Festnahmen wegen Explosion auf Krim-Brücke

Russland: Festnahmen wegen Explosion auf Krim-Brücke

Mittwoch, 12. Oktober 2022 | 18:50 Uhr

Wegen der Explosion auf der für Moskau wichtigen Krim-Brücke sind acht Personen festgenommen worden. Es handle sich um fünf Russen sowie um drei Bürger der Ukraine und Armeniens, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch unter Berufung auf den russischen Geheimdienst FSB. Die Internationale Atom-Energieagentur (IAEA) meldete indes, dass das AKW Saporischschja nach einer Unterbrechung wieder an der externen Stromversorgung angeschlossen sei.

Der Anschlag auf die Krim-Brücke sei vom ukrainischen Militärgeheimdienst organisiert worden, teilte der FSB-Pressedienst mit. Namentlich wird dessen Direktor Kyrylo Budanow als Organisator genannt. Der Sprengsatz sei von der Ukraine über Bulgarien, Georgien und Armenien nach Russland gebracht worden. Nach eigenen Angaben hat der FSB ukrainische Angriffe in Moskau und der westrussischen Stadt Brjansk verhindert.

Die ukrainische Führung wies die russischen Ermittlungen zurück. Die gesamte Tätigkeit des FSB und des Untersuchungsausschusses seien Unsinn, sagte Andrij Jussow, der Sprecher des Militärgeheimdienstes in Kiew, dem ukrainischen Sender Suspilne zufolge. Der FSB und Untersuchungsausschuss dienten nur dem Putin-Regime, sagt Jussow mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin. “Daher werden wir ihre nächsten Äußerungen definitiv nicht kommentieren.”

Putin hatte bereits unmittelbar nach der Explosion den ukrainischen Geheimdienst verantwortlich gemacht und Luftangriffe auf ukrainische Städte angeordnet. Am Montag kam es infolge dessen zu umfangreichem Raketenbeschuss unter anderem auch auf die Hauptstadt Kiew, die nach einer ersten Offensive zu Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar weitgehend verschont geblieben war.

Die 19 Kilometer lange Krim-Brücke führt über die Straße von Kertsch, eine Meerenge zwischen dem Schwarzen und dem Asowschen Meer. Das Prestigeprojekt Putins war 2018 vier Jahre nach Russlands völkerrechtswidriger Annexion der Krim eröffnet worden. Für Moskaus Kriegseinsatz in der Ukraine spielt die Brücke eine entscheidende Rolle, denn über sie wird vom russischen Festland ein erheblicher Teil des Nachschubs für die Soldaten auf der Krim und in der größtenteils besetzten südukrainischen Region Cherson geliefert. Die Krim war in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel ukrainischer Gegenangriffe.

Bei einem russischen Angriff auf die ostukrainische Stadt Awdijiwka sind nach Angaben des Gouverneurs der Region Donezk mindestens sieben Menschen getötet und acht verletzt worden. Der von vielen Menschen besuchte Markt der Stadt sei getroffen worden, teilte Pawlo Kyrylenko mit. Für einen solchen Angriff gebe es “keine militärische Logik”. Die Stadt, in der vor Beginn des Krieges rund 32.000 Menschen lebten, liegt in der Region Donezk, die von Russland unlängst annektiert wurde.

Bei den russischen Raketenangriffen in den vergangenen zwei Tagen sind nach ukrainischen Angaben rund 30 Prozent der Energieanlagen des Landes getroffen worden. Das russische Militär missachte internationale Regeln, sagte der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko dem US-Sender CNN. “Sie kümmern sich nicht um irgendwelche internationalen Vereinbarungen oder Konventionen.” Er fügte hinzu: “Wir senden diese Botschaft an unsere Partner: Wir müssen den Himmel schützen.”

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow dankte in der Nacht auf Mittwoch für Rüstungslieferungen aus den USA und Deutschland. “Eine neue Ära der Luftverteidigung” habe in der Ukraine begonnen, schrieb Resnikow auf Twitter. Das Luftabwehrsystem IRIS-T aus Deutschland sei bereits angekommen. Raketenwerfersysteme des Typs NASAMS aus den USA seien unterwegs. Zudem seien vier zusätzliche HIMARS-Raketenwerfer aus den USA in der Ukraine eingetroffen. Deutschland kündigte drei weitere Luftabwehrsysteme für 2023 an.

