Asot-Chemiefabrik im Visier der russischen Angreifer

Russische Geländegewinne bei Sjewjerodonezk

Samstag, 18. Juni 2022 | 23:12 Uhr

Die russische Armee hat Geländegewinne in der Nähe des schwer umkämpften Verwaltungszentrums Sjewjerodonezk erzielt, die einstige Großstadt selbst aber weiterhin nicht einnehmen können. “Durch den Beschuss und Sturm hat der Feind in der Ortschaft Metjolkine einen Teilerfolg erzielt und versucht sich dort festzusetzen”, teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Samstagabend mit. Metjolkine liegt südöstlich von Sjewjerodonezk.

Der Feind versuche, volle Kontrolle über die Autobahn zwischen Lysytschansk und Bachmut zu erlangen, sagte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj. Die russischen Truppen hätten damit aber keinen Erfolg und würden “in massiven Zahlen sterben”. Die Lage in Sjewjerodonezk sei nicht mit jener in Mariupol zu vergleichen, weil die Stadt immer noch “mit allem was nötig ist” beliefert werden könne. Wie Hajdaj nach Angaben der Nachrichtenagentur Ukrinform weiter sagte, würden es die dort verschanzten Zivilisten ablehnen, das Chemiewerk Asot zu verlassen.

Im Bezirk Isjum wurde nach ukrainischen Angaben ein Gaswerk von russischen Raketen getroffen. Ein großes Feuer sei ausgebrochen und Rettungsteams seien im Einsatz, schrieb der Gouverneur der Region Charkiw, Oleh Synjehubow. Außer der Fabrik seien auch Wohnhäuser getroffen worden. Angaben zu Opfern wurden in diesem Fall nicht gemacht. Im ostukrainischen Nowomoskowsk soll zudem ein Treibstoffdepot getroffen worden sein.

In der Stadt Krywji Rih im Zentrum der Ukraine schlugen nach Angaben der lokalen Behörden Raketen ein. Es gebe mindestens zwei Opfer, teilen die Behörden auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Es sei ein Bezirk im Süden der Stadt getroffen worden. Krywji Rih liegt in der Region Dnipropetrowsk. Umgekehrt berichteten die Separatisten in Donezk, dass durch Artilleriebeschuss der Stadt Zivilisten getötet und verletzt worden seien.

Nahe der zentralukrainischen Stadt Dnipro zerstörten russische Truppen am Samstag mit einem Raketenangriff Öltanks. Die regionale Verwaltung berichtete von drei Raketen, die das Depot im Kreis Nowomokowsk trafen. “Es gibt ein starkes Feuer”, schrieb der Gouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Walentyn Resnitschenko, auf Telegram. Drei Menschen seien mit Verbrennungen in Krankenhäuser gekommen. Insgesamt seien elf Menschen verletzt worden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj besuchte indes die Regionen Mykolajiw und Odessa im Süden des Landes. Auf einem am Samstag erschienenen Video in seinem Telegram-Kanal ist zu sehen, wie Selenskyj Ruinen in Mykolajiw in Augenschein nimmt und nach einer Lagebesprechung Orden verteilt. Später berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Ukrinform, dass der Präsident auch Festungen der Nationalgarde in der Region Odessa besucht habe. Dort habe er ebenfalls Staatsbeamte dekoriert.

Die Ukraine stellt sich auf einen länger andauernden Abwehrkrieg gegen Russland ein. Erst Ende August, nach Gegenangriffen, will der ukrainische Chefunterhändler David Arachamija die Friedensverhandlungen mit Moskau wieder aufnehmen, wie er in einem am Samstag erschienenen Interview mit dem Sender Voice of America sagte. Dann werde sein Land eine bessere Verhandlungsposition haben.

Russland verlor durch Angriffe des ukrainischen Militärs erneut ein Schiff seiner Schwarzmeerflotte. Der Schlepper “Wassili Bech” sei von ukrainischen Raketen beschädigt worden. “Später wurde bekannt, dass er gesunken ist”, sagte der Militärgouverneur von Odessa, Maxym Martschenko, in einer Videoansprache auf seinem Telegram-Kanal. Eine Bestätigung von russischer oder unabhängiger Seite gibt es nicht. Den ukrainischen Angaben nach wurde das Schiff, das erst 2017 in Dienst gestellt und mit einem Luftabwehrsystem des Typs “Tor” ausgestattet worden war, von Harpoon-Raketen getroffen. Die Schiffsabwehrraketen hatte Dänemark an die Ukraine geliefert.

Die ukrainische Armee erlitt nach Angaben eines ranghohen Generals seit Beginn des russischen Angriffskriegs hohe materielle Verluste. “Bis heute haben wir infolge aktiver Gefechte schätzungsweise 30 bis 40, manchmal bis zu 50 Prozent Verluste bei der Ausrüstung”, sagte der Brigadegeneral Wolodymyr Karpenko dem US-Magazin “National Defense”. “Schätzungsweise 1.300 Infanterie-Kampffahrzeuge, 400 Panzer und 700 Artilleriesysteme wurden verloren.”

Von: APA/dpa

Kommentare

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18 Kommentare auf "Russische Geländegewinne bei Sjewjerodonezk"


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Blitz
Blitz
Universalgelehrter
8 Tage 23 h

Hauptsach, die westlichen Kriegstreiber sind zufrieden.

