Der Staatschef will den Soldaten beistehen

Russland verlegt Kriegsschiffe, Selenskyj reist an die Front

Donnerstag, 08. April 2021 | 22:24 Uhr

Russland verlegt einem Medienbericht zufolge mehrere Artillerie- und Landungsschiffe vom Kaspischen ins Schwarze Meer, an dem unter anderem die Ukraine liegt. Dort sollen sie an Übungen teilnehmen, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag. Die Regierung in Kiew wirft Russland vor, seit Wochen Truppen an der Grenze zur Ukraine zu verstärken. Unterdessen besucht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Frontlinie im Osten des Landes.

Separatisten sollen Angriffe auf die ukrainische Armee an der Demarkationslinie verstärkt haben. Russland unterstützt diese Milizen militärisch. Westliche Staaten und die NATO haben sich besorgt geäußert über die Entwicklung. Russlands Schwarzmeerflotte hat ihren Hauptstützpunkt auf der Halbinsel Krim, die das Land 2014 von der Ukraine annektierte.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte in einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin einen Abbau der verstärkten russischen Militärpräsenz im Umfeld der Ostukraine. Ziel sei laut Berlin eine Deeskalation der Lage. Der Kreml erklärte, Merkel und Putin hätten die Konfliktparteien zur Zurückhaltung aufgerufen. Nawalny. Russischen Angaben zufolge zeigten sich Merkel und Putin besorgt über die Lage in der Ostukraine.

Putin sprach nach Kremlangaben von “provokativen Handlungen” der Ukraine, die in jüngster Zeit die Situation entlang der Front verschärft hätten. Die Regierung in Kiew müsse die zuvor getroffenen Vereinbarungen “strikt einhalten”. Dazu gehören ein direkter Dialog mit den Separatisten in den Gebieten Luhansk und Donezk und ein Autonomiestatus für die Region. Beides wird jedoch von der ukrainischen Seite abgelehnt.

Selenskyj kündigte für Donnerstag einen Besuch im Osten der Ukraine an, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen. Er plant laut Präsidentenbüro, zu Stellungen zu fahren, wo der Waffenstillstand “in den vergangenen Tagen systematisch verletzt wurde”. So wolle er “den Kampfgeist” der Armee stärken. Selenskyj schrieb auf Twitter, er wolle am Ort der “Eskalation” mit den Soldaten sein.

Donnerstagfrüh war ein weiterer ukrainischer Soldat bei einem Beschuss durch pro-russische Kämpfer getötet worden, wie die Armee mitteilte. Damit stieg die Zahl der seit Jahresbeginn getöteten Armeeangehörigen auf 25. Seit Mitte Februar gibt es wieder verstärkt Kämpfe zwischen den Separatisten und der Regierungsarmee in der Ost-Ukraine.

In dem seit 2014 andauernden Konflikt mit pro-russischen Separatisten in der Ost-Ukraine wurden mehr als 13.000 Menschen getötet. Im Juli vergangenen Jahres hatten sich die Konfliktparteien auf einen Waffenstillstand geeinigt, der jedoch seither immer wieder gebrochen wurde.

In den vergangenen Tagen wuchs nach Berichten über russische und ukrainische Truppenaufmärsche entlang des Konfliktgebiets und wegen Verstößen gegen eine Waffenruhe international die Sorge, dass der Konflikt erneut eskalieren könnte.

Russland sieht in dem Vorgehen Kiews der vergangenen Tage “ein Ringen um internationale Aufmerksamkeit”. “Das sind wahrscheinlich nur PR-Handlungen”, sagte der russische Chefunterhändler bei der Lösung des Ukraine-Konflikts, Dmitri Kosak, der Agentur Interfax zufolge. Reale Absichten, einen großflächigen Krieg zu entfachen, gebe es aber wohl nicht.

Der Vertraute von Kremlchef Putin warnte Selenskyj zudem mit deutlichen Worten: “Der Beginn von Kämpfen wird der Beginn vom Ende der Ukraine sein.” Wenn Kinder mit Streichhölzern spielten, sei schwer vorherzusagen, was passiere. Russland könne sich zu einem Eingreifen gezwungen sehen, um die Menschen im Donbass zu schützen. Russland gewährt trotz internationalem Protest Bewohnern der ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk die russische Staatsbürgerschaft.

