Dichter Wald schützt vor Beobachtern und Beschuss von Artillerie

Russlands Feuerpause lief ab: Explosionen gemeldet

Sonntag, 08. Januar 2023 | 05:07 Uhr

Kurz nach dem offiziellen Ende der von Kremlchef Wladimir Putin deklarierten Feuerpause haben die Behörden der Region rund um die ostukrainische Stadt Charkiw mehrere Explosionen gemeldet. Es gebe bereits ein Todesopfer, teilte Gouverneur Oleh Synehubow am Samstagabend auf Telegram mit. Auch in den Gebieten Poltawa, Dnipropetrowsk, Saporischschja, Luhansk sowie auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim wurde gleich nach 22.00 Uhr MEZ Luftalarm ausgerufen.

“Achtung an die Einwohner von Charkiw und der Region: Bleiben Sie in Schutzräumen. Die Besatzer schlagen wieder zu!”, warnte Synehubow auf Telegram. Russland hatte zuvor auch die Missachtung der selbst auferlegten Feuerpause während des orthodoxen Weihnachtsfests eingeräumt.

Man habe ukrainische Angriffe erwidert, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wertete den Beschuss als neuen Beleg dafür, “wie falsch jegliches Wort ist, das aus Moskau kommt”. Ukrainischen Angaben zufolge starben zwei Zivilisten beim Beschuss der Stadt Bachmut.

“Die Welt konnte heute wieder einmal sehen, wie falsch jegliches Wort ist, das von welcher Ebene in Moskau auch immer kommt”, sagte Selenskyj am Samstagabend in seiner täglichen Videoansprache. “Sie haben irgendwas von einer angeblichen Waffenruhe gesagt. Aber in Wirklichkeit wurden Bachmut und andere ukrainische Positionen wieder von russischen Salven getroffen.”

Nach russischer Darstellung wurden während der Feuerpause nur ukrainische Angriffe erwidert. “Alle Positionen der ukrainischen Armee, von denen aus Beschuss erfolgte, wurden von den russischen Streitkräften durch Erwiderung des Feuers niedergeschlagen”, sagte Ministeriumssprecher Konaschenkow am Samstag.

Kampfhandlungen gab es demnach in den Gebieten Donezk, Cherson und Saporischschja. Ungeachtet dessen erklärte Konaschenkow, Russland halte sich an die selbst auferlegte 36-stündige Feuerpause, die am Samstagabend um 22.00 Uhr MEZ offiziell zu Ende ging.

Selenskyjs Berater Mychailo Podoljak berichtete am Samstag von russischem Beschuss entlang der gesamten Front. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft teilte am Samstag mit, in Bachmut im Donezker Gebiet seien am Freitag durch russischen Beschuss zwei Zivilisten getötet und 13 weitere verletzt worden. Augenzeugen berichteten auch von beständigem Artilleriebeschuss in der Stadt Tschassiw Jar. Der ukrainische Generalstab meldete einen russischen Raketenangriff, binnen 24 Stunden habe die russische Seite zudem 20 Geschosse aus mehreren Raketenwerfern abgefeuert.

Putin hatte die vorübergehende Waffenruhe am Donnerstag angekündigt und mit dem Weihnachtsfest begründet, das viele orthodoxe Christen am 7. Jänner feiern. Die Ukraine lehnte das allerdings als heuchlerische Propaganda-Geste ab und setzte ihre Rückeroberungsversuche fort. Es könne keinen Frieden geben, solange russische Truppen ukrainisches Gebiet besetzt hielten, hieß es aus Kiew.

Auch viele internationale Beobachter bezweifelten von Anfang an, dass die russischen Waffen wirklich konsequent schweigen würden. Nach Einschätzung britischer Geheimdienste gingen die Kämpfe während der orthodoxen Weihnachtszeit sogar auf dem üblichen Niveau weiter.

Im Fokus der Kampfhandlungen steht schon seit Wochen die kleine Stadt Bachmut. Bei deren Belagerung tut sich vor allem die Söldnergruppe Wagner hervor. Deren Gründer Jewgeni Prigoschin begründete den Vorstoß auf die Kleinstadt mit den dortigen riesigen Tunnelsystemen, in denen auch Panzer versteckt werden können. “Das Sahnehäubchen obendrauf ist das Minensystem von Soledar und Bachmut, das eigentlich ein Netz unterirdischer Städte ist”, erklärte Prigoschin am Samstag über Telegram. “Es kann nicht nur eine große Gruppe von Menschen in einer Tiefe von 80 bis 100 Metern aufnehmen, sondern auch Panzer und Schützenpanzer können sich darin bewegen.”

Prigoschin äußerte sich, nachdem Vermutungen laut geworden waren, Prigoschin dränge aus kommerziellen Gründen auf die Einnahme Bachmuts und seiner Salz- und Gipsminen. Militärexperten zufolge steht der große militärische Aufwand bei der Belagerung der Stadt in keiner Relation zu ihrer vergleichsweise geringen strategischen Bedeutung.

Eine der am härtesten umkämpften Gegenden sei weiterhin jene um die Stadt Kreminna in der Region Luhansk, hieß es am Samstag im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums. “In den vergangenen drei Wochen haben sich die Kämpfe rund um Kreminna auf das dicht bewaldete Gebiet westlich der Stadt konzentriert.” Da die Wälder selbst im Winter einen gewissen Sichtschutz vor der Beobachtung aus der Luft böten, hätten beide Seiten sehr wahrscheinlich Schwierigkeiten, den Artilleriebeschuss genau einzustellen.

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat nach Angaben des ukrainischen Ministerpräsidenten Denys Schmyