Bewohner des vom Aggressor zerstörten Gebiets

Russland: Neue Evakuierungen aus ukrainischen Städten

Mittwoch, 09. März 2022 | 05:23 Uhr

Russland will zur Rettung von Zivilisten aus umkämpften Städten in der Ukraine erneut Fluchtkorridore schaffen. Dazu solle am Mittwoch um 8.00 Uhr MEZ eine Waffenruhe in Kraft treten, teilte Generaloberst Michail Misinzew vom russischen Verteidigungsministerium am Dienstagabend der Agentur Interfax zufolge mit. Moskau erkläre sich dazu bereit. Es gab bereits mehrere Anläufe für Evakuierungen, die in den meisten Fällen gescheitert waren.

Man wolle bis 1.00 Uhr MEZ der ukrainischen Seite Zeit geben, die humanitären Korridore zu koordinieren, heiß es aus Moskau. Aus der Ukraine gab es dazu zunächst keine Reaktion. Dem russischen Verteidigungsministerium zufolge bietet Moskau an, Menschen aus den Städten Kiew, Sumy, Charkiw, Mariupol und Tschernihiw nach Russland oder in andere ukrainische Städte zu bringen. Kiew hat es bisher abgelehnt, Ukrainer in das Nachbarland Russland zu evakuieren.

Auch am Dienstag hatte Russland eine Feuerpause in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine verkündet und die Einrichtung von humanitären Korridoren aus fünf belagerten Großstädten bekanntgegeben. Nur in der nordostukrainischen Stadt Sumy funktionierte der Fluchtkorridor allerdings. Eine Evakuierungsroute für die belagerte Hafenstadt Mariupol wurde von russischen Streitkräften unter Beschuss genommen.

Aus Sumy wurden am Dienstag die ersten Zivilisten gebracht worden. “Der erste Konvoi von 22 Bussen ist bereits in Poltawa angekommen”, erklärte ein Kiewer Regierungsbeamter am Abend. Poltawa liegt rund 175 Kilometer südlich von Sumy. Dort seien die Menschen “in Sicherheit”, sagte der Beamte. Nach Angaben aus Kiew war am Abend eine zweite Gruppe von 39 Bussen auf dem Weg nach Poltawa.

Nach Angaben des stellvertretenden Leiters des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, wurden am Dienstag aus Sumy im Laufe des Tages zwei Kolonnen mit insgesamt 61 Bussen in Richtung Poltawa gefahren. Unter den Passagieren waren etwa 1.100 ausländische Studenten, darunter aus Indien und China. Für eine weitere Evakuierung ins westukrainische Lwiw nahe der polnischen Grenze stünden Züge bereit.

Zuvor starben in Sumy bei russischen Angriffen in der Nacht nach Behördenangaben mindestens 21 Menschen, darunter zwei Kinder. Sumy liegt nur etwa 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Seit Tagen wird die Stadt von russischen Truppen angegriffen.

Für andere eingeschlossene Städte wie Mariupol oder Wolnowacha in der Ostukraine scheiterten in den vergangenen Tagen mehrere Versuche zur Einrichtung eines derartigen “grünen Korridors”. Beide Seiten warfen sich gegenseitig Sabotage vor. Angaben über russische Angriffe auf flüchtende Menschen entsprechen aus Sicht der NATO der Wahrheit. “Es gibt sehr glaubwürdige Berichte, dass Zivilisten bei der Evakuierung unter Beschuss geraten”, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Russland hatte das Nachbarland Ukraine am 24. Februar angegriffen. UNO-Angaben zufolge wurden mehr als 400 Zivilisten getötet. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht.

Für Hunderttausende Menschen in Mariupol ist die Lage nach Angaben humanitärer Helfer katastrophal. “Die Situation ist apokalyptisch”, sagte IKRK-Sprecher Ewan Watson am Dienstag in Genf. In der Stadt gingen alle Vorräte zur Neige. Das IKRK habe sämtliche Bestände ausgeliefert und versuche, auf allen möglichen Wegen Nachschub ins Land zu bringen. Aus Sicht des Roten Kreuzes ist derzeit keine sichere Flucht aus Mariupol möglich.

