Blockade von Kaliningrad höchst brisant

Russland droht mit Vergeltung wegen Kaliningrad-Blockade

Mittwoch, 22. Juni 2022 | 16:57 Uhr

Russland droht dem Westen wegen der teilweisen Transit-Blockade der Exklave Kaliningrad mit Vergeltung. Die Antwort aus Moskau auf das Vorgehen Litauens werde nicht ausschließlich diplomatisch sein, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa. Vielmehr werde die Reaktion Russlands “praktisch” ausfallen, ergänzte sie, ohne dies näher auszuführen. Laut Präsident Gitanas Nauseda ist Litauen auf russische Vergeltungsmaßnahmen vorbereitet.

Zu solchen “unfreundlichen Maßnahmen Russlands” gehöre ein Ausschluss Litauens aus dem gemeinsamen Stromnetz, sagte Nauseda am Mittwoch in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. “Ich glaube nicht, dass Russland uns im militärischen Sinn herausfordern wird, da wir ein NATO-Mitglied sind.” Die Regierung in Moskau hatte Vergeltung dafür angekündigt, dass Litauen keinen Transport von mit EU-Sanktionen belegten Güter über sein Territorium in die russische Exklave duldet. Die Maßnahmen würden die litauische Bevölkerung ernsthaft treffen, hieß es in Moskau.

Nauseda kündigte an, den Konflikt beim NATO-Gipfel in der kommenden Woche anzusprechen. Dort geht es um die Frage von Truppenverstärkungen in Bündnis-Staaten, die Russland – wie die Baltenstaaten – geografisch am nächsten sind. Nauseda betonte, für Litauen wäre es kein Fehler, wenn der Streit über Kaliningrad zur Einschätzung dienen würde, was “Russlands wirklich ist”. Das könnte jenen den Wind aus den Segeln nehmen, die Russland helfen wollten, das Gesicht zu wahren. “Während Russland uns in anmaßender Weise bedroht”, so der Präsident.

Die EU zeige im Konflikt über Kaliningrad Solidarität mit Litauen, sagte Nauseda weiter. “Wir spüren die Unterstützung der Europäischen Union, denn dies ist eine Entscheidung der Europäischen Union.” Litauen sei zur Durchsetzung weiterer Sanktionsstufen gegen Russland bereit. Es wäre aber gut, wenn die Europäische Kommission den russischen Behörden die Maßnahmen erkläre. “Das könnte einige der gegenwärtigen Spannungen auflösen, die weder im Interesse der Europäischen Union noch Russlands sind.”

In dem baltischen Land werden die Transitbeschränkungen noch am Mittwoch im Parlament thematisiert. Der Ausschuss für nationale Sicherheit und Verteidigung wollte dazu in Vilnius zusammenkommen und sich mit den Leitlinien der EU-Kommission zur Umsetzung von Sanktionen befassen. “Wir werden analysieren und die Frage beantworten, ob dies eine EU-Entscheidung ist, und wir sie nur umsetzen, oder ob es etwas anderes gibt, was ich nicht glaube”, sagte der Ausschussvorsitzende Laurynas Kasciunas der Agentur BNS. Der Parlamentsausschuss will sich auch damit befassen, welche Bereiche Russland ins Visier nehmen könnte.

Litauen hat seit Samstag den Bahntransit von einigen Waren über sein Territorium in das Gebiet um das frühere Königsberg verboten, die auf westlichen Sanktionslisten stehen. Nach Kaliningrader Darstellung betrifft das 40 bis 50 Prozent aller Transitgüter, darunter Baumaterialien und Metalle. Von dem Verbot betroffen ist auch die einzige Zugstrecke zwischen Russland und Kaliningrad.

Bereits am Dienstag hatte der Sekretär des russischen Sicherheitsrats, Nikolaj Patruschew, erklärt, Russland werde “auf solche feindlichen Handlungen” reagieren. Die Antworten würden derzeit ausgearbeitet und schon bald ergriffen. Dies werde auch die litauische Bevölkerung treffen.

Die deutsche Regierung warnte Moskau am Mittwoch vor Gegenmaßnahmen. “Wir fordern Russland auf, keine Maßnahmen zu ergreifen, die gegen das Völkerrecht verstoßen”, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin. Hebestreit wies darauf hin, dass sich das Vorgehen Litauens im Rahmen der EU-Sanktionsbeschlüsse bewege. Der Transit von bestimmten sanktionierten Gütern durch Litauen nach Kaliningrad sei verboten, Personen und nicht sanktionierte Güter seien von dem Verbot aber nicht betroffen, betonte der Regierungssprecher. “Von Russland angekündigte Gegenmaßnahmen weisen wir deswegen klar zurück”, unterstrich er. Der deutsche Kanzler Olaf Scholz sicherte unterdessen den östlichen NATO-Partnern die volle Bündnissolidarität Deutschlands zu. “Wir werden jeden Quadratmeter des Bündnisgebiets verteidigen”, sagte der Kanzler in seiner Regierungserklärung im Bundestag am Mittwoch.

