In Beslan starben auch mehr als 180 Kinder

Russland akzeptiert EGMR-Urteil zu Beslan-Geiseltragödie

Mittwoch, 20. September 2017 | 17:32 Uhr

Trotz großer Bedenken will Russland das Schadenersatz-Urteil des Straßburger Menschenrechtsgerichts im Fall des Geiseldramas von Beslan nun doch akzeptieren. Das Justizministerium teilte am Mittwoch in Moskau mit, dass es das Urteil vom April nun als rechtskräftig betrachte. Zuvor hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eine Berufung Russlands abgelehnt.

Die Straßburger Richter hatten Russland zur Zahlung von drei Millionen Euro an mehr als 400 Kläger verurteilt. Sie begründeten das Urteil mit schweren Versäumnissen der russischen Behörden bei der Erstürmung einer von pro-tschetschenischen Geiselnehmern besetzten Schule in Beslan im Jahr 2004. Damals waren mehr als 330 Menschen getötet worden, unter ihnen mehr als 180 Kinder. Zu den Klägern in Straßburg zählten Überlebende und Angehörige von Opfern.

Die russische Regierung hatte das Straßburger Urteil zunächst als “absolut inakzeptabel” kritisiert und gefordert, das Verfahren vor der Großen Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte neu aufzurollen. Das Gericht lehnte dies aber ab.

In seiner Erklärung vom Donnerstag bedauerte das russische Justizministerium diese Entscheidung, akzeptierte sie aber. “Wir finden, dass die Umstände dieser schrecklichen Tragödie eine gründlichere und ausgewogenere Prüfung verdient hätten”, erklärte das Ministerium. Leider seien die Argumente der russischen Regierung “nicht gehört” worden.

Von: APA/ag.