Einigkeit fürs Foto und in Sachen Waffenruhe

Russland, Iran und Türkei wollen Waffenruhe in Syrien

Mittwoch, 04. April 2018 | 18:13 Uhr

Die Präsidenten Russlands, des Iran und der Türkei streben eine rasche und dauerhafte Waffenruhe im Bürgerkriegsland Syrien an. Es sei beabsichtigt, “Ruhe am Boden” zu schaffen und Zivilisten in “Deeskalations-Gebieten” zu schützen, teilten Wladimir Putin, Hassan Rouhani und Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch in Ankara mit. Die USA kündigten unterdessen ein “rasches Ende” des Syrien-Einsatzes an.

In ihrer Abschlusserklärung bekräftigten die drei Staatsführer “ihre Entschlossenheit, aktiv in Syrien zu kooperieren, um zu einer dauerhaften Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien zu gelangen”. Konkrete Schritte wurden aber nicht präsentiert. Russland, der Iran und die Türkei sind selbst militärisch in Syrien aktiv, doch setzen sie sich seit Jänner 2017 im sogenannten Astana-Prozess für ein Ende der Kämpfe ein.

Bei den Astana-Gesprächen wurde die Einrichtung von vier Deeskalationszonen vereinbart, in denen eine Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen gelten soll. Allerdings wurden diese Waffenruhen kaum eingehalten und in der Deeskalationszone in Ost-Ghouta sind die Rebellen nach einer wochenlangen Offensive der Regierungstruppen zum Abzug gezwungen.

Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Mittwoch meldete, wurde die am Montag begonnene Evakuierung der letzten Rebellenbastion in Ost-Ghouta fortgesetzt. Zwei Busse mit Kämpfern der Rebellengruppe Jaish al-Islam und ihren Angehörigen hätten die Stadt Duma in Richtung der Stadt Jarablus an der Grenze zur Türkei verlassen, berichtete Sana.

Die Gespräche zwischen der Türkei, dem Iran und Russland finden parallel zu den Friedensverhandlungen in Genf statt, die von der UNO organisiert werden. Erdogan, Rouhani und Putin bezeichneten den Astana-Prozess nun als “die einzige effektive internationale Initiative” zur Reduzierung der Gewalt in Syrien, die zudem den Genfer Gesprächen neuen Schwung verliehen habe.

Putin forderte die internationale Gemeinschaft auf, Syrien mehr Hilfe zu leisten. “Kaum jemand tut etwas außer dem Iran, der Türkei und Russland”, kritisierte der russische Präsident, dessen Streitkräfte seit Jahren mit den syrischen Regierungstruppen die Hochburgen der Rebellen belagern und Hilfslieferungen blockieren.

Erdogan betonte, die Türkei werde nicht anhalten, bevor Manbij und andere von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrollierte Gebiete in Nordsyrien “sicher” seien. “Die Türkei kann keinen Frieden finden, bevor Syrien Frieden findet”, sagte Erdogan, der im Jänner eine Militäroffensive gestartet hatte, um die YPG aus der nordsyrischen Region Afrin zu vertreiben.

Rouhani erklärte, der Kampf gegen “Terroristen” müsse andauern und alle Überbleibsel der Terrorgruppen müssten aus Syrien vertrieben werden. “Kein Land hat das Recht, Entscheidungen über die Zukunft Syriens zu fällen. Die Zukunft Syriens gehört dem syrischen Volk”, sagte Rouhani, dessen Land Machthaber Bashar al-Assad seit Beginn des Aufstands 2011 militärisch unterstützt.

Der Dreier-Gipfel in Ankara war das zweite derartige Spitzentreffen zu Syrien nach einem Gipfel am 22. November im südrussischen Sotschi. Wie Erdogan, Putin und Rouhani ankündigten, soll der nächste Syrien-Gipfel in Teheran stattfinden. Ein Datum dazu wurde nicht genannt. Im Syrien-Konflikt sind seit 2011 rund 350.000 Menschen getötet worden. Alle Bemühungen zur Beendigung des Blutvergießens waren bisher erfolglos.

