen sei. Dieser werde nun von der Landes-ÖVP bewusst lanciert und uminterpretiert, um ihn “anzupatzen”, erklärte Dornauer. Jeder, der ihn kenne, wisse, dass ihm jegliche Form von Sexismus völlig fremd sei.

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) verlangte in der “ZiB2” eine “zweite Chance” für Dornauer. Die – sexistische – Aussage Dornauers sei “natürlich nicht in Ordnung”. Aber er habe sich umgehend entschuldigt und werde sicherlich einen solchen Fehler nicht noch einmal machen, so Niessl.

Die Tiroler SPÖ-Landesorganisation hatte für die Funktion eines stellvertretenden Bundesparteivorsitzenden und Präsidiumsmitglieds ursprünglich die Nationalratsabgeordnete Selma Yildirim nominiert. Diese Woche hatte der Tiroler Landesparteivorstand diesen Vorschlag noch abgeändert und Dornauer nachnominiert. Dieser Beschluss sollte noch am Donnerstag per Rundlauf von der Bundespartei mitgetragen werden. Nun will die neue SPÖ-Chefin nach den Aussagen Dornauers, die erst am Donnerstag medial breit getreten wurden, der Landespartei diesen Wunsch verwehren.

Zwei Tage vor dem SPÖ-Bundesparteitag und nur drei Tage nach seiner Inthronisierung sorgte der designierte Tiroler SPÖ-Chef Dornauer für Gesprächsstoff – und zwar konkret ein Sager aus dem Landtag. In dem auf Twitter die Runde machenden Video meinte er in Richtung der krankheitsbedingt abwesenden Grünen-LR Gabriele Fischer: “Ich will mir die Landesrätin nicht in der Horizontalen vorstellen.”

Der Sager ist in einem Video aus der Landtagssitzung der vergangenen Woche dokumentiert und sorgte im Plenum teils für Erheiterung und teils für ablehnende Reaktionen. Am Donnerstag machte er in Sozialen Medien die Runde.

Dornauer selbst sagte der APA, dass er sich bereits während der Sitzung erklärt und entschuldigt habe. Der den Vorsitz führende ÖVP-Landtagsvizepräsident Anton Mattle habe ihm daraufhin attestiert, dass diese Entschuldigung “ausreichend” sei und akzeptiert werde. Der 35-Jährige betonte, dass er sich mit dem “Horizontalen”-Sager einzig und allein auf die Bettlägerigkeit wegen Krankheit von Grünen-Landesrätin Gabriele Fischer bezogen habe. Es sei ihm mitgeteilt worden, dass diese die Landtagssitzung gerade über Livestream verfolge.

Auch von ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf habe er sogleich quasi die Absolution erhalten. Dieser habe erklärt, dass er sich nach der Aussage “nichts dabei gedacht” und den Spruch ebenfalls auf die Bettlägerigkeit Fischers bezogen habe. Er habe gehört, dass die Landesrätin seine Entschuldigung angenommen habe.

Wolf wies Aussagen Dornauers zurück, wonach er ihm die Absolution erteilt habe. “Dornauer soll sich nicht auf mich ausreden. Seine Sager war sehr grenzwertig. Ich habe die Aussage im Landtagsplenum akustisch falsch verstanden und wahrgenommen”, meinte Wolf gegenüber der APA.

Auch andere Kollegen hätten den Dornauer-Spruch im ersten Augenblick falsch verstanden, sagte der ÖVP-Klubobmann. Er habe von der Aussage lediglich mitbekommen, dass Landesrätin Fischer (Grüne) Angina habe, krank zu Hause sei und sie “in der Horizontalen” die Debatte mitverfolge. Jetzt, nach Durchsicht des Videos, komme die Aussage des Bald-SPÖ-Chefs aber anders rüber, so Wolf.

Auch auf Bundesebene reagierte die ÖVP. “Bei dieser Aussage handelt es sich um einen völlig inakzeptablen Untergriff des designierten SPÖ-Tirol-Chefs. Ich hoffe, dass so etwas keinen Platz in der Rendi-Wagner-SPÖ hat”, teilte Frauen- und Familienministerin Juliane Bogner-Strauß mit. Sie erinnerte ebenfalls an den Fall Dönmez, auf den die ÖVP mit dem Rauswurf aus dem Parlamentsklub reagiert hatte.

Die betroffene Landesrätin Gabriele Fischer (Grüne) wollte den Sager indes nicht kommentieren, wie es aus ihrem Büro hieß. Dieser spreche aber “für sich”. Eine persönliche Entschuldigung habe es von Dornauer bis dato keine gegeben. Jedoch habe sich der designierte SPÖ-Chef im Landtag bald darauf für seinen Sager entschuldigt.

ÖVP-Frauensprecherin Abg. Barbara Krenn sprach hingegen von einer “verbalen, sexistischen Entgleisung”, die sie als “inakzeptabel und herabwürdigend” bezeichnete und forderte Konsequenzen. “Hier ist SPÖ-Chefin Rendi-Wagner gefordert. Immerhin ist sie ehemalige Frauenministerin und erste Frau an der Spitze der SPÖ”, so Krenn. Es wäre “irritierend und beschämend”, wenn Rendi-Wagner ein solches Verhalten in ihrer Partei duldete.

“Sexismus jeder Art darf in der österreichischen Politik keinen Platz haben”, so die ÖVP-Mandatarin. Frauen aller Couleurs müssten vor derartigen “Angriffen und Machoattituden” geschützt werden. Es sei die Aufgabe der Politik, entschieden gegen derartige verbale Untergriffe vorzugehen. “Als die ÖVP vor kurzem einen ähnlichen Vorfall zu verantworten hatte, hat Bundeskanzler Sebastian Kurz sofort reagiert”, argumentierte Krenn mit dem Fall des ehemaligen ÖVP-Nationalratsabgeordnete Efgani Dönmez, der Anfang September über einen sexistischen Tweet gestolpert war.

Von: apa

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