Die Ukraine macht Russland für den qualvollen Tod eines kleines Mädchens in Mariupol verantwortlich. Die sechsjährige Tanja sei unter den Trümmern eines zerstörten Hauses verdurstet, schrieb Bürgermeister Wadym Bojtschenko am Dienstag im Nachrichtenkanal Telegram.

Das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte hat seit dem russischen Angriff bis Dienstag 474 getötete Zivilisten dokumentiert. Darunter waren 29 Minderjährige, wie das Büro in Genf berichtete. Dem Büro lagen zudem verifizierte Informationen über 861 Verletzte vor, darunter mehr als 40 Minderjährige. Die tatsächliche Zahlen dürfte deutlich höher sein. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchten oft Tage, um Opferzahlen zu überprüfen. Das Hochkommissariat gibt nur Todes- und Verletztenzahlen bekannt, die es selbst unabhängig überprüft hat.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine einen besseren Schutz für Krankenhäuser. “Es versteht sich von selbst, dass Gesundheitspersonal, Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen niemals zu einem Ziel werden dürfen, auch nicht während Krisen und Konflikten”, sagte Europa-Regionaldirektor Hans Kluge am Dienstag in Kopenhagen. Bisher seien 16 Berichte über Attacken auf das Gesundheitswesen bestätigt worden. Weitere würden überprüft, so Kluge: “Die WHO verurteilt diese Angriffe auf das Schärfste.”

Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine könnte UNO-Angaben zufolge demnächst die Schwelle von zwei Millionen überschreiten. “Ich denke, dass wir heute oder spätestens morgen die Zwei-Millionen-Marke überschreiten werden. Es hört also nicht auf”, sagte der Chef des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR), Filippo Grandi, am Dienstag in Oslo.

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Kommentare
Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Sigo70
Sigo70
Superredner
2 Monate 18 Tage

Zur Info, was vielleicht nicht immer wahrgenommen wird:
” Fast 90 % der Bewohner Mariupols gaben 2001 Russisch als Muttersprache an, knapp 10 % haben Ukrainisch als Muttersprache”

https://de.wikipedia.org/wiki/Mariupol

honga
honga
Tratscher
2 Monate 18 Tage

und? pa ins redn di leit a groassteils deitsch. schiassn di ösis deswegn boazn zomm? zur info, was vielleicht nicht immer wahrgenommen wird: na.

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
2 Monate 18 Tage

@sigo:
Ja, und viele haben auch Verwandte in Russland, aber was ändert das daran dass die Zivilbevölkerung ohne Rücksicht auf Verluste bombardiert wird? Die Ukraine ist seit Jahrzehnten ein unabhängiger Staat mit demokratischen freien Wahlen, in den 90er Jahren befürwortete eine Mehrheit von über 90% den Austritt aus der Sowietunion, glaubst du die Menschen die da in den zerbombten Häusern ohne Strom und Wasser sitzen freuen sich dass die Russen kommen?

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Tratscher
2 Monate 18 Tage

@Sigo: es ist nicht allein die Sprache, die über das Zugehörigkeitsgefühl entscheidet. Selbst nur russischsprachige Bewohner fühlen sich als Ukrainer und nicht als Russen. Österreicher fühlen sich auch nicht als Bundesdeutsche, nur weil sie die gleiche Sprache sprechen. Das erklärt auch den massiven Widerstand der ukrainischen Bevölkerung (einschließlich der russischsprachigen) gegenüber der russischen Invasion. Putin hatte wohl einen ähnlichen Denkfehler begangen.

