Mike Pence (links) und Tim Kaine bei der Begrüßung

Republikaner Pence siegte im Duell der US-Vizekandidaten

Mittwoch, 05. Oktober 2016 | 13:30 Uhr

Pence vs. Kaine statt Trump vs. Clinton: Nach den US-Präsidentschaftskandidaten haben sich auch deren Vizekandidaten eine TV-Debatte geliefert. Der Republikaner Mike Pence überzeugte im einzigen Duell der beiden Stellvertreter am Dienstagabend (Ortszeit) mit einem präsidialeren, besonneneren Ton als der Demokrat Tim Kaine. Eine CNN-Blitzumfrage sah Pence mit 48 zu 42 Prozent vorne.

Anders als das TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump war der 90-minütige Auftritt ihrer designierten Stellvertreter wenig spannungsgeladen. Pence und Kaine sind erfahrene Politiker, nicht aber schillernde Persönlichkeiten. Pence (57) saß lange Jahre im Repräsentantenhaus, bevor er Gouverneur von Indiana wurde. Kaine (58) vertritt Virginia im Senat, zuvor war er Gouverneur des Bundesstaates und Bürgermeister der Hauptstadt Richmond. Es ging allerdings kaum um die beiden, sie diskutierten vor allem über ihre Chefs.

Der Demokrat trat aggressiv auf und unterbrach seinen Kontrahenten mehrmals. Kain zitierte mehrere umstrittene Äußerungen Trumps und forderte Pence auf, diese zu verteidigen. Es ging etwa um frauenfeindliche Bemerkungen Trumps, seine verbalen Angriffe gegen mexikanische Einwanderer und seine lobenden Worte für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Letzteren bezeichnete Kaine als Diktator, und auch Pence übte deutliche Kritik an Moskau. Trump hatte erst im September gesagt, Putin sei eine stärkere Führungsfigur als US-Präsident Barack Obama. Sein Vizekandidat nannte Putin nun einen kleinen Rüpel und Russlands System korrupt. “Der kleine, tyrannische Präsident Russlands schreibt den USA jetzt die Regeln vor”, kritisierte Pence.

Statt Trump zu verteidigen, stritt der Gouverneur häufig die Echtheit der von Kaine zitierten Äußerungen ab. Trump sei nun mal kein geschliffener Politiker wie Kaine und Clinton, erklärte Pence dessen Forderung, Frauen für Abtreibungen zu bestrafen.

Pence trat außerdem dafür ein, im syrischen Bürgerkrieg keine Schwäche gegenüber Russland zu zeigen. “Die Provokationen durch Russland müssen mit amerikanischer Stärke beantwortet werden”, sagte er. “Wenn Russland sich weiterhin an barbarischen Angriffen auf Zivilisten in Aleppo beteiligt, müssen die USA darauf vorbereitet sein, das Assad-Regime militärisch anzugreifen, um eine humanitäre Katastrophe in Aleppo zu verhindern.”

Auch die Kontroverse um Trumps Steuererklärung war Thema der Debatte. Der milliardenschwere Unternehmer weigert sich beharrlich, diese öffentlich zu machen. Laut einem Bericht der “New York Times” zahlte er möglicherweise 18 Jahre lang keine Bundessteuern. Trump sah sich deswegen in den vergangen Tagen massiver Kritik ausgesetzt.

“Donald Trump muss seine Steuererklärungen für das amerikanische Volk öffentlich machen, um zu beweisen, dass er für das Amt geeignet ist. Er bricht mit diesem Versprechen”, sagte Kaine. Pence hielt dem entgegen, Trump habe sich an die Steuergesetze gehalten und sie bloß “brillant” genutzt.

US-Medien waren sich überwiegend einig, dass Pence den etwas besseren Auftritt in einer hitzigen Debatte hingelegt hatte. Kaine wurde vor allem dafür kritisiert, dass er sein Gegenüber häufig unterbrochen hatte. Trump twitterte, Pence habe “in großem Stil” gewonnen. “Wir sollten alle auf Mike stolz sein!”, schrieb er. Trump selbst hatte sein erstes TV-Duell am Montag der vorigen Woche nach Einschätzung der meisten Beobachter gegen Clinton verloren. Am Sonntag steigen die beiden zum zweiten Mal vor den Fernsehkameras in den Ring.

Die russische Regierung drückte unterdessen ihr Bedauern darüber aus, dass Putin und das Land Thema im US-Wahlkampf sind. Man sei es leid, immer wieder in ein schlechtes Licht gerückt zu werden, sagte der Sprecher des russischen Präsidialamtes, Dmitri Peskow, am Mittwoch in Moskau. “Natürlich hätten wir es lieber, wenn unser Land nur positiv erwähnt würde”, sagte Peskow auf einer Pressekonferenz. “Aber zu unserem Bedauern wissen wir, dass die russische Karte und die Erwähnung unseres Präsidenten praktisch ein untrennbarer Teil des Wahlkampfes in den USA geworden sind.”

Von: APA/dpa/ag.