Das Weiße Haus kündigte unterdessen ein “rasches Ende” des US-Militäreinsatzes in Syrien an. Sprecherin Sarah Sanders machte am Mittwoch in einer Erklärung aber auch deutlich, dass der Abzug nicht sofort erfolgen werde. Die USA blieben zusammen mit ihren Verbündeten dem Ziel verpflichtet, die verbliebene “niedrige Präsenz” von Jihadisten der Miliz “Islamischer Staat” (IS) zu vernichten, erklärte sie. Die Jihadistenorganisation sei in dem Land bereits jetzt “fast völlig vernichtet”, erklärte Sanders. Angaben zu dem Zeitplan für den US-Truppenabzug machte sie aber nicht.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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16 Kommentare auf "Russland, Iran und Türkei wollen Waffenruhe in Syrien"


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lord schnee
lord schnee
Tratscher
15 Tage 5 h

drei männer entscheiden also darüber wie es in syrien weiter gehen soll. da fehlt doch einer? die rebellen, welche auch immer, werden nicht besiegt, sie ziehen in die nächste stadt, in der schon binnenflüchtlinge gestrandet sind, und das drama geht weiter. der is ist wieder einmal besiegt, aber wohl eher untergetaucht. und die drei hohen herren verfolgen ihre eigenen interessen.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
14 Tage 16 h

Die Rebellen?? Welche Rebellen oder doch terroristen. In Spanien ist es Hochverrat und du wirst weggesperrt.

lord schnee
lord schnee
Tratscher
14 Tage 12 h

@Mistermah du weißt es wie ich auch: rebellen oder terroristen ist einfach nur eine frage der perpektive und der geschichte.

typisch
typisch
Universalgelehrter
14 Tage 11 h

die rebellen oder is gehören dann zu amerika und nato

enkedu
enkedu
Kinig
14 Tage 14 Sek

das ist doch etwas komplexer. die rebellen wurden von uns unterstützt und haben verloren. das sind viele stämme. die kurden machen weiter wie bisher. Is zieht sich zurück in Sunnitenländer.

zombie1969
zombie1969
Superredner
15 Tage 12 h

Wie geht es nun weiter in Syrien? Woraus können die Menschen dort nun Hoffnung schöpfen? Was hat der Krieg geändert, ausser dass es unsägliches Leid und zerstörte Landesteile gibt und sich die Menschen nun noch mehr hassen, weil die “Fronten” kaum erkennbar waren und noch sind?

enkedu
enkedu
Kinig
15 Tage 11 h

Dass die Sunniten gar nicht gewinnen konnten, dürfte unseren Stümpern wohl hoffentlich jetzt klar sein.

witschi
witschi
Universalgelehrter
14 Tage 18 h

fein, dann dürfen alle flüchtlinge endlich wieder nach hause

felixklaus
felixklaus
Grünschnabel
14 Tage 7 h

Dann geh mit , damit du nachher wieder zufrieden bist bei uns hier bist , und vielleich einmal nachdenkst !

Kropfli
Kropfli
Grünschnabel
14 Tage 17 h

USA zieht vom Schlachtfeld ab und schon bahnt sich ein Ende des Krieges an. So einfach wäre es schon immer gewesen.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
14 Tage 16 h

Das Bild spricht Bände.
Wie ich schon in einem anderen Zusammenhang erwähnt habe. Ein NATO Mitglied in gemeinsamer Sache mit 2 Erzfeinden!

denkbar
denkbar
Kinig
13 Tage 21 h

Putin, Rohani und Erdogan verteilen sich die Beute, während Trumps Kamikazepolitik ein diplomatisches Vakuum hinterlässt. Baschar al-Assad wird’s freuen. Ob es die Menschen dort und jene die gerne in ihre Heimat zurückkehren möchten freut, stelle ich in Frage.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
13 Tage 19 h

Welche Beute? Ein zerstörtes Land? Assad wird an der Macht bleiben und Syrien ein einheitlicher Staat. Das Ziel des Westens bzw Usa und co Assad zu stürzen und Syrien aufzuteilen ist gescheitert. Trotzdem toll das du Trump jetzt für ein vor 5 Jahren begonnenen krieg schuld gibst. Und was für ein machtvakuum meinst du? Im Gegensatz zu Lybien, irak und Afghanistan bleibt in Syrien die Regierung bestehen und wird wieder für Ordnung sorgen und hoffentlich wird es wieder ein blühendes Land, von dem mir einige Syrier erzählt haben.

Paul
Paul
Superredner
14 Tage 16 h

des sein die Richtigen

enkedu
enkedu
Kinig
15 Tage 12 h

nach dem Sieg?

Pork
Pork
Tratscher
13 Tage 21 h

Über die Islamisten?
Hoffentlich!

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