Bachmut - hier die Schule - wurde zuletzt bereits sturmreif geschossen

Russische Truppen rücken von Südosten auf Bachmut vor

Freitag, 10. Juni 2022 | 09:01 Uhr

Bei anhaltend schweren Kämpfen im Donbass sind die russischen Truppen nach ukrainischen Angaben zuletzt auf den Verkehrsknotenpunkt Bachmut vorgerückt. Sie drohen damit, den Nachschub für das Verwaltungszentrum Sjewjerodonezk abzuschneiden. “Der Feind hat in Richtung Wosdwyschenka – Roty angegriffen, teilweise Erfolg gehabt und setzt sich an den eingenommenen Stellungen fest”, teilte der ukrainische Generalstab am Freitag in seinem Lagebericht mit.

Die Ortschaften befinden sich nur etwa zehn Kilometer südwestlich von Bachmut. Auch die Straße von Bachmut nach Sjewjerodonezk kann von dort mit schwerem Gerät beschossen werden.

In Sjewjerodonezk halten die schweren Kämpfe auf dem Boden unvermindert an. Die ukrainischen Streitkräfte hielten nach eigenen Angaben auch am Freitag den russischen Angriffen Stand. Ihre Stellungen würden Tag und Nacht beschossen, teilten ukrainische Vertreter mit. Der Kommandant des ukrainischen Swoboda-Bataillons der Nationalgarde, Petro Kusyk, erklärte, dass die ukrainischen Truppen in Straßenkämpfen versuchten, den russischen Vorteil bei der Artillerie wettzumachen.

Die ukrainischen Verteidiger litten aber unter einem “katastrophalen” Mangel an Artillerie-Geschützen. Die Beschaffung solcher Waffen würde die Lage auf dem Schlachtfeld verändern. Die Angaben aus den Kampfgebieten können kaum unabhängig überprüft werden.

Laut Bürgermeister Olexander Strjuk befinden sich noch etwa 10.000 Zivilisten in der Stadt und damit noch etwa ein Zehntel der Bevölkerung vor Kriegsbeginn. Eine Evakuierung sei wegen der anhaltenden Kämpfe unmöglich. Die Ukraine kontrolliert nach eigenen Angaben weiterhin die Zwillingsstadt Lyssytschansk auf der anderen Seite des Flusses Siwerskyj Donez. Diese ist aber ebenfalls schweren Bombardements ausgesetzt.

Die beiden Städte befinden sich in der Region Luhansk, die zusammen mit der Region Donezk den Donbass bildet. Vor der russischen Invasion der Ukraine am 24. Februar kontrollierten pro-russische Separatisten bereits rund ein Drittel des Donbass. Auf dieses überwiegend russisch-sprachige Gebiet im Osten der Ukraine hat das russische Militär zuletzt seinen Angriff konzentriert.

In Richtung Slowjansk, einem weiteren strategischen Hauptziel der russischen Militäroperation im Donbass, ist hingegen nach den schweren Kämpfen der Vortage vorläufig Ruhe eingekehrt. Aktive Kampfhandlungen hätten in der Nacht nicht stattgefunden, teilte der ukrainische Generalstab mit. Allerdings hätten die russischen Truppen nördlich der Stadt, im Raum Sloboschanske, bis zu 30 taktische Bataillone konzentriert. Von anderen Frontabschnitten melden die Ukrainer vorwiegend Artilleriebeschuss ohne aktives Vorgehen der russischen Bodentruppen.

Großbritannien warnte am Freitag vor der Ausbreitung von tödlichen Krankheiten wie Cholera angesichts der schwierigen humanitären Lage in den russisch besetzten Gebieten. Es gebe vermutlich bereits einen kritischen Medikamentenmangel in der südukrainischen Stadt Cherson, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. In der Hafenstadt Mariupol drohe ein Cholera-Ausbruch.

“Seit Mai wurden einzelne Fälle von Cholera gemeldet”, hieß es unter Verweis auf Geheimdiensterkenntnisse. “Die medizinische Versorgung in Mariupol steht wahrscheinlich bereits kurz vor dem Zusammenbruch. Ein größerer Cholera-Ausbruch in Mariupol wird dies weiter verschärfen.” In der Ukraine habe es 1995 eine schwere Cholera-Epidemie gegeben und seitdem immer wieder kleinere Ausbrüche, vor allem in der südostukrainischen Region um Mariupol am Asowschen Meer.

“Russland ringt darum, der Bevölkerung in den von Russland besetzten Gebieten grundlegende öffentliche Dienstleistungen anzubieten”, teilte das Ministerium weiter mit. “Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist unbeständig, Telefon- und Internetdienste sind weiterhin stark gestört.”

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine veröffentlicht die britische Regierung in ungewöhnlich offener Art und Weise regelmäßig Geheimdienstinformationen zum Verlauf des Angriffskriegs. Moskau wirft London eine gezielte Desinformationskampagne vor.

