Renzi wird ein sehr selbstsicherer Führungsstil vorgeworfen

Renzi wegen Wahllisten weiter im Kreuzfeuer der Kritik

Montag, 29. Januar 2018 | 11:43 Uhr

Die Kritik am Chef von Italiens sozialdemokratischer PD (Demokratischer Partei), Ex-Premier Matteo Renzi, hält an. Nachdem bis Sonntag die Spitzenkandidaten feststehen mussten, wird Renzi laut Medienberichten vorgeworfen, vielen seiner innerparteilichen Gegner den Weg zu den Proporzwahllisten versperrt zu haben, die bis Montag vorgelegt werden müssen.

Renzi, dem Kritiker einen allzu selbstsicheren Führungsstil vorwerfen, setzte sich bei der Auswahl gegen parteiinterne Rivalen wie Justizminister Andrea Orlando und seinen langjährigen Widersacher Gianni Cuperlo durch. Sie werfen Renzi vor, einen zu stark liberalen Kurs eingeschlagen zu haben, der den sozialdemokratischen Wurzeln der Partei widerspreche.

Cuperlo tritt freiwillig nicht an, nachdem ihm Renzi einen unsicheren Wahlkreis angeboten hat. “Ich verzichte auf die Kandidatur aus Respekt vor jenen Parteianhängern, auf die Renzi nicht hören will”, argumentierte Cuperlo laut Berichten. Der junge Parteiaktivist Mattia Zunino beschuldigte den PD-Chef, auf den Wahllisten keinen Platz für junge Sozialdemokraten geschaffen zu haben.

Der Ex-Staatsanwalt und Politiker Antonio Di Pietro wurde laut der Zeitung “La Repubblica” wegen Renzis Veto aus den Listen ausgeschlossen. Ebenso müssen prominente Sizilianer wie der Ex-Präsident der Region Sizilien, Rosario Crocetta, und die Ex-Bürgermeisterin der Insel Lampedusa, Giusy Nicolini, auf einen Wahlsitz verzichten. Auch der langjährige PD-Senator Luigi Manconi, Vertreter des linken PD-Flügels, wurde von den Wahllisten ausgeschlossen.

Senatspräsident Pietro Grasso, Chef des Linksbündnisses LeU (Liberi e uguali/Gleich und frei), attackierte Renzi scharf. “Die PD ist zur Partei Renzis geworden, sie heißt jetzt de facto PDR. Für parteiinterne Diskussion und für die Meinung der Minderheitsflügel gibt es keinen Raum mehr. Oft fragt man mich: ‘Warum habt ihr euch von Renzi getrennt?’ Jetzt dürfte es klar sein, warum”, betonte Grasso, der im Oktober Renzis PD verlassen und das LeU-Wahlbündnis gegründet hatte, laut der Nachrichtenagentur ANSA.

Seinen treuesten Parteifreunden wies der 44-jährige Renzi sichere Wahlkreise zu: Bestätigt wurde bisher, dass Staatssekretärin Maria Elena Boschi im Wahlkreis Bozen-Unterland ins Rennen zieht. Zudem steht ihr Name auf den PD-Proporzlisten in Taormina (Sizilien) sowie im lombardischen Wahlkreis Cremona-Mantua. Auch Tommaso Cerno, Journalist der Tageszeitung “La Repubblica”, tritt an.

Die Rechtsanwältin Lucia Annibali, die 2013 bei einer Säureattacke von ihrem ehemaligen Freund schwer verletzt wurde und sich seitdem als Aktivistin gegen Frauengewalt einsetzt, kandidiert für die PD in Parma. Zu den Kandidaten aus der Wirtschaft zählt der 62-jährige Kaffeeröster Riccardo Illy, der bereits das Amt des Präsidenten der Region Friaul-Julisch Venetien bekleidet hatte und im Wahlkreis seiner Heimatstadt Triest am Wahlkampf teilnimmt.

Auch die Mitte-Rechts-Parteien setzen auf Kandidaten aus der Wirtschaft. So schickt Italiens früherer Premier Silvio Berlusconi den Ex-Geschäftsführer seiner TV-Gruppe Fininvest, Pasquale Cannatelli, in den Wahlkampf für die rechtskonservative Forza Italia. Berlusconi, 30 Jahre lang Eigentümer des Fußball-Traditionsklubs AC Milan, schaffte auf den Wahllisten auch Platz für Sportler, wie die paralympische Athletin Giusy Versace und den Fußball-Coach Giuseppe Incocciati. Für die mit Berlusconi verbündete Lega kandidieren die Wirtschaftsexperten Alberto Bagnai und Claudio Borghi sowie die Staranwältin Giulia Bongiorno.

Von: apa