Russische Phosphorbomben auf Stahlwerk in Mariupol

Russische Phosphorbomben auf Asow-Stahlwerk nach ESC-Sieg

Sonntag, 15. Mai 2022 | 12:21 Uhr

Russland hat das Asow-Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol nach ukrainischen Angaben mit Phosphorbomben beschossen. “Die Hölle ist auf die Erde gekommen. Zu Azovstal”, schrieb der Mariupoler Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram. Solche Brandbomben entzünden sich durch Kontakt mit Sauerstoff und richten verheerende Schäden an. Ihr Einsatz ist verboten.

Andrjuschtschenko veröffentlichte dazu ein Video mit Luftaufnahmen, auf denen ein Feuerregen zu sehen ist, der auf das Stahlwerk niedergeht. Auf den zunächst nicht überprüfbaren Aufnahmen unklarer Herkunft war zudem Artilleriebeschuss der Industriezone zu sehen.

Andrjuschtschenko veröffentlichte zudem Bilder, die Aufschriften auf Bomben zeigen. Demnach soll das russische Militär damit auf den Sieg der Ukraine beim Eurovision Song Contest (ESC) reagiert haben. Es war zunächst nicht klar, woher diese Fotos stammten. Auf den mutmaßlichen Bomben war demnach auf Russisch zu lesen: “Kalusha, wie gewünscht! Auf Azovstal” und auf Englisch “Help Mariupol – Help Azovstal right now” (auf Deutsch: Helft Mariupol – Helft Azovstal sofort) mit dem Datum 14. Mai. Der Sänger der beim ESC siegreichen Band Kalusha Orchestra hatte auf der Bühne in Turin diese Worte in einem Appell gesagt.

In Hasskommentaren war zu lesen, die Phosphorbomben seien der russische Gruß zum ESC-Sieg. Russische Medien berichteten in der Nacht zum Sonntag zwar von dem Sieg, anders als in den Vorjahren durfte das Staatsfernsehen die Show aber nicht zeigen. Russland ist wegen des Angriffskrieges auf die Ukraine vom ESC ausgeschlossen.

In dem Stahlwerk haben sich nach ukrainischen Angaben rund 1000 Verteidiger von Mariupol verschanzt. Sie lehnen russische Aufforderungen ab, sich zu ergeben. In den russischen Hasskommentaren war mit Blick auf den Beschuss des Stahlwerks auch zu lesen, die Kämpfer hätten nun genug Zeit gehabt, aus der Industriezone herauszukommen. Die ukrainische Regierung hatte erklärt, alles für die Rettung der Verteidiger von Mariupol zu tun.

Britische Militärgeheimdienste schätzen, dass Russland möglicherweise rund ein Drittel der im Februar für die Invasion der Ukraine aufgestellten Bodentruppen verloren hat. “Trotz kleiner anfänglicher Vorstöße hat Russland in den vergangenen Monaten keine substanziellen Territorialgewinne verzeichnet, während es kontinuierlich hohe Verluste hinnehmen musste”, schrieb das britische Verteidigungsministerium auf Twitter.

Die russischen Streitkräfte haben nach ukrainischen Angaben in der Region Lwiw (Lemberg) im Westen des Landes nach tagelanger Pause erstmals wieder mit Raketen militärische Infrastruktur beschossen. Nach dem Angriff Sonntagfrüh sei nichts über Tote oder Verletzte bekannt, teilte der Chef der Militärverwaltung, Maxym Kosyzkyj, im Nachrichtenkanal Telegram mit. Das Ausmaß der Zerstörung werde untersucht. Ein Objekt nahe Jaworiw – vermutlich um den dortigen Truppenübungsplatz herum – soll komplett zerstört sein.

Es war demnach das erste Mal seit etwa einer Woche, dass es Luftalarm in der Region nahe der polnischen Grenze gab. Im Lagebericht des russischen Militärs gab es dazu zunächst keine Angaben.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass bei Luftschlägen im Verlauf der Nacht zwei ukrainische Gefechtsstände, elf Truppenansammlungen und vier Munitionslager getroffen worden seien. Die Ziele lagen demnach im Gebiet Donezk in der Ostukraine. Bei Angriffen mit Artilleriefeuer seien sechs weitere Kommandostellen und 123 Ziele mit Truppen und Technik getroffen worden, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow. Dabei seien 150 ukrainische Kämpfer “vernichtet” worden.

Die russische Luftabwehr habe unter anderem in den Gebieten Luhansk, Donezk und um die Schlangeninsel im Schwarzen Meer 15 Drohnen abgeschossen, sagte Konaschenkow. In den Gebieten Charkiw und Cherson seien zudem Raketen abgefangen worden. Von unabhängiger Seiten überprüfbar waren die russischen Angaben nicht. Die Angriffe würden fortgesetzt, hieß es.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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22 Kommentare auf "Russische Phosphorbomben auf Asow-Stahlwerk nach ESC-Sieg"


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sophie
sophie
Kinig
1 Monat 10 Tage

Ich glaube Putin hat ausser Bomben, unschuldige Menschen und Kinder töten, totale Verwüstung eines Landes, NICHTS ANDERES MEHR ZU BIETEN

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 10 Tage

Auser jeden Tag das selbe zu schreiben, wird auch nichts geboten! Wenn ich jeden Tag schreiben würde, es sterben Menschen. Was würdest du irgendwann sagen? Warum ich das dauernd wiederhole und wozu?

