Jacob Zuma steht vor der Ablöse

Rücktritt von Präsident Zuma bald besiegelt

Sonntag, 11. Februar 2018 | 16:30 Uhr

In Südafrika steht ein Machtwechsel offensichtlich kurz bevor: Die Gespräche über ein Ausscheiden des von Korruptionsskandalen erschütterten Staatschefs Jacob Zuma würden am Montag in ihre Schlussphase gehen, sagte Vizepräsident Cyril Ramaphosa am Sonntag auf einer Kundgebung in Kapstadt. Unklar blieb aber, ob der Machtwechsel tatsächlich bereits auch am Montag bekannt gegeben wird.

Der 65-jährige Ramaphosa gilt als wahrscheinlicher Nachfolger Zumas. Mitglieder des Nationalen Exekutivrats, einem Schlüsselgremium des ANC, wurden für Montag zu einer Sondersitzung in Pretoria einberufen. Ramaphosa sagte, diese Gespräche würden das Kapitel über einen Machtwechsel beenden. Beobachter meinten, die Südafrikaner erwarteten sehnlichst eine Ankündigung über Zumas möglichen Rücktritt.

Ramaphosa führte am Sonntag in Kapstadt eine Demonstration an, mit der die Menschen der Freilassung von Nelson Mandela aus dem Gefängnis vor 28 Jahren gedachten. Der 2013 gestorbene Freiheitskämpfer war nach dem Ende der Apartheid in Südafrika 1994 erster schwarzer Präsident geworden.

Nach knapp neun Jahren im Amt sind nun die Tage des 75-jährigen Zuma ganz offensichtlich gezählt. Ramaphosa hatte am Mittwoch erklärt, er und Zuma hätten “direkte Gespräche” über den Amtswechsel begonnen. Die Beratungen auf höchster Parteiebene dauern seit vergangenen Sonntag an.

Zuma wird im Zusammenhang mit einer Luxussanierung seiner Privatvilla persönliche Bereicherung im großen Stil vorgeworfen. Zudem soll er einer befreundeten Unternehmerfamilie Aufträge zugeschoben haben und ihnen unzulässig Einfluss auf die Politik gewährt haben, bis hin zur Ernennung von Ministern und Managern staatlicher Unternehmen. Zuma weist die Vorwürfe zurück. Seine zweite Amtszeit würde normalerweise erst mit der Wahl 2019 enden. Faktisch müsste er jedoch nach einer Rücktrittsforderung durch den ANC-Parteivorstand abtreten.

Ramaphosa, seit 2014 Vizepräsident Südafrikas, wurde im Dezember zum Parteichef gewählt. Er gilt als pragmatischer Managertyp, der bisher nicht von Korruptionsvorwürfen belastet ist. Der Politiker ist auch ein erfolgreicher Unternehmer, ihm wird ein Vermögen von 450 Millionen US-Dollar (366,66 Mio. Euro) zugeschrieben.

Von: APA/dpa