In der EU ist der Impfstoff noch nicht zugelassen

Russland bietet Österreich 1 Mio. Sputnik-Dosen an

Dienstag, 30. März 2021 | 22:27 Uhr

Österreich verhandelt derzeit mit Russland über die Lieferung von einer Million Dosen des Corona-Impfstoffes Sputnik V. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erklärte am Dienstag, dass man “aktuell alle Möglichkeiten” prüfe, um möglichst rasch weiteren Zugang zu noch mehr geprüften Impfstoffen für die breite Bevölkerung zu ermöglichen”. “Klar ist: jeder in Österreich eingesetzte Impfstoffe muss wirksam und sicher sein”, so Anschober. Kritik äußerten FPÖ und NEOS.

In der Europäischen Union ist Sputnik V derzeit noch nicht zugelassen. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat aber ein sogenanntes rollierendes Verfahren zur Zulassung gestartet. Dabei können während eines Gesundheitsnotstands die notwendigen Daten bei Verfügbarkeit sukzessive eingereicht und geprüft werden. Das Verfahren kann so beschleunigt werden.

Aus dem Bundeskanzleramt in Wien hieß es am Dienstag eine Vertraulichkeitsvereinbarung mit Russland zum Austausch von Dokumenten sei unterschrieben worden. Die österreichischen Gesundheitsbehörden würden auch Zugang zu den Dokumenten erhalten. Verhandelt werde über die Lieferung von 300.000 Dosen im April, 500.000 Dosen im Mai und 200.000 Dosen Anfang Juni. Eine Kaufentscheidung sei aber noch nicht getroffen worden.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) habe am 26. Februar mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert und über mögliche Lieferungen des russischen Impfstoffs Sputnik V nach Österreich gesprochen, so das Bundeskanzleramt. Noch am selben Tag sei eine Kontaktaufnahme mit dem Russian Direct Investment Fund (RDIF), der mit dem internationalen Vertrieb von Sputnik V beauftragt ist, erfolgt. Am 5. März habe Kurz dann mit Kirill Dmitriev, dem RDIF-Vorstandsvorsitzenden, gesprochen. Seitdem habe es bereits mehrere Videokonferenzen und Telefonate mit dem RDIF sowie dem russischen Botschafter in Österreich, Dmitri Ljubinski, unter Einbindung des Gesundheitsministeriums und der Finanzprokuratur gegeben.

Kurz hatte bis jetzt immer erklärt, dass die Voraussetzung für eine Lieferung nach Österreich eine EU-Zulassung des russischen Impfstoffes sei. In einer Stellungnahme am Dienstag betonte der Bundeskanzler, dass es beim Impfstoff “keine geopolitischen Scheuklappen geben” dürfe. “Das Einzige was zählen darf ist, ob der Impfstoff wirksam und sicher ist, nicht woher er kommt.” Seit Februar sei man in einem guten Austausch mit der russischen Seite, wofür er sehr dankbar sei, so Kurz. “Wenn Österreich 1 Million Impfdosen zusätzlich bekommt, wäre eine frühere Rückkehr zur Normalität möglich und wir können viele Menschenleben sowie Arbeitsplätze retten.”

Die Leiterin des nationalen Impfgremiums äußerte sich am Dienstagabend eher skeptisch zu einer rein nationalen Zulassung, auch wenn Ursula Wiedermann-Schmidt diese prinzipiell nicht ausschloss. Das Problem auch auf europäischer Ebene sei aber aktuell, dass die Hersteller offenbar nicht ausreichend Daten vorgelegt hätten. Da sei dann die Frage, ob man national schneller als die EMA an diese Informationen herankäme, die belegten, ob Sputnik sicher und entsprechend wirksam sei.die belegten, ob Sputnik sicher und entsprechend wirksam sei.

Kritisch äußerte sich indes FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer. Er habe bereits Anfang Februar den Kauf des russischen Impfstoffes gefordert, so Hofer. Das Beispiel rund um Sputnik V zeige, dass es die österreichische Regierung wieder einmal verschlafen habe, die richtige Schritte zu setzen. “In mittlerweile 57 Ländern kommt Sputnik V bereits zum Einsatz. Österreich könnte schon eines dieser Länder sein, würde der Gesundheitsminister nicht Anschober heißen”, so der FPÖ-Chef.

“Ohne positiv abgeschlossenes Zulassungsverfahren darf Sputnik V in Österreich nicht verimpft werden. Das würde das Vertrauen der Bevölkerung in die Impfung aushöhlen und den Impffortschritt in Österreich nachhaltig gefährden”, forderte NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker. Er sehe nun den Gipfel des Impfchaos, das die Regierung Kurz verursacht habe, so Loacker: “Hätte die Regierung im Herbst nicht auf 1,5 Millionen Dosen Johnson&Johnson verzichtet, müsste die Regierung über solche Aktionen erst gar nicht nachdenken.”

Die EU-Kommission äußerte sich zu den Verhandlungen zwischen Wien und Moskau zu Sputnik V zurückhaltend. Der Impfstoff gehöre nicht zu dem von der EU-Kommission ausverhandelten Portfolio, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Brüssel. “Bisher ist aber nach Angaben der EMA kein Antrag des Sputnik-V-Herstellers auf Marktzulassung in der EU eingegangen”, so die Sprecherin. Die EU-Behörde schloss Verträge mit den Pharmaunternehmen Biontech/Pfizer, AstraZeneca, Moderna und Johnson&Johnson ab.

