Sorge um den Staudamm von Nowa Kachowka

Russische Besatzer räumen auch Staudamm-Stadt Nowa Kachowka

Samstag, 12. November 2022 | 22:44 Uhr

Nach dem Truppenrückzug vom rechten Ufer des Flusses Dnipro haben die russischen Besatzer nun auch eine Evakuierung der Staudamm-Stadt Nowa Kachowka auf der linken Flussseite angekündigt. Die Verwaltung Kachowkas ziehe sich mit den Bürgern der Stadt an einen sicheren Ort zurück, sagte Besatzungschef Pawel Filiptschuk laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass am Samstag. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte indes einen weiteren Vormarsch an.

Filiptschuk rief die Menschen in einer festgelegten Zone von 15 Kilometern auf, ihre Wohnungen zu verlassen. Befürchtet wird, dass der Staudamm durch Beschuss zerstört und das Gebiet überflutet werden könnte. Russen und Ukrainer werfen sich seit Wochen gegenseitig vor, eine solche Provokation zu planen. Die ukrainischen Streitkräfte hätten die Verwaltung von Kachowka als Ziel “Nummer eins für einen Terroranschlag” in der Region ausgemacht, behauptete Filiptschuk. Die Ukraine weist Sabotageabsichten zurück.

Das Leben der Menschen sei durch Kampfhandlungen in Gefahr, sagte Filiptschuk. Die Menschen sollten in die südrussische Region Krasnodar gebracht und dort versorgt werden. Filiptschuk versprach den Flüchtenden eine warme Unterkunft, regelmäßige Mahlzeiten und 100.000 Rubel (1.611,60 Euro) Hilfe. Die Ukraine wirft den Besatzern vor, die Menschen zu verschleppen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte, dass die Ukraine nach der Stadt Cherson weitere Gebiete befreien wolle. “Wir vergessen niemanden, wir werden niemanden zurücklassen”, sagte er am Samstagabend in seiner täglichen Videoansprache. Auch auf der bereits 2014 von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim werde irgendwann wieder die ukrainische Flagge wehen, versprach der Staatschef. 60 Siedlungen in der Region Cherson seien zurückerobert worden.

In der Gebietshauptstadt Cherson selbst würden “Stabilisierungsmaßnahmen” durchgeführt. So sei etwa auch mit der Räumung von Minen begonnen worden. 2000 Sprengsätze seien bereits entschärft worden, erklärte Selenskyj. Die Besatzer hätten bei ihrer Flucht die gesamte kritische Infrastruktur der Stadt zerstört, darunter die Wasser-, Wärme und Stromversorgung. Die Nachrichtenagentur Ukrinform meldete, dass Polizei und Sicherheitskräfte bereits mit der Arbeit in der Gebietshauptstadt begonnen hätten. Rund 200 Polizisten seien nach Cherson entsandt worden, um Straßensperren zu errichten und “die Verbrechen der russischen Besatzer” zu dokumentieren, erklärte Polizeichef Igor Klymenko.

Während die Ukraine am Samstag die kampflose Rückeroberung der Gebietshauptstadt Cherson bejubelte, gaben die Besatzer die Verlegung ihres Verwaltungszentrums für das gleichnamige Gebiet in die Stadt Henitschesk bekannt. Ein großer Teil der russischen Administration sei bereits dorthin umgesiedelt worden, meldeten Russlands staatliche Nachrichtenagenturen am Samstag unter Berufung auf einen Sprecher der Chersoner Besatzungsverwaltung.

Henitschesk liegt ganz im Südosten von Cherson am Asowschen Meer und nur wenige Dutzende Kilometer von der Schwarzmeer-Halbinsel Krim entfernt, die Moskau bereits 2014 annektiert hat. Russland hatte das Gebiet Cherson kurz nach Beginn seines Angriffskriegs Ende Februar weitgehend erobert. Im September ließ der Kreml Cherson – ebenso wie die ukrainischen Gebiete Saporischschja, Luhansk und Donezk – völkerrechtswidrig annektieren.

Unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven kündigte Moskau am vergangenen Mittwoch den Rückzug seiner Truppen aus allen Teilen Chersons an, die nordwestlich des Flusses Dnipro liegen – darunter fällt auch die Hauptstadt des Gebiets. Internationale Beobachter werten das als eine der größten Niederlagen für die russische Armee in diesem Krieg.