“Wir erinnern uns an jeden Kämpfer, der bei der Verteidigung unseres Staates gefallen ist”, sagte Selenskyj an der Front. Zeichen der Deeskalation gab der Präsident nicht. Er besuchte stattdessen eine Soldatenkantine und lobte die “hohe Qualität der Speisen”. Selenskyj hatte im Wahlkampf 2019 noch versprochen, den Konflikt zu beenden.

Nach Angaben aus Moskau zeigten sich Putin und Merkel besorgt über die Lage. Die Verhandlungen müssten deshalb verstärkt werden, damit der 2015 vereinbarte Friedensplan “als unbestrittene Grundlage” für ein Ende des Konflikts vollständig umgesetzt werde.

Putin gab Kiew die Schuld für die “provokativen Handlungen”, mit der die Lage entlang der Front verschärft worden sei. Die Ukraine müsse die zuvor getroffenen Vereinbarungen “strikt einhalten”. Dazu gehören ein direkter Dialog mit den Separatisten in den Gebieten Luhansk und Donezk und ein Autonomiestatus für die Region. Beides lehnt jedoch die ukrainische Seite vehement ab.

Der russische Chefunterhändler Kosak kündigte unterdessen neue Gespräche auf Beraterebene zwischen Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine noch in diesem Monat an. Berlin und Paris versuchen seit Jahren, den Konflikt diplomatisch zu lösen.

Von: APA/AFP/Reuters/dpa

Kommentare

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23 Kommentare auf "Russland verlegt Kriegsschiffe, Selenskyj reist an die Front"


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Look_at_Yourself
3 Tage 1 h

Russland hat einmal die Sicherheit der Ukraine garantiert.
Man sieht, was russische Garantien wert sind.
Mit dem Papier kann sich die Ukraine den …….. abwischen.

Piefke-NRW
Piefke-NRW
Superredner
2 Tage 20 h

Russland hat der maroden Ukraine sogar noch Gas geliefert, obwohl die zahlungsunfähig waren. RUS ist sehr zuverlässig.

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
2 Tage 19 h

Look atYourself@ wer hat die Ukraine destabiliesiert,eine demokratisch.gewählte Regierung gestürzt und Separatisten aufgestachelt?
Der sogenannte demokratische Westen!
So wie halt überall auf der Welt wo Coca Cola nicht das Nationalgetränk ist.

Faktenchecker
2 Tage 17 h

Nationalgetränke?

Look_at_Yourself
10 h 11 Min

@Supergscheider
Der sogenannte demokratische Westen?
Woher wissen Sie das?
Waren sie dabei?
Nach allem was man weiß, könnnen zumindest die Schüsse auf Demonstranten in Kiew von Russland beauftragt worden sein.
Die Separatisten wurden definitiv von Russland ausgebildet, mit Waffen versorgt und aufgestachelt.
Damit hat der demokratische Westen nichts zu tun.
Wer hat den einen Vorteil von den instabielen Verhältnissen in der Ukraine?
Nur Russland. Putin verhindert dadurch sehr effektiv eine Annäherung der Ukraine an den Westen und einen Eintritt in die NATO.
Die NATO nimmt nur Länder auf, die aktuell keinen Krieg oder Bürgerkrieg führen.

Doolin
Doolin
Superredner
3 Tage 3 h

…Putin macht Invasion in Ukraine…

DontbealooserbeaSchmuser
2 Tage 22 h

Doolin macht Kommentar in Internetz 🤪

Chrys
Chrys
Tratscher
2 Tage 21 h
Ja Russland muss auf der ganzen Welt seine “Bürger” schützen.  In Georgien hat man zuerst aus Abchasien alle Georgier rausgeworfen und dann Abchasien annektiert. Anschließend hat man aus Obsetien alle Georgier rausgeworfen und dann annektiert.  Gleiches war dann auf der Halbinsel Krim und wird nunmehr in der Ostukraine auch passieren.  Warten wir es ab wann es in Moldawien so weit sein wird. In Syrien bombardieren sie auf Teufel komm heraus.  Es hat eben keiner eine Lust Putin Einhalt zu bieten. Es ist ja immer alles so weit von uns entfernt.  Die Chinesen haben es mit Hongkong so gemacht und bald… Weiterlesen »
Piefke-NRW
Piefke-NRW
Superredner
2 Tage 20 h

Genau darum geht’s. Die Ukraine wollte in der russisch sprachigen Ost-Ukraine alles Russische ausmerzen. Analog dazu wenn das Rom in Südtirol auf einmal mit dem Deutschen machen wollte. Tja, dann hilft Österreich oder Deutschland. Nichts anderes passiert im Donbass.