Sigo70
Sigo70
Superredner
1 Monat 11 Tage

“Demnach soll das russische Militär damit auf den Sieg der Ukraine beim Eurovision Song Contest (ESC) reagiert haben”
🙄Da wird der ESC wohl etwas zu wichtig genommen. Das russische Militär wird das recht wenig interessieren. Aus Sicht der Ukraine bietet sich der Sieg natürlich an, dies medial zu nutzen.
Ganz nebenbei sind politische Äußerungen beim ESC verboten. Aber wen interessiert das schon.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 10 Tage

Möglich, sehr wohl aber die Soldaten, die Zitate der Band auf die Bomben geschrieben haben.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 10 Tage

Also behauptest du das war Zufall?
Geht die Sinne jeden Tag zufällig auf?

Sigo70
Sigo70
Superredner
1 Monat 11 Tage

“Helft Mariupol – Helft Azovstal sofort” wer sind die Kämpfer in Azovstal welche sich nicht ergeben möchten, bzw. dürfen? Sind diese nicht vom Asow-Regiment, welche stolz darauf sind, sich mit historischen Symbolen ablichten zu lassen?

aschpele
aschpele
Tratscher
1 Monat 10 Tage

@Sigo70
Vor allem muss man sich fragen, warum die anderen ukrainischen Soldaten so wenig Beachtung erhalten…

Philingus
Philingus
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Derzeit sind es Kämpfer, die sich nicht von einer russischen Diktatur unterjochen lassen wollen. Das für die Freiheit und den Weltfrieden viel wert. Das nach dem Sieg ullder gesamten ukrainischen Armee bzw. dem Sieg der Ukrainer/Innen gegen. eine russische brutale Besatzung die Stellung der Verteidiger Mariupols ggf. überdacht werden muss, steht auf einem anderen Blatt.

Sigo70
Sigo70
Superredner
1 Monat 10 Tage

@Philingus und was haben diese Kämpfer die letzten 8 Jahre gemacht, weißt du das?

Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

Bei dieser probaganda Lawine wissen nur die wenigsten was dort passiert, gute schauspieler gibt es überall

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

@Sigo70

Interessiert keinen, weil es nicht in unser derzeitiges Weltbild passt. Genauso wenig wie es 2014 zur Revolution in der Ukraine kam und wer dahinter steckt.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 10 Tage

…Phosphorbomben sind verboten, deshalb ideal für Kriegsverbrecher…

Onkel
Onkel
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Wie soll man den Sieg der Ukraine verstehen? Dieser Song hat den Sieg nicht verdient.

selltatamolawie
selltatamolawie
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

War schon von vornherein klar das uk den esc gewinnt, ob mit oder ohne top Lied🤷‍♂️

@
@
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Welcher Song hat in den letzten 20 Jahren den Sieg verdient? Das waren immer schon Sympathieentscheidungen. Man braucht nur schauen,was bei ESC im Vordergrund steht. Nicht der Song sondern die Show.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 10 Tage

@@ Nun, Musik ist Geschmackssache, damit lässt sich nicht darüber streiten und wenn du Sympathie erwähnst, dann trifft es das genau. Wo liegt dann das Problem, nicht der beste Sänger gewinnt , sondern das eingängigste Lied. Das ist ganz normal und legitim!
Wenn, wie ich, jemand amerukanischen Rap gut findet, dann sagen sichet ne Million Leute, die können nicht singen, trotzdem wird da am meisten Geld gemacht. Warum? Weils vielen trotzdem gefällt!

Anja
Anja
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

dieser song hat den sieg nicht verdient?? aha und das sagt wer? das ist Musik! und Musik ist 1. subjektiv und 2. sind wir nicht in Russland, wo keine freihe Meinungsfreiheit gilt und keine freien Wahlen möglich sind: jeder und jede durfe abstimmen, das ist das Ergebnis, leb damit!

Nebenbei: es gab schon Siegertitel, die mir weniger gefallen haben als das heurige… bsp. Portugal vor 4-5 Jahren! aber ist halt so!

Menschlich gesehen: Wenn eine so überwältigende Mehrheit der Ukraine so ihre Solidarität zeigen kann, dann ist das wunderschön, Musik verbindet 🇺🇦🇪🇺🌍

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 10 Tage

@Anja …gegen Kremltrolli kommst nicht mal mit Musik an…
😆

OH
OH
Tratscher
1 Monat 10 Tage

So langsam komme ich an einen Punkt wo mir das alles egal wird. Ob mit dem ESC oder Krieg, alles wird medial ausgeschlachtet !!!!!

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Achtung Satirischer Beitrag!

Art. (…) Russland hat das Asow-Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol nach ukrainischen Angaben mit Phosphorbomben beschossen.

Das war nur, weil Russland den Sieg beim ESC der Ukraine (mit-) feieren wollte!

OH
OH
Tratscher
1 Monat 10 Tage

War doch abzusehen oder ?

OH
OH
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Und schon wieder wird der ESC politisiert. Bin der Überzeugung, Russland hätte die Bomben auch ohne ESC abgeworfen !!! Diese angebliche Wichtigkeit des ESC ist wohl etwas übertrieben. Aber medial passt das natürlich !!!

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