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
2 Monate 18 Tage

darf man sie deshalb umbringen, versteh Dein Argument nicht

Goennenihrwichtigtuer
2 Monate 18 Tage

Danke für die info… Sags den bomben vlt unterscheiden die ja mittlerweile… 🙈🤷‍♂️ P. S. Sag solche statistiken als südtiroler dann mal besser nicht den ösis oder deutschen…

Zugspitze947
2 Monate 18 Tage

Sigo70: Das hat doch nichts zu sagen ! Sie wollen die FREIHEIT vom Russischen Joch ,so wie Viele Südtiroler obwohl sie gezwungenermassen Italienisch sprechen…. 🙁

Zugspitze947
2 Monate 18 Tage

Selbsbewertung: sehr gut DANKE 🙂

Sag mal
Sag mal
Kinig
2 Monate 18 Tage

@Selbstbewertung Es fühlen Sich auch Südtiroler als Österreicher.Manche leugnen und leugneten das auch aus Angst.

Chrys
Chrys
Universalgelehrter
2 Monate 18 Tage

@ Sigo70

wenn ihre Interpretation korrekt wäre, wer verteidigt dann die Stadt. Dann gäbe es eine Revolution.
Interessant zu wissen wäre auch was jetzt die Bürger der beiden Autonomen Staaten Donbass und Luhansk von der jetzigen Situation denken. Jetzt wo sie alle befreit sind vom Joch der Nazis.

Italo
Italo
Superredner
2 Monate 18 Tage

@Zugspitze947 na hosch du Probleme🙏

Offline1
Offline1
Kinig
2 Monate 18 Tage

@Sigo70….Dann werden ja die EIGENEN Leute beschossen🙈…

Sigo70
Sigo70
Superredner
2 Monate 18 Tage

@Offline1 wer beschießt die Leute?

Sigo70
Sigo70
Superredner
2 Monate 18 Tage

@Chrys die Frage ist wer hat kein Interesse daran die Zivilbevölkerung zu Evakuierung?

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 17 Tage

@Selbstbewertung Trotzdem darf an den Umstand nicht ausser acht lassen. Denn ohne hier hetzen zu wollen, schau dir an wie viele Südtiroler sich um Grunde nicht Italien zugehörig fühlen. Los von Rom Bestrebungen, vin den Geschehnissen in den 60 igern gar nicht zu reden.
Es gab Zustimmung, 90% weg von Russland aber ob Diese im Donbass auch so hoch war?
Will nichts beschönigen aber so einfach ist es nicht!

Zugspitze947
2 Monate 17 Tage

Sagmal: ich habe mich NIE als Österreicher, sondern als DEUTSCHER empfunden ! 🙂

Sag mal
Sag mal
Kinig
2 Monate 17 Tage

@Zugspitze947 gut dass ich dass jetzt auch weiss.Daumen hoch von mir.

Staenkerer
2 Monate 18 Tage

und wohin führn de fluchtkorridore de die russn für de ormen leit geöffnet hobn? kerzngrod in de höhle des löwen? sprich noch russlond und damit in de unterdrückung?

Hustinettenbaer
2 Monate 18 Tage

+++ … Am Sonntag hätten IKRK-Mitarbeiter zum Beispiel versucht, Mariupol auf einer vereinbarten Route zu verlassen und dann jedoch festgestellt, dass die „ihnen angezeigte Straße eigentlich vermint war“.

https://www.fr.de/politik/nato-europa-ukraine-krieg-russland-reaktionen-ukraine-news-konflikt-putin-china-eu-zr-91383263.html

pfaelzerwald
2 Monate 18 Tage

@staenkerer
man stelle sich vor: Die Ukrainer “flüchten” nach Russland oder Belarus durch die “Fluchtkorridore”. Wie passend wäre das für die Berichterstattung im russischen Fernsehen?

Zugspitze947
2 Monate 18 Tage

pfealzerwald: zusätzlich würden sicher ALLE die mal was gegen den Mörder Piutin oder Lukaschenke zB. in fb geschrieben haben verhaftet ! Diese Routen taugen NICHTS ! :_(

