Er wurde in Schubhaft genommen

Russische Flüchtlingsfamilie in Osttirol: Vater abgeschoben

Mittwoch, 26. September 2018 | 10:55 Uhr

Nach der Solidaritätskundgebung für eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie aus der russischen Teilrepublik Dagestan Sonntagabend ist der Vater am Dienstag laut Medienberichten nach Moskau abgeschoben worden. Der Mann wurde in der vergangenen Woche in Schubhaft genommen. Zuvor war der Antrag auf Asyl in allen Instanzen abgewiesen worden.

Auch das humanitäre Bleiberecht für den Mann, seine Frau sowie die Töchter im Alter von neun, sieben und drei Jahren wurde inzwischen abgelehnt. Dagegen läuft jedoch noch eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Unterstützer der Familie hoffe nun, dass zumindest Frau und Kindern das Bleiberecht gewährt wird.

“Fassungslos und schockiert” reagierte die für Integration zuständige Tiroler Grünen-Landesrätin Gabriele Fischer auf die Abschiebung des Familienvaters. Sie sprach von einem “radikalen Akt der Unmenschlichkeit”, der auch rechtlich in höchstem Maße fragwürdig sei.

Denn die Abschiebung erfolge, obwohl noch rechtliche Entscheidungen ausständig seien. “Was hier passiert, ist eine erschreckende Entwicklung. Der Rechtsstaat wurde einfach ausgehebelt und eine Familie einfach auseinandergerissen”, kritisierte Fischer, die FPÖ und ÖVP für die Abschiebung verantwortlich machte. Am Donnerstag soll übrigens ein Lichtermeer beim Landesmuseum in Innsbruck für die Familie stattfinden.

Die Familie war 2013 aus Dagestan geflüchtet, weil der Vater laut eigenen Angaben den Mord an seinem Nachbarn beobachtet hatte und danach eingesperrt und vom Geheimdienst gefoltert worden sei. Seitdem fürchte er als Mordzeuge um sein Leben.

Sonntagabend hatten sich rund 1.000 Menschen in Lienz versammelt, um mit einem Lichtermeer gegen die drohende Abschiebung zu protestieren. Für den Verbleib der Familie hatte sich auch der Lienzer Gemeinderat einstimmig starkgemacht. Zudem sprach sich auch Innsbrucks Diözesanbischof Hermann Glettler dafür aus – nicht zuletzt, da die Familie bestens in Osttirol integriert sei. Kritisiert wurde zudem, dass der Vater in Schubhaft genommen wurde, bevor die Entscheidung über das humanitäre Bleiberecht vorlag.

Von: apa

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