Teto
Teto
Neuling
2 Tage 20 h

@Chrys
Wer wurde aus der Krim herausgeworfen? Wer unterhält in Syrien in Idleb islamistische Milizen und schickt sie nach Bedarf als Söldner in alle Welt? Und die EU regt sich auf, dass die von der Leyen keinen Sessel hatte! Was für Prioritäten!

brunner
brunner
Universalgelehrter
2 Tage 23 h

Für Putin ist das, was Merkel sagt, sowieso irrelevant…..geradezu lächerlich……was meldet sich überhaupt Deutschland? Jahrelang die eigene Armee zu Tode gespart und jetzt gross auf Weltmacht spielen…

Jo73
Jo73
Superredner
2 Tage 3 h

@brunner: brunner, Sie wollen es wohl auch nicht verstehen oder sind sie mit Ihrer generellen Deutschland-Ablehnung .. die in allen Ihrer Kommentare zum Vorschein kommt – so verblendet?
Bei Allem Verständnis für eine Abneigung gegenüber mancher EU Entscheidungen: Ich kanns nicht im entferntesten nachvollziehen, wie man auch nur einen kleinen Sympathiewert für Russland und sein korruptes sozialistisches bzw, kommunistisches System übrig haben kann? Da wird feste auf die Eu gehauen, anscheinend macht Russland aus Ihrer Sicht alles richtig.
Wachen Sie endlich mal auf.

DontbealooserbeaSchmuser
2 Tage 22 h

Kann Russland nicht einfach die Ukraine übernehmen und gut ist?

Piefke-NRW
Piefke-NRW
Superredner
2 Tage 20 h

Was will Russland denn mit der UA? Die Bergwerke sind ja schon in Ami-Hand.

Hupsstupspups
Hupsstupspups
Grünschnabel
2 Tage 18 h

Warum drängt die Biden-Administration die Ukraine, Russland anzugreifen?

Faktenchecker
2 Tage 17 h

Teto
Teto
Neuling
2 Tage 4 h

@Faktenchecker
‘Faktenchecker’ ist anscheinend gegen Fakten allergisch, deswegen geht’s jetzt los mit ad hominem…

Faktenchecker
3 Tage 51 Min

https://pbs.twimg.com/media/ERIPhl-W4AA0Dbk?format=jpg&name=small

Da ist schon einiges in der Vorbereitung. Wir sollten uns auf Flüchtlinge einstellen.

Faktenchecker
2 Tage 20 h
eisern
eisern
Tratscher
2 Tage 18 h

Der vergessene Krieg in der Ostukraine. Das Russland die Ukraine als großes Problem sieht ist geschichtlich nachvollziehbar. Die USA hatten auch Probleme mit Kuba. Keine Großmacht duldet an seiner Grenze Konkurrenz .

Teto
Teto
Neuling
2 Tage 20 h

Dmitri Kozak (Deputy Chief of Staff von Putin heute):
The initiation of hostilities in Donbass by Kiev will be the end of Ukraine.

Also Leitln, de wos do so entrüstet sein do, tiats nit die Propaganda aufsaugen wia der Schwomm es Wasser und a so, wia es es nit erworten kannets dass es die ‘Russen’ ‘hoamgezohlt’ wert, weil Europa konn lei verliarn wenn gschossn wert!

Peerion
Peerion
Tratscher
2 Tage 41 Min
Für eine Lösung dieses Konflikt scheint es keine Lösung zu geben, zumindest nicht militärisch. Was die russische Führung im Moment plant, kann man nur vermuten. Für Russland ist sehr wichtig, dass die Ukraine keine Nato-Mitgliedschaft erlangt und deshalb hilft es den Konfliktzustand leicht am Köcheln zu halten. Vielleicht fühlt sich Russland einfach von der Osterweiterung der Nato bedroht und vielleicht will man auch gar nicht mit den Russen diese Fragen klären, sonst hätte man den Konflikt längst beilegen können. Wie immer zahlen den Preis für das Kräftespiel die einfachen Menschen deren Heimat seit sieben Jahren stellvertretender Kriegsschauplatz zwischen West und… Weiterlesen »
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