Allein in den vergangenen Tagen starben fast 150 Menschen in Aleppo

Russland verspricht Rebellen in Aleppo sicheren Rückzug

Donnerstag, 13. Oktober 2016 | 17:51 Uhr

Russland hat den Rebellen im Osten der syrischen Metropole Aleppo ein sicheres Geleit versprochen. “Wir sind bereit, einen sicheren Rückzug der bewaffneten Rebellen und einen freien Zugang für Zivilisten von und nach Ost-Aleppo sicherzustellen”, sagte der russische General Sergej Rudskoj am Donnerstag in Moskau. Zuvor wurde Aleppo erneut aus der Luft angegriffen.

Auch humanitäre Hilfslieferungen würden ermöglicht. Russland sei außerdem bereit, “alle Initiativen und Vorschläge” anzuhören, um einen sicheren Rückzug der bewaffneten Aufständischen tatsächlich zu ermöglichen, fügte Rudskoj bei der im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz hinzu.

Zuvor wurde Aleppo wieder zum Ziel heftiger Luftangriffe. Zwei Tage vor den neuen Gesprächen der USA und Russlands über eine Waffenruhe in Syrien sollen syrische und russische Kampfflugzeuge in der Früh mehr als 20 Angriffe auf den von Rebellen kontrollierten Ostteil der Stadt geflogen sein, meldete die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Im Nordosten Aleppos hätten die Regierungstruppen zudem ihren Vormarsch fortgesetzt. Seit der Wiederaufnahme von Luftangriffen am Dienstag sind in Aleppo nach Angaben des Zivilschutzes 145 Menschen getötet worden. Die Bombardements seien sehr heftig gewesen, sagte Zivilschutz-Chef Ammar al-Selmo am Donnerstag.

Wie das syrische Staatsfernsehen berichtete, wurden in einem von der Armee kontrollierten Stadtviertel am Donnerstag vier Kinder getötet. Ihre Schule war demnach von einer Rakete der Rebellen getroffen worden.

Die russische und die syrische Luftwaffe fliegen seit dem 22. September massive Luftangriffe auf Aleppo. Die syrischen Regierungstruppen wollen mit ihrer Großoffensive die seit vier Jahren zwischen Regierung und Rebellen geteilte Großstadt vollständig unter ihre Kontrolle bringen.

Nach dem Abbruch der Gespräche über eine Waffenruhe in Syrien wollen Russland und die USA am Samstag ihre direkten Gespräche wieder aufnehmen. An dem Treffen in Lausanne nehmen unter anderem der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein US-Kollege John Kerry teil.

Russlands Außenminister Lawrow sprach sich vor den neuen Syrien-Gespräche für den Aleppo-Plan des UNO-Syriengesandten Staffan de Mistura aus. Der Vorschlag, Anhängern der radikalen Al-Nusra-Front den Abzug aus der umkämpften Stadt zu ermöglichen, verdiene eine neue Chance, sagte Lawrow in einem Interview des US-TV-Senders CNN. “Al-Nusra versucht, Zivilisten als menschliche Schutzschilder zu benutzen (…). Al-Nusra kann nicht toleriert werden”, betonte der Minister.

Lawrow nannte als mögliche Teilnehmer der geplanten Verhandlungen in der Schweiz “die Türkei, Saudi-Arabien, Katar, vielleicht” und die USA. “Wir wollen ein Treffen mit Ländern, die direkten Einfluss haben auf das Geschehen – entweder, weil sie vor Ort sind, oder durch Finanzierung oder Waffenlieferungen”, unterstrich der Chefdiplomat. Russland wolle in Lausanne “eine geschäftsmäßige Diskussion – nicht noch eine Debatte wie in der UNO-Generalversammlung”, sagte Lawrow. Bei der jüngsten Generalversammlung hatten Russland und Frankreich eigene Syrien-Resolutionen eingebracht und sich damit blockiert.

Von: APA/dpa/ag.

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