Philingus
Philingus
Tratscher
8 Tage 22 h

Wann verlassen sie denn mal die Endlosschleife halt- und sinnloser Tatsachenverdrehung? Das hat schon manischen Charakter. So weltfremd und irreal. Ich mache mir echt Sorgen um sie

magari
magari
Tratscher
8 Tage 22 h

Russland überfällt die Ukraine, aber Schuld ist nicht Russland nein der Westen. Dir hats wohl ins Hirn gesch…. ganz ehrlich.

Privatmeinung
Privatmeinung
Superredner
9 Tage 1 h

Da heist es nur weiterkämpfen. Die USA und einige europäische Staaten schicken genug Gelder (trotz extrem hoher Verschuldung), damit die Waffenlobby weiterhin Hochkonjunktur hat.

Philingus
Philingus
Tratscher
9 Tage 14 Min

Sie haben recht. Mit dem Geld könnte die Ukraine die ganzen russischen Waffen aufkaufen – die sind eh nicht viel wert – und es ist Frieden. Wie man sieht, kann Russland mit Waffen nichts Vernünftiges anfangen und beginnt nur Krieg damit oder schickt sie fleißig zu Unterstützung in Diktatur-Staaten wie Syrien, Belarus usw. Also: mein Vorschlag, die Ukraine kauft mit den westlichen Geldern die russischen Waffen auf, finde ich immer besser …

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
8 Tage 22 h

Der Krieg ist für die Ukraine faktisch schon verloren, trotzdem werden immer noch Waffenlieferungen verlangt anstatt sich endlich an den Verhandlungstisch mit Russland zu setzen. Es fallen am Tag ca. 1.000 ukrainische Soldaten das scheint die ukrainische Regierung nicht zu stören.

Philingus
Philingus
Tratscher
8 Tage 20 h

Aber Cali: warum haben sie die Ukraine nicht tatkräftig unterstützt, damit sie nicht in Bedrängnis kommt? Warum haben sie nicht gegen den Kriegsverbrecher Putin etwas unternommen? Sie, genau sie meine ich. Aber stattdessen unterstützen sie ihn auch noch die ganze Zeit. Wie fühlt man sich an ihrer Stelle, wenn man sich auf der Seite des Verbrechens befindet?

Gustl64
Gustl64
Superredner
8 Tage 20 h

Da bleibt nix mehr anderes als aufzugeben.

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
8 Tage 4 h

@Gustl: warum denn? Russland fürchtet die westlichen Waffen, zurecht. Russland ist wirtschaftlich am Anschlag. Die können nicht noch einen Zahn zulegen…

Kongo
Kongo
Grünschnabel
8 Tage 18 h

Mit Kriegsverbrechern und Mörder gibts nichts mehr zu reden.

Gustl64
Gustl64
Superredner
8 Tage 17 h

Ende August sind die Ukrainer besiegt.

N. G.
N. G.
Kinig
8 Tage 13 h

Was wird in 2 Monaten anders sein als heute? Selenskyj selbst sagte, wir werden wahrscheinlich die verlorenen Gebiete nicht zurück holen können. Was ist dann anders?
2 Monate nicht zu reden und nur Krieg zu führen ist nicht sonderlich schlau!

Philingus
Philingus
Tratscher
8 Tage 12 h

So ein Quatsch! Krieg führt Putin. Wehren tuen sich die UkrainerInnen mit Präsident Selensky. So sieht die Situation aus. Es ist regelrecht perfide zu behaupten, Selensky würde quasi einen Privatkrieg gegen Putin führen. Diese Behauptung ist auf dem selben intellektuellen, aber auch ethischen Niveau, eines Putins. Oder Assad, Kim Jong-Un 1/2, Die Jinping usw. Wollen sie hier die Interessen der Diktatoren vertreten und uns schmackhaft machen?

N. G.
N. G.
Kinig
8 Tage 2 h

@Philingus Komplett verrückt geworden? Wo steht das in meiner Ausage? WO?
Selenskyjs Ausage kannst du nachlesen. Und damit hab ich NICHT behauptet er würde seinen persönlichen Krieg führen.
DU kannst dir deine UNTERSTELLUNGEN sparen mich zu diskreditieren!

Philingus
Philingus
Tratscher
8 Tage 16 Min

@N. G. Passender ist: sie diskreditieren sich durch ihre Beiträge selbst. Einen auf beleidigt machen ist selten die Lösung. Tatsache ist: sie versuchen den mutigen Kampf der UkrainerInnen gegen die russische Diktatur allein auf Präsident Selensky zu fokussieren. Putin aber ist der Mensch (?), welcher in seinem Größenwahn den Frieden zerstört. Ihre fehlende Empathie bezüglich der bedrohten UkrainerInnen ist erschreckend. Schönen Sonntag. In Frieden.

Storch24
Storch24
Kinig
8 Tage 17 h

Bislang rechnet man mit mindestens 150 Tote pro Tag. Also ist die Rechnung bald gemacht.
Ist es das wert ?

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
8 Tage 4 h

@Blitz: westliche Kriegstreiber? Nein: russische Mordbrenner, Vergewaltiger, Kriegsverbrecher.

Unioner
Unioner
Tratscher
7 Tage 23 h

Sinnloser Krieg, sinnlose Propaganda. Putin und Selensky versuchen ihre Landsleute bei Laune zu halten und die Waffenkonzerne reiben sich die Hände. Die Ukraine wird für den Kampf der Westlichen und Östlichen Ideologien geopfert. Keine Sieger beim einfachen Volk nur bei den Waffenaktionären.

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