298 Menschen starben bei dem Abschuss

Russische Armee schoss Flug MH17 ab

Donnerstag, 24. Mai 2018 | 15:31 Uhr

Für den Abschuss des Malaysia-Airlines-Flugzeugs 2014 über der Ostukraine ist nach Überzeugung internationaler Ermittler eine Einheit der russischen Armee verantwortlich. Die Rakete, die das Flugzeug getroffen habe, sei von der 53. Luftabwehr-Brigade der russischen Streitkräfte abgefeuert worden, sagte der Chefermittler der niederländischen Polizei, Wilbert Paulissen, am Donnerstag.

“Das Flugabwehrsystem vom Typ Buk gehörte zu Beständen der 53. Flugabwehr-Brigade der Russischen Föderation, stationiert in Kursk”, sagte Paulissen in Bunnik bei Utrecht. “Alle Fahrzeuge in einem Konvoi, in dem die Rakete transportiert wurde, waren Teil der russischen Streitkräfte.” Zahlreiche Fotos, Videos und Zeugenaussagen würden das belegen, hieß es in dem Zwischenergebnis der gemeinsamen Untersuchungskommission mit Fachleuten aus zahlreichen Ländern. Bei dem Vorfall kamen alle 298 Menschen an Bord ums Leben.

Chefankläger Fred Westerbeke sagte, es sei gelungen, den Kreis der potenziell Tatverdächtigen von zuvor mehr als hundert auf noch einige Dutzend Personen einzugrenzen. “Wir haben viele Beweise, aber wir sind noch nicht fertig, es gibt noch viel Arbeit zu tun”, sagte Westerbeke. Es sei derzeit noch zu früh, öffentlich die Namen von Verdächtigen zu nennen oder Anklagen zu erheben, sagte der Staatsanwalt. Die Ermittler riefen Zeugen auf, ihre Kenntnisse über die Mitglieder der Raketeneinheit zu melden. Man hoffe auch auf Hinweise, welche Befehle die Einheit erhalten habe und wer dort die Verantwortung getragen habe. “Wir untersuchen nun gezielt, inwieweit die betreffende Brigade selbst aktiv am Abschuss der Maschine beteiligt war.”

Die Maschine der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ostukraine abgeschossen worden. Alle 298 Menschen an Bord waren getötet worden; die meisten kamen aus den Niederlanden. Die Ermittler hatten bereits 2016 festgestellt, dass das Buk-Raketensystem aus Russland in das von pro-russischen Rebellen kontrollierte Gebiet transportiert und später nach Russland zurückgebracht worden war.

Russland wies jede Verantwortung zurück. Das sei eine alte Geschichte, die schon 2014 durch die Medien gegangen sei, sagte der russische Botschafter bei der EU, Wladimir Tschischow, der Agentur Interfax in St. Petersburg. Die pro-russischen Separatisten in der Ostukraine wiesen die Vorwürfe ebenfalls zurück. Sie hätten keine russischen Buk-Systeme gehabt, sagte ihr Sprecher Eduard Bassurin der Agentur Interfax.

Die Ermittler hatten anhand zahlreicher Videos und Fotos vor allem aus den sozialen Netzwerken die Route des Raketensystems rekonstruiert. Am 23. Juni 2014 war ein Militärkonvoi aus Kursk Richtung Ukraine abgefahren. Dazu gehörte auch das Fahrzeug mit dem Buk-System. Es habe charakteristische einzigartige Kennzeichen und sei dadurch “zweifelsfrei identifiziert” worden. Chefermittler Paulissen sprach von einem “Fingerabdruck”.

Namen von Verdächtigen wurden bewusst nicht genannt. “Das kann den Ermittlungen schaden”, sagte Paulissen. Erneut riefen die Ermittler die Öffentlichkeit zur Mithilfe auf. So wollen sie wissen, wer zu der Mannschaft des Buk-Systems gehörte, wer ihr Kommando hatte und mit welchem Befehl sie in die Ukraine gezogen war.

Staatsanwalt Westerbeke sprach von großen Fortschritten. “Wir kommen jetzt in die letzte Phase und kommen den Verantwortlichen immer näher.” Das Ermittlerteam klagte zugleich aber über mangelnde Kooperation der russischen Behörden.

Zusätzlich wurden weitere Details über die Rakete selbst bekanntgeben. Auf zwei Teilen, die an der Absturzstelle gefunden worden waren, waren Nummern entdeckt worden.

Der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, lobte die internationale Zusammenarbeit und äußerte die Hoffnung, dass demnächst Anklage erhoben werden könne. “Das Böse wird bestraft und die Gerechtigkeit wieder hergestellt werden.”

Der niederländische Regierungschef Mark Rutte verkürzte nach Bekanntwerden des Ermittlerberichts seine Indien-Reise, um am Freitag eine Kabinettssitzung zu den Konsequenzen aus den Untersuchungen zu leiten, wie die Nachrichtenagentur ANP meldete.

Sollte es zu Anklagen kommen, wird der Prozess wahrscheinlich in Abwesenheit vor einem niederländischen Gericht stattfinden. Russland hatte im UN-Sicherheitsrat sein Veto gegen die Einrichtung eines internationalen Tribunals zur Verfolgung der Tat eingelegt.

Von: APA/dpa