Frank
Frank
Universalgelehrter
2 Monate 17 Tage
@Hustinettenbaer Die Frage ist, wer diese Minen gelegt hat, wem sie gelten. Üblich im militärischen Sinn sind sie ja vorrangig, um Angreifern das Vorrücken zu erschweren und unter ihnen großen Schaden zu erreichen. Vor dem Gesichtspunkt stellt sich dann die nächste Frage. Gestern gingen Videos um die Welt, die Zivilisten beim mühsamen Überqueren eines Flusses unter einer zerstörten Brücke zeigen, SN betitelt Heute ein Bild aus diesem Video mit “Bewohner des vom Aggressor zerstörten Gebiets”. So weit, so ungut. Aber denkt man etwa eine Woche zurück, erinnert man sich an die Meldung hier, daß die ukrainische Armee begonnen hat, alle… Weiterlesen »
Frank
Frank
Universalgelehrter
2 Monate 17 Tage

Fortsetzung:

Feststellbar ist auf jeden Fall, es ist ein Krieg der Bilder, ein Propagandakrieg, und das offensichtlich nicht nur einseitig. Man muß nur an das schreckliche Vorkommnis auf der Brücke kürzlich denken. Im Artikel wird von einer Mörsergranate (ein antriebsloses Geschoß mit ballistischer Flugbahn), im eingebetteten Video kommt aber, sehr offensichtlich, eine Panzerabwehrrakete und schlägt ein.

Genau deshalb bin ich grundsätzlich skeptisch, Alles per se zu glauben, was man vorgesetzt bekommt und suche immer in allen verfügbaren Quellen nach Bestätigung oder Widerlegung. Und oft genug werden Fragen auf Grund einseitiger Berichterstattung nicht beantwortet.

Dagobert
Dagobert
Kinig
2 Monate 18 Tage

Der Selenskyj isch lei zu bewundern! Hut ab vor so viel Mut👍
Und der kleine Despot verkriecht sich in einen zu 100% sicheren Bunker!

Staenkerer
2 Monate 18 Tage

laut ntv hot er seine junge freundin samt seine kinder in der schweiz versteckt!
wenn des stimmt woaß man wos man von der schweiz zu holtn hot!

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 17 Tage

@Staenkerer Schin aufgefallen? Schweiz ust neutral und wer begeht diese Taten , Putin oder seine Familie. Also ein bischen am Boden bleiben denn wenn man so denken würde, müsstest du jeden Russen der für Putin ist, aus Europa ausweisen! Und da gibt es Einige!
Sippenhaft gabs mal… Google hilft dir da auf die Sprünge!

Unioner
Unioner
Tratscher
2 Monate 18 Tage

Da bekommt der Begriff militärische Spezialoperation zur Entmilitarisierung und Entnazifizierung eine völlig andere Bedeutung. Wer Flüchtlinge beschiesst und die Wege vermint ist kein Spezialist sondern ein feiger hinterhältiger Mörder und der so etwas befiehlt ein Kriegsverbrecher.

Frank
Frank
Universalgelehrter
2 Monate 16 Tage

Dann nehmen wir mal an, die Minen (typischerweise Verteidigungswaffen) wurden vielleicht von der ukrainischen Armee gelegt, um Zufahrten zu blockieren, und spinnen den Faden dann weiter …

Klingt es logisch, daß eine angreifende Armee ihre eigenen Marschwege erst vermint, um sie dann aufwändig wieder zu räumen? Nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich.

Da bislang nirgends zu lesen ist, von wem die Minen stammen, sollte man vielleicht mit Urteilen vorsichtig sein.

Keschtnbrouta Paule
2 Monate 18 Tage

Putin isch schon schlimma als do Dragon…

schlex
schlex
Tratscher
2 Monate 18 Tage

wer ist Dragon?

Faktenchecker
2 Monate 18 Tage

Putlerhitlin…

faif
faif
Superredner
2 Monate 18 Tage

…so wiea das bis jetzt aussieht wird putinrussland immer mehr zum verlierer, leider auf kosten der Ukraine und den viele Opfern beider seiten!

Zugspitze947
2 Monate 17 Tage

faif: so ist es leider ! Aber wenes eine Gerechtigkeit gibt wird Mörder Putin diesen Krieg verlieren und Russland wird Reparationen zahlen müssen bis die Ukraine wieder aufgebaut ist ! Italias Mussolinikrieg in Äthiopien lässt grüßen,denn die zahlen auch immer noch 30 Cent je Liter verkauften Sprit 🙁

wpDiscuz