Der litauische EU-Kommissar Virginijus Sinkevicius hat unterdessen sein Heimatland dafür kritisiert, sich nur unzureichend auf die russischen Beschwerden und Drohungen vorbereitet zu haben. Moskau Rhetorik hätte vorhergesehen werden können, da der Transit nach Kaliningrad ein heikles Thema für Russland sei. “Ich glaube, wir hätten auf einen solchen Angriff aus Russland und auf die Verbreitung von Desinformationen und Lügen vorbereitet sein sollen”, sagte Sinkevicius laut BNS in Brüssel.

Das frühere ostpreußische Königsberg liegt an der Ostsee zwischen den EU- und NATO-Staaten Litauen und Polen. Eine direkte Landverbindung zu Russland gibt es nicht.

Von: APA/Reuters/AFP

Kommentare

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22 Kommentare auf "Russland droht mit Vergeltung wegen Kaliningrad-Blockade"


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Suedtiroler89
Suedtiroler89
Tratscher
4 Tage 19 h

Man muss dem Putin endlich mal die Grenzen aufzeigen, auch wenn das Krieg gegen die Nato bedeutet. Russland und alle Psychos auslöschen ein für alle male.
Und Kommentare ob nicht wir die Psychos sind? Ganz sicher nicht! Sonst zieht gerne nach Russland und lebt eure Freiheit, viel spass!

genau
genau
Kinig
4 Tage 16 h

Bist du wahnsinnig? Krieg zwischen Nato und Russland?
Ich habe kein Interesse an weiteren Blödsinnen!

Die Covid-Parade hat gereicht!😄

Igbo
Igbo
Grünschnabel
4 Tage 16 h

Nur, dass dus auch verstehen kannst und lies bitte langsam.
Krieg zwischen der NATO und Russland ist unser aller Ende und wer das fordert, ist der wahre Psycho.
Es geht hier nicht darum pro Putin zu sein, es ist vielen Menschen einfach ein Anliegen diesen Konflikt so schnell wie möglich zu beenden.
Russland ist nicht eun Kantin in der Schweiz, sondern ein Nuklearmacht, mit dem Potenzial uns alle auszulöschen und ich hätte gerne, dass meine Kinder weiterleben können.

nero
nero
Neuling
4 Tage 15 h

Ja ich kann diese Putinverehrer auch nicht mehr hören. Und auch die unfassbar dumme Meinung dass die NATO an allem Schuld sei. Putin ist und war schon immer ein grausamer Diktator – nur haben wir die Augen immer wieder davor verschlossen.

Philingus
Philingus
Tratscher
4 Tage 14 h

@Igbo : Warum wenden sie sich denn nicht an die Urheber ihrer Ängste? An Herrn Putin und seine gierige Oligarchenclique? Hier ist der Kern allen Übels. Und: wenn nicht die NATO als notwendiger Gegenpol zur imperialistischen Diktatur in Moskau existieren würde, bräuchten sie sich gar keine Sorgen um ihre Zukunft machen: sie hätten erst gar keine (eigene) Zukunft in Freiheit. So sieht’s aus und das Crétin Putin seine Klatschhorde in Medien die Propaganda streuen lässt, darf man nicht ernst nehmen. Sie hat sich regelrecht abgenutzt wie eine Toilettenbürste im Bahnhofsklo.

falschauer
4 Tage 14 h

@Igbo

atomwaffen setzt keiner ein, diese dienen nämlich nur dazu andere zu erpressen, so dumm ist nicht einmal putin, der weiß nämlich genau dass das auch sein ende wäre

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
4 Tage 14 h

@Suedtiroler89: Diese Sprache und diese Haltung überlasse ich lieber Putin. Ich will niemanden auslöschen, schon gar nicht ein ganzes Land. Möchte mich nicht auf Putins Ebene begeben! Dieses Privileg darf er gerne selbst behalten….

Hustinettenbaer
4 Tage 11 h

@Suedtiroler89
Wenn wir “Russland und alle Psychos auslöschen” wollten, hätten wir auf allen Kontinenten viel zu tun.
Kriegssehnsucht könnte ein Gespräch mit alten WK2-Kämpen kurieren. Und wenn die aus der Ahnenlinie eliminiert sind, die Lektüre des Buchs “Im Frühling sterben” von Ralf Rothmann.