Die USA haben laut dem Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) der Ukraine vom 4. August bis 3. Oktober gut 52 Mrd. Euro an militärische, finanzielle und humanitäre Hilfe zugesagt. Die europäischen Länder und EU-Institutionen weiteten ihr Engagement in diesem Zeitraum nur um rund 1,4 Mrd. Euro aus, womit die Gesamtsumme den Angaben nach auf knapp 29 Mrd. Euro steigt. “Die USA engagieren sich jetzt beinahe doppelt so stark wie alle EU-Länder und die EU-Institutionen insgesamt”, sagte IfW-Experte Christoph Trebesch.

IAEA-Chef Rafael Grossi schrieb auf Twitter, er sei von seinen Mitarbeitern vor Ort informiert worden, dass das AKW Saporischschja wieder am externen Stromnetz angeschlossen sei. Grund für den Ausfall am Morgen sei der Beschuss einer weiter entfernten Anlage gewesen, “was unterstreicht, wie prekär die Situation ist”, betonte Grossi. In der Früh forderte er erneut eine Sicherheitszone um das größte AKW Europas, um Kämpfe in der Nähe des Werks zu vermeiden. Grossi werde am Donnerstag erneut zu Gesprächen in Kiew sein, wie sein Sprecher sagte.

Eine Sicherheitszone rund um das AKW Saporischschja kann russischen Angaben zufolge erst eingerichtet werden, wenn die Frontlinie 100 Kilometer weit entfernt ist, zitierte die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti den von Russland eingesetzten Statthalter der südukrainischen Region, Jewgeni Balizki.

Von: APA/Reuters/dpa

Kommentare

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11 Kommentare auf "Russland: Festnahmen wegen Explosion auf Krim-Brücke"


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Nicolette
Nicolette
Neuling
1 Monat 14 Tage

Willkommener Vorwand um ungemütliche Genossen aus dem Weg zu räumen. Unmöglich jetzt bereits zu wissen, wer genau hinter diesem Vorfall steckt.

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 14 Tage

Nicolette
Konn sein, obr i glab der Schlächter Putin braucht kon Grund um unliebsame Gestalten ausn Weg zu raumen!

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 14 Tage
Es ist durchaus denkbar, dass der russische Geheimdienst diesen Anschlag selbst inszeniert hat. Dafür sprechen: 1.die Antwort mit massiven Bombenangriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung war nach Militärexperten schon länger geplant, eine solche Angriffwelle bedarf angeblich einer längeren Vorbereitung, 2. hatte Putin bereits im 2. Tschetschenienkrieg mit einem wohl selbst realisierten Anschlag auf eigene russische Zivilisten den massiven (und aus militärischer Sicht “erfolgreiche”) Beschuss von Grosny eingeleitet, 3. wurde eine Woche zuvor Kadirov zu einem der höchsten Militärs befördert und der wollte immer schon eine Eskalation (er hat sie nun bekommen), 4. der wahrscheinlich mit Sprengstoff beladene LKW kam vom russischen… Weiterlesen »
faif
faif
Superredner
1 Monat 14 Tage

…dieser meinung bin ich auch, der putin kommt nicht umsonst vom geheimdienst!

wellen
wellen
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Fünf russische Staatsbürger festgenommen..? Sabotage aus den eigenen Reihen, Herr Putin? Verkalkuliert, gell, mit Ihrem grausamen Krieg.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 14 Tage

…der letzte Heuler aus Moskau:
die Firma Egger aus Nordtirol hat die Brücke gesprengt…
😝

Staenkerer
1 Monat 14 Tage

wuuuuuaaaaauuuuu … de hobn se woll schnell herzunemmen ghob!!!
vor a poor tog passiert, gestern no nit gwisst obs von an boot ausgongen isch oder obs a drohne wor, heit schun de tinting derwischn und morgn sein se schun in sibirien verschwundn ….

NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Superredner
1 Monat 14 Tage

sonst kriegen sie nix auf die Reihe und hier präsentieren sie so kurz danach die Schuldigen? Geh, bitte…

Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Wer gluabt des schun amend worn ses selber dase kennen wider sinnlos terrorisieren de kolegn um putin☹️

Sara Lea
Sara Lea
Tratscher
1 Monat 14 Tage

Diese verlogenen russischen Fake-Märchen aus dem Kreml/FSB/KGB etc. glauben nur Putinetten und Konsorten.🤦‍♂️ Pinocchio lässt grüßen.

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
1 Monat 14 Tage

Der FSB hatte die Aufgabe die Brücke zu schützen. Da haben er und vor allem Putin versagt. Außerdem ist nicht gesagt dass nicht noch erfolgreichere Angriffe erfolgen.
Jedenfalls sind Putin und sein Geheimdienst ins Lächerliche gestellt. Versager.

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