Von: APA/dpa

Kommentare

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11 Kommentare auf "Russische Truppen rücken von Südosten auf Bachmut vor"


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Dagobert
Dagobert
Kinig
17 Tage 7 h

Der Olaf ist wohl einer der größten Bremsklötze für die Lieferung schwerer Artillerie.
Seit der beim Vladolf in Moskau war, hat der die Hosen derart voll 🤦‍♂️

Philingus
Philingus
Tratscher
17 Tage 4 h

Jahrzehntelang hat die SPD die UDSSR regelrecht hofiert. Deswegen halten sich die Genossen auch so zurück. Man beruft sich ja schließlich auf einen gemeinsamen geistigen Urheber der eigenen Ideologie: Karl Marx. Die Realität sieht natürlich gänzlich anders aus (Oligarchencliquen, Selbstbereicherung à la Gerhard Schröder, etc.) Da ist das Zaudern und Zögern von Scholz gut zu verstehen. Das er sich zum zweiten Mal zum Deppen macht (siehe Hamburg) hat er noch nicht verstanden.

Hustinettenbaer
17 Tage 3 h

Mutti wäre auch zögerlich. Und die war/ist nach meiner Kenntnis nicht SPDlerin. Zögerlichkeit wegen der deutschen Historie. Und Unkenntnis der Bevölkerungsmehrheit, dass die Ukraine in WK2 ein Hauptopfer war. Mindestens 8 Mio Kriegsopfer, 2,4 Mio Verschleppte…
“Von etwa 40 Millionen Kriegstoten in Europa war jedes fünfte Opfer ein Ukrainer oder eine Ukrainerin.”
https://www.deutschlandfunk.de/zweiter-weltkrieg-in-der-ukraine-ein-riesiger-blinder-fleck-100.html

Pacha
Pacha
Universalgelehrter
17 Tage 2 h
Ihr glaubt doch wohl nicht im Ernst, daß sich mit der Lieferung von ein paar schwerer Waffen das Blatt zu Gunsten der Ukraine noch wenden lässt? Glaubt ihr wirklich Russland wartet bis die Waffen an der Front angelangt sind? Dass Russland keine Aufklärung hat, keine Spione, nicht weis wann wo was wie in die Ukraine gelangt? Schwere Waffen benötigen auch schwere Transporte und die fallen auf, da geht nichts mit mal schnell etwas mit einem Lkw oder Pkw an die Front karren! Wenn der Donbass fällt, erleiden die ukrainischen Streitkräfte die zweite Niederlage und der Krieg ist für sie so… Weiterlesen »
Philingus
Philingus
Tratscher
17 Tage 2 h

@Hustinettenbaer Umso weniger verständlich, warum sich Deutschland mit einer vernünftigen und wirksamen Unterstützung der Ukraine zurückhält. Gerade Deutschland hat eine eigene Erfahrung mit einem wahnsinnigen Diktator gemacht und müsste daher die Gefahr, die von dem Diktator Putin ausgeht erkennen und dagegen abgehen. (Putin sieht sich ja bereits als „Zar-Nachfolger“) Das „wehret den Anfängen“ ist aktueller denn je.

N. G.
N. G.
Kinig
17 Tage 2 h

@Philingus Interessant, dass jetzt die SPD Schuld drann hätte. Seit 2013 war sie immer nur kleiner Partner der CDU. Man erinnere sich, 2014 an Putins Rede in München und jetzt hätte echt die SPD an dem Ganzen die Verantwortung?
Wer hier Tatsachen verdreht..!
Wenn haben alle Parteien an Outins Hin…. gelenkt… Also bleib bei den Tatsachen!

Philingus
Philingus
Tratscher
17 Tage 1 h

@N. G. Sie lesen Texte nicht richtig durch, sonst hätten sie den geschichtlichen Hintergrund korrekt erfasst.

Hustinettenbaer
17 Tage 51 Min

@Philingus
Wir verkaufen gern Kriegswaffen.
“Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Bundesrepublik Rüstungsgüter am liebsten exportieren würde, damit die gelieferten Leopard-Panzer oder Patrouillenboote im Empfängerstaat in der Garage stehen bzw. im Hafen lagern: Finanziell wollen wir von den Exporten profitieren, aber sich über die mit den Exporten möglicherweise verfolgten Ziele zu verständigen ist schwierig, politisch wenig opportun und wird daher meist vermieden.”

Keine Waffenlieferungen in Krisengebiete? – Verfassungsblog

schlaumaier
schlaumaier
Grünschnabel
17 Tage 35 Min

@Pacha eu Amis und Briten sein net aufn Schlachtfeld, und die grossmacht Russland isch am Ende dor grösste Verlierer, egal wia dess ausgeat, dauert nou a bissl, nor verstehst du a 😉

Dagobert
Dagobert
Kinig
16 Tage 22 h

@Pacha
Hel hottman beim Sturm auf Kiev am Bestn gsechn, wos die Russn draufhobm! 😂

Sterne
Sterne
Tratscher
17 Tage 2 h

Einfoch 😭😭😭🙏🙏🙏

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