Verletzter wird in Krankenhaus in Damaskus eingeliefert

Rettungskräfte vermuten Giftgaseinsatz in Syrien

Samstag, 07. April 2018 | 21:12 Uhr

Bei neuerlichen Luftangriffen auf die syrische Rebellenhochburg Duma ist nach Angaben unterschiedlicher örtlicher Rettungskräfte offenbar Giftgas eingesetzt worden. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte litten mindestens elf Personen unter Symptomen wie Atemnot und Erstickungsanfällen, darunter fünf Kinder.

Mehrere Bewohner litten unter Atemnot, nachdem ein Wohngebiet mit Chlorgas angegriffen wurde, berichtete die syrische Hilfsorganisation Weißhelme am Samstag. Auch die Hilfsorganisation Syrian American Medical Society berichtete, Ärzte hätten mehrere Verletzte mit Symptomen einer Chlorgasvergiftung behandelt.

Ein Vertreter der syrischen Regierung wies die Vorwürfe als “Farce” zurück. Die Regierungsarmee habe es bei ihrem Vorstoß in der Rebellenenklave Ost-Ghouta “nicht nötig, irgendeine chemische Substanz einzusetzen”, sagte er laut der der staatlichen Nachrichtenagentur SANA.

Die syrische Luftwaffe hatte Duma am Freitag und Samstag erneut angegriffen. Laut der oppositionsnahen Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien, deren Angaben für Medien kaum zu überprüfen sind, wurden dabei mindestens 48 Zivilisten getötet.

Die in der Rebellenenklave Ost-Ghouta liegende Stadt Duma wird noch von der islamistischen Rebellengruppe Jaish al-Islam kontrolliert, die von dort aus immer wieder die Hauptstadt Damaskus beschießt.

Die von Russland unterstützten Truppen von Präsident Bashar al-Assad haben seit Beginn der Offensive auf Ost-Ghouta am 18. Februar 95 Prozent der Enklave erobert. Andere Rebellengruppen akzeptierten nach Verhandlungen unter der Führung Moskaus ihren Abzug aus Ost-Ghouta.

Seit Wochenbeginn verließen auch tausende Kämpfer und ihre Angehörigen in Buskonvois die Stadt Duma in Richtung Nordsyrien. Ein Teil von Jaish al-Islam scheint sich jedoch weigern abzuziehen.

Die Verhandlungen zwischen den Rebellen, Moskau und Damaskus gerieten zuletzt ins Stocken. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana weigerte sich Jaish al-Islam, Gefangene freizulassen. Andere Beobachter vermuten interne Streitigkeiten unter den Rebellen. Diese schieben den Verhandlungsstopp ihrerseits auf Machtkämpfe innerhalb des Regierungsbündnisses.

Insgesamt wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle seit Beginn der wochenlangen Armeeoffensive östlich von Damaskus mehr als 1.600 Zivilisten getötet.

Von: APA/dpa