“Für die EU ist es entscheidend, dass die Impfstoffe auf ihre Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit geprüft werden”, betonte die Sprecherin mit Blick auf das Zulassungsverfahren durch die EMA weiter. Sie verwies außerdem, dass im Falle einer Notfallzulassung “Konsequenzen” zu tragen seien. So würde die Haftung nicht mehr bei den Herstellern, sondern bei den Mitgliedstaaten liegen. Die EU-Kommission verhandle nicht zu Sputnik V, hieß es letztlich. Man sei “zuversichtlich” mit der derzeitigen Impfstrategie, das Ziel, 70 Prozent der Erwachsenen in der EU bis Sommer geimpft zu haben, zu erreichen.

Zustimmend äußerte sich indes die Ärztekammer. “Es ist sehr erfreulich, dass die zahlreichen Appelle der Österreichischen Ärztekammer, zusätzlichen COVID-Impfstoff zu besorgen, auf fruchtbaren Boden gefallen sind”, sagte Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres. Internationale Erfahrungen hätten gezeigt, dass der Impfstoff Sputnik V sicher und wirksam sei. “Es wurden bereits Millionen Dosen dieses Impfstoffes verimpft, ohne dass es größere Nebenwirkungen gegeben hat”, unterstrich Szekeres.

Ähnlich zuversichtlich äußerten sich die Industriellenvereinigung (IV) und die Wirtschaftskammer (WKÖ).”Beim Rollout der österreichischen Impfstrategie zählt jeder Tag. Es ist daher richtig und wichtig, sämtliche Möglichkeiten zu prüfen und zu nutzen, die zu einer Beschleunigung der heimischen Impfkampagne führen”, betonte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. WKÖ-Präsident Harald Mahrer sagte: “Wir begrüßen die Initiative, Sputnik V für Österreich zu bekommen.” Mahrer und WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf betonten weiters: “Jeder Test und jede Impfung helfen, Arbeitsplätze zu erhalten und Leben zu retten.”

Von: apa

Kommentare

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15 Kommentare auf "Russland bietet Österreich 1 Mio. Sputnik-Dosen an"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Doolin
Doolin
Superredner
18 Tage 6 h

…her mit dem Sputnik!…
😄

Ninni
Ninni
Kinig
18 Tage 4 h

@ Doolin

oh yes 👍👏

dann fliegen wir mit der Rakete ab 😅😜
die nicht wollen eh besser, bleibt uns mehr 🤗

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Universalgelehrter
18 Tage 3 h

@Ninni..👍 den Österreichern ist das selber flattern mit Hilfe von Red Bull einfach zu anstrengend.

Doolin
Doolin
Superredner
18 Tage 1 h

@Offline …aber Red Bull verleiht Flügel…
😝

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Universalgelehrter
18 Tage 1 h

@Doolin..ja, ist bekannt, aber “flattern” musst du noch selber…

Zugspitze947
16 Tage 3 h

Doolin,das glauben nur Ahnungslose. Da geht es nur um Mammon 🙁

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Universalgelehrter
18 Tage 6 h

Ich habe zwar noch nichts von einem “Austrexit” mitbekommen, aber man darf den österreichischen Bundeskanzler auch mal loben. Auch wenn es noch keine Zulassung durch die EMA gibt, wenigstens redet man miteinander. Ein “WEG” mit den ideologischen Scheuklappen habe ich schon vor Längerem gefordert. Bei Astra Zeneca gibt es in Deutschland schon wieder einen Todesfall bei einem relativ jungen, vor Kurzem Geimpften. 6 Unikliniken in NRW haben die Impfung für unter 55-Jährige darauf wieder ausgesetzt.

Ninni
Ninni
Kinig
18 Tage 1 h

@ Offline

..mein erster Gedanke ..👏👏👍👍👍👍👍👍👍

Faktenchecker
18 Tage 6 h

Das ist russisch Roulette.

“Dabei wird Sputnik V anscheinend auch in Russland nicht besonders gut
angenommen. Erst 7,26 Impfdosen pro 100.000 Einwohner:innen (Stand:
22.03.2021) wurden laut dem Portal „Our World in Data“ in Russland
verimpft. In Deutschland sind es 14,76 – was auch nicht sehr viel ist,
aber vor dem Hintergrund, dass hierzulande die Impfkampagne vier Monate
später startete, deutlich besser. Beim jetzigen Tempo bräuchte Russland
laut dem „Spiegel“ noch knapp drei Jahre, bis die Hälfte der Bevölkerung
zumindest einmal geimpft wäre. Woran kann das liegen? ”

https://www.fr.de/panorama/corona-impfstoff-russland-sputnik-v-europa-skeptisch-wladimir-putin-biontech-moderna-astrazeneca-coronavir

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
17 Tage 11 h

Und was wollen die Russen an Gegenleistungen?

Teto
Teto
Grünschnabel
17 Tage 9 h

@pfaelzerwald
Vielleicht Coca Cola?

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Universalgelehrter
17 Tage 7 h

@pfaelzerwald…Gott sei Dank ist der “kalte Krieg” zwischen den USA und Russland, bis auf ein paar diplomatische Scharmützel, z.Zt. ziemlich kalt. Ich hoffe für uns alle, dass das auch in Zukunft so bleibt…

Offline
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Universalgelehrter
17 Tage 4 h

Offensichtlich ist ein dauerhafter Frieden für manche keine Option 😭. Oder doch eine WhatsApp Gruppe Frustrierter und Neider, die sich abgesprochen hat, wenn ich kommentiere, sofort 👎 zu drücken. Ihr seid so……sucht es euch selber aus.

Zugspitze947
16 Tage 3 h

offline: Der kalte Krieg ja,aber mit Krim -Ukraine-Syrien usw gibt es Probleme genug und eine Bessereung sehe ich nicht. Den Russenimpfstoff würde ich auf gar keinen Fall nehmen ! 🙁

Zugspitze947
16 Tage 3 h

tja das MINUS ist hier leider Programm=dümmer gehts nimmer 🙁

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