Weltweit gibt es mehr Geschädigte als angenommen

Rund 33.500 Österreicher von Facebook-Skandal betroffen

Donnerstag, 05. April 2018 | 15:13 Uhr

Von dem Facebook-Datenskandal um Cambridge Analytica könnten bis zu 33.568 Nutzer aus Österreich betroffen sein, wie ein Sprecher des Online-Netzwerks am Donnerstag auf APA-Anfrage mitteilte. Weltweit könnten Informationen von bis zu 87 Millionen Mitgliedern unrechtmäßig zu der Analyse-Firma gelangt sein. Damit ist die Zahl der potenziell Geschädigten deutlich höher als bisher bekannt.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App (“thisisyourdigitallife”) Informationen von Nutzern an die Analysefirma Cambridge Analytica weitergereicht, die unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Dabei geht es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Das erklärt die hohe Zahl der betroffenen Nutzer.

In Österreich hätten 13 Personen diese Umfrage-App installiert, teilte der Sprecher der APA mit. Die Zahl der potenziell weiteren Betroffenen – “also Personen, deren Daten möglicherweise mit der App geteilt wurden, weil Freunde sie installiert hatten” – liegt demnach bei bis zu 33.555. Insgesamt, rechnet der Sprecher vor, könnte es demnach in Österreich möglicherweise 33.568 Betroffene geben.

In den USA sieht Facebook potenziell insgesamt 70,6 Millionen Betroffene. Auf Platz zwei folgen mit weitem Abstand die Philippinen mit nahezu 1,2 Millionen. In Großbritannien könnten es fast 1,1 Millionen sein.

Wirtschafts- und Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) forderte die “umgehende” Aufklärung der vom Datenskandal betroffenen Nutzer. Das Online-Netzwerk müsse Betroffene über die “missbräuchliche” Verwendung ihrer Daten in Kenntnis setzen, so Schramböck. Zudem müsse Facebook offenlegen, “wie viele User in Österreich tatsächlich betroffen sind”.

Im Skandal um die Weitergabe von Daten hat das Online-Netzwerk indes erste Maßnahmen ergriffen und die Möglichkeit abgeschafft, nach Nutzer-Profilen über Telefonnummer und E-Mail-Adresse zu suchen. Über diese Funktion könnten öffentlich zugängliche Informationen der Mehrheit der Nutzer von außerhalb der Plattform abgesaugt worden seien. Das sind meist Grund-Informationen wie Profilfoto, Stadt oder Arbeitgeber.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg zeigte sich in einer rund einstündigen Telefonkonferenz mit Journalisten erneut selbstkritisch. Facebook habe nicht genug unternommen, um seine Nutzer zu schützen, bekräftigte er. “Das war unser Fehler, das war mein Fehler.” Zuvor hatte Facebook weitere Einschränkungen für den Zugang von App-Entwicklern zu Nutzerdaten angekündigt. Dazu gehören etwa der Zugang zu Terminen und Informationen über Anrufe auf Smartphones. Für die Mitglieder wird es zudem einfacher, Facebook-Apps zu entfernen.

Zuckerberg wird am 11. April zu dem Thema im US-Kongress aussagen. Er räumte am Mittwoch auch ein, es sei falsch gewesen, unmittelbar nach der US-Präsidentenwahl im November 2016 den möglichen Einfluss gefälschter Nachrichten bei Facebook auf den Wahlausgang herunterzuspielen. Er hatte erklärt, die Vorstellung sei “verrückt”. Jetzt bezeichnete er seine damalige Äußerung als leichtfertig. Zuckerberg betonte zugleich, er glaube auch nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen und Monate, dass er die richtige Person für die Facebook-Spitze sei. Es gehe darum, aus den Fehlern zu lernen, die unweigerlich passierten.

Die Kritik im Datenskandal und die Aufrufe, Facebook nicht mehr zu nutzen, hätten die Nutzung des Online-Netzwerks kaum gebremst, sagte Zuckerberg. “Ich glaube nicht, dass es einen bedeutenden Effekt gab.”

Die EU-Kommission verlangt von Facebook unterdessen weitere Auskünfte. EU-Justizkommissarin Vera Jourova habe an das Netzwerk einen Brief mit der Aufforderung um “weitere Klarstellungen” geschrieben. Die Antwort soll innerhalb von zwei Wochen erfolgen, sagte ein EU-Kommissionssprecher.

Von: APA/dpa

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