1994 starben rund 800.000 Menschen bei Unruhen in Ruanda

Ruanda gibt Frankreich Mitschuld am Völkermord

Mittwoch, 13. Dezember 2017 | 15:40 Uhr

Ein von der ruandischen Regierung in Auftrag gegebener Bericht wirft Frankreich eine Mitschuld am Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 vor. Französische Beamte und Militärangehörige hätten etwa vor dem Genozid weiterhin Waffenlieferungen an die Regierung ermöglicht, obwohl sie von brutalen Angriffen auf Tutsis wussten, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht einer US-Kanzlei.

Frankreich hat eine Mitschuld an dem Genozid stets strikt zurückgewiesen. Die Anwälte warfen zudem der französischen Militärmission, die sich damals in dem Land befand, vor, die für den Genozid verantwortliche Regierung gestützt zu haben. Der Bericht offenbare eine vernichtende Zusammenfassung des Verhaltens von französischen Beamten und Militärangehörigen in Ruanda in den 1990ern und danach, teilte Ruandas Außenministerin Louise Mushikiwabo mit. Eine umfassende Untersuchung der Rolle Frankreichs im Völkermord sei gerechtfertigt.

Der Bericht sei einseitig, da er die Verstöße der primär von Tutsi im Exil gegründeten Patriotische Front Ruandas (RPF) des heutigen Präsidenten Paul Kagame nicht anspreche, sagte Ida Sawyer von Human Rights Watch. Er rufe aber zurecht zu einer Aufarbeitung von Frankreichs Rolle vor und während des Genozids auf. Dem Völkermord in Ruanda waren 1994 mindestens 800.000 Menschen zum Opfer gefallen, die meisten gehörten der Minderheit der Tutsi an.

Von: APA/dpa