Mindestens zwölf Zivilisten seien dadurch verletzt worden

Russland greift vom Iran in Syrien ein, 30 Tote in Aleppo

Dienstag, 16. August 2016 | 15:57 Uhr

Russland hat am Dienstag erstmals vom Iran aus in den Syrien-Krieg eingegriffen. Langstreckenbomber und Jagdflugzeuge hätten vom iranischen Stützpunkt Hamadan aus Angriffe gegen islamistische Milizen in Syrien geflogen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. In Aleppo starben am Dienstag bei Luftangriffen laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 30 Menschen.

Die russische Luftwaffe hat damit zum ersten Mal seit dem Beginn ihrer Luftangriffe in Syrien im vergangenen September einen ausländischen Stützpunkt außerhalb Syriens genutzt. In russischen Medien war zudem berichtet worden, Russland habe von Iran und Irak die Erlaubnis für Überflüge von Marschflugkörpern nach Syrien erhalten. Sie sollen von Schiffen im Kaspischen Meer aus abgeschossen werden.

Die Nachrichtenagentur Irna zitierte den Chef des Nationalen Sicherheitsrates des Irans, Ali Shamkhani, mit den Worten, es gebe eine strategische Zusammenarbeit mit Russland beim Kampf gegen den Terrorismus in Syrien. “Wir teilen dabei unser Potenzial und unsere Einrichtungen.” Beide Staaten unterstützen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Der Iran hat Militärberater und auch Bodentruppen nach Syrien entsandt.

Nach den Angaben des russischen Verteidigungsministeriums galten die Angriffe durch Tupolew 22M3- und Suchoi 34-Maschinen der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) sowie der früher als Al-Nusra bekannten Miliz in den syrischen Provinzen Aleppo, Idlib und Deir ez-Zor. Fünf große Waffendepots seien dabei vernichtet worden sowie ein militärisches Ausbildungslager und drei Kommandozentren. Auch zahlreiche Kämpfer seien getötet worden. Alle zerstörten Einrichtungen seien genutzt worden, um die Kämpfer in Aleppo zu unterstützen, erklärte das Ministerium.

Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, bei den heftigen Luftangriffen seien über 30 Menschen getötet worden, darunter auch 19 Zivilisten. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Streitkräfte bemühten sich sehr, zivile Opfer bei den Luftangriffen zu vermeiden.

Der staatsnahe Fernsehsender Rossija 24 zeigte Bilder von mindestens drei Bombern und einem russischen Militärtransportflugzeug vermutlich im Iran, ohne allerdings anzugeben, wann und wo die Bilder aufgenommen wurden. Laut Rossija 24 kann durch die Stationierung der Flugzeuge im Iran die Flugzeit bis zum Einsatzgebiet um 60 Prozent reduziert werden. Für den dadurch eingesparten Treibstoff könnten mehr Bomben geladen werden.

Bisher flogen die Überschallbomber TU-22M3 von Südrussland aus nach Syrien. Für den russischen Luftwaffen-Stützpunkt in Syrien seien sie zu groß, hieß es in der russischen Presse.

Russland unterstützt wie der Iran den syrischen Präsidenten Assad im inzwischen fünfjährigen Krieg gegen die Rebellen, während eine Allianz westlicher und arabischer Staaten einige Aufständische unterstützt, die Assad stürzen wollen. Zudem fliegen sie Luftangriffe gegen den IS.

Am Dienstag erklärte auch China, es wolle seine militärische Zusammenarbeit mit Syrien ausbauen. Die Armeen beider Staaten hätten traditionell freundschaftliche Beziehungen, sagte Guan Youfai von der Zentralen Militärkommission bei einem Besuch in Damaskus, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag berichtete. Demnach traf der für internationale Beziehungen zuständige Offizier den syrischen Verteidigungsminister Fahad Jassim al-Freij. Die Armee der Volksrepublik wolle den Austausch und die Zusammenarbeit mit der syrischen Armee vertiefen, wurde Guan zitiert. Demnach einigten sich beide Seiten auf die Lieferung von Hilfsgütern durch die Streitkräfte der Volksrepublik. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) warf der syrischen Regierung und Russland unterdessen den Einsatz von Brandbomben vor. In den vergangenen Wochen seien entsprechende Waffen mindestens 18 Mal unter anderem in Rebellengebieten in den Städten Aleppo und Idlib eingesetzt worden, berichtete HRW am Dienstag. Darauf wiesen die Untersuchung von Fotos und Videos von Angriffen und Überresten der Bomben hin. Mindestens zwölf Zivilisten seien Berichten zufolge durch sie verletzt worden.

“Die syrische Regierung und Russland sollten die Angriffe mit Brandbomben auf Gebiete, in denen Zivilisten leben, beenden”, sagte der HRW-Waffenexperte Steve Goose. Alle Länder sollten deren Einsatz in zivilen Gebieten verurteilen. HRW hatte dem syrischen Regime bereits zuvor den Einsatz der Waffen vorgeworfen. Brandbomben lösen durch chemische Reaktionen Flammen mit hohen Temperaturen aus. Die Feuer sind schwer zu löschen und verursachen ernste Verbrennungen.

Von: APA/ag.

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