Igbo
Igbo
Grünschnabel
4 Tage 14 h

Anscheinend möchten hier die meisten Krieg. Traurig aber wahr.

Philingus
Philingus
Tratscher
4 Tage 13 h

Den Krieg oder die totale Unterwerfung wollen die Protagonisten im Kreml. Was wollen sie? Absolute Unfreiheit? Einer kleinen Oberschicht ihr eigenes Leben unterordnen? Ggf. in den Krieg ziehen müssen unter dem Vorwand eines Manövers? Die Geschichte hat gezeigt, dass Abschreckung ein probates Mittel ist, um ausflippende Diktatoren in Schach zu halten. Nachgeben hat nur zu weiteren Kriegen geführt. Zu weiteren Versuchen, seinen imperialistischen Hunger zu stillen. Solange sich keiner der Andere nicht wehrt. Wie wollen sie den Weltherrschaftsdrang von Putin beherrschen???

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
4 Tage 13 h

@Igbo: Wenn dem so wäre, dann wäre es wirklich sehr, sehr traurig und verantwortungslos. Aber ich sehe das nicht so. Wahrscheinlich ist es eher so, dass die Meinungen darüber auseinandergehen, wie am besten ein Krieg verhindert werden kann. Darüber kann man durchaus geteilter Meinung sein. Die eine Seite glaubt, daß der beste Weg die Kapitulation der Ukraine wäre bzw. Putin zufriedenstellende Zugeständnisse zu machen, die andere Seite glaubt nicht an diese Lösung, sondern sieht den Weg vor allem Darin, Putin die Grenzen aufzuzeigen. Krieg will aber nach meiner Leseart kaum jemand. Gott sei Dank!

falschauer
4 Tage 13 h

zu allem was putin aufführt ja und amen zu sagen, heißt noch lange nicht den krieg wollen, wo kämen wir denn hin wenn die restliche welt den schwanz einziehen würde und was tätest wenn dich jemand bedrohen würde, die wange hinhalten?

Dagobert
Dagobert
Kinig
4 Tage 17 h

Kennen die Russn außer drohen, drohen und drohen eppes onders a no?

Dagobert
Dagobert
Kinig
4 Tage 15 h

Honne gonz vergessn, zerstören, vergewaltigen und morden kennense a die Russn 🤮

Suedtiroler89
Suedtiroler89
Tratscher
4 Tage 2 h

@Dagobert
Genau so isches!
De tian wos Sie wellen.
Dem muas a Riegel vorgeschoben werden.
Wenn Russland mit dem durchkimp viel spass in der Zukunft, zem tian des olle wenn sie segen mit Gewalt erreicht men eppes.

Is oanzige wos Putin versteht isch Gewalt!
Versuschts lei mit enkerer Diplomatie, sel hilft bei dem Typen nix.

Noggi
Noggi
Tratscher
4 Tage 16 h

Tja, jetzt sieht putin wie die Sanktionen anfangen zu wirken. Die eu darf jetzt nur nicht schwach werden!

primetime
primetime
Kinig
4 Tage 4 h

Das hieß es doch schon vor Wochen. Bisheriger es weiter wie gehabt

Unioner
Unioner
Tratscher
4 Tage 15 h

Ich war im Herbst in Litauen und schon damals habe ich die Angst vor Russland bemerkt.Als wir auf der Kurischen Nehrung waren und die russischen Schiffe gesehen haben war es wie vor dem Mauerfall in Berlin. Die Litauischen Menschen haben unter Stalin extrem gelitten und werden sich nichts von den Russen gefallen lassen. Sie brauchen unsere volle Unterstützung. Und das Kaliningrad hunderte Jahre Königsberg war darf nicht vergessen werden.

brunner
brunner
Universalgelehrter
4 Tage 16 h

Gorbatschow’ s Russland wollte die Enklave Königsberg in den 90er Jahren an Deutschland zurückgeben …Kohl hat abgelehnt…wieso weiss der Kuckuck

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
4 Tage 14 h

Weiß nicht warum, aber irgendwie fühle ich mich von Russland bedroht, vielleicht schlecht geträumt (Ironie)?

Savonarola
4 Tage 11 h

Kaliningrad = KÖNIGSBERG

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
4 Tage 5 h

Hugh
das russische Ministerium für die Bedrohung anderer Länder hat gesprochen.
Wir sind angemessen beeindruckt.

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