Nach britischer Einschätzung bedeutet die Rückeroberung Chersons durch ukrainische Truppen einen erheblichen Imageschaden für Russland. “Der Rückzug ist eine öffentliche Anerkennung der Schwierigkeiten, mit denen die russischen Streitkräfte am Westufer des Flusses Dnipro konfrontiert sind”, kommentierte das Verteidigungsministerium in London am Samstag.

Ressortchef Ben Wallace sprach von “einem weiteren strategischen Versagen”. Die russische Einnahme von Cherson zu Kriegsbeginn sei das einzige Mal gewesen, dass Russland ein wichtiges Ziel erreicht habe. Wenn die Stadt nun wieder aufgegeben werde, würden sich die Menschen in Russland mehr und mehr die Frage stellen, wozu der Krieg gut sei.

Die Ukraine habe große Teile des Gebiets Cherson am Westufer des Dnipro eingenommen und kontrolliere mittlerweile weitestgehend die gleichnamige Stadt, teilte die Behörde unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit.

Das britische Ministerium teilte weiter mit, dass Russland weiterhin versuche, Einheiten aus anderen Teilen des Gebiets Cherson über den Dnipro in Verteidigungsstellungen zu evakuieren. “Russische Streitkräfte haben im Rahmen dieses Prozesses höchstwahrscheinlich Straßen- und Bahnbrücken über den Dnipro zerstört”, hieß es in London.

Von: APA/dpa/Reuters/AFP

Kommentare

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11 Kommentare auf "Russische Besatzer räumen auch Staudamm-Stadt Nowa Kachowka"


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Pasta Madre
Pasta Madre
Grünschnabel
13 Tage 14 h

Diese Scheiss sinnlosen Kriege, die nur die Waffenhersteller zu Milliardären machen,
und alle Menschen dieser Welt in die Armut treiben😢😢

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
13 Tage 12 h

Ich stimme Dir zu🙈. Ich bin auch dafür, künftig nur noch sinnvolle🤣 Kriege zu führen…

Pasta Madre
Pasta Madre
Grünschnabel
13 Tage 7 h

@Rudolfo dann führ nur weiterhin sinnvolle Kriege.
Vergiss ja nicht die Waffenlobby und die Kriegstreiber ordentlich zu entschädigen🙏🏻🙏🏻

N. G.
N. G.
Kinig
12 Tage 12 h

@Pasta Madre Interessantee Logik. An deiner Stelle würde ich die Autohersteller verklagen, weil du ein Auto brauchst?

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
12 Tage 10 h

@Pasta…
Sind amerikanische Milliardäre und russische Olligarchen keine Menschen. ⁉️

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
13 Tage 13 h

.
Ca. 4000 tote russische Soldaten in einer Woche kann man auch in Russland nicht mehr ignorieren.

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
13 Tage 12 h

Die Russen befinden sich weiterhin auf dem Rückzug.
Das – und da bin ich mir ziemlich sicher – können Sie ganz gut.
Wir werden sehen wie es dann weitergeht.
Jedenfalls ist es für die Ukraine ein gutes Zeichen und wird ihnen weiterhin die Zuversicht geben diesen übermächtigen Gegner aus ihrem Land vertreiben zu können … 🛡

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
13 Tage 3 h

Ich würde mich auch vom Acker machen, wenn ich wüsste, das Ding fliegt demnächst in die Luft…

Unioner
Unioner
Tratscher
13 Tage 2 h

Ich erinnere mich noch an meine Armeezeit in der DDR. Die sowjetischen Brückenlegefahrzeuge unserer Pionierkompanie kamen alle kaputt aus dem Manöver zurück. Mich wundert nicht das die Russen so viele Verluste haben.

oli.
oli.
Kinig
12 Tage 18 h

Der Russe flüchtet , da er an den Bodenkämpfe keine Chance sieht.

Dann sprengt er den Staudamm , wenn das nix hilft kommt nur noch in Frage ; Aufgabe oder Atomwaffen .

Seine Zeit ist eh vorbei , seine Mitmenschen und andere Bewohner der Welt egal

tom
tom
Universalgelehrter
12 Tage 13 h

Rückzug auf russisch?
rückwärts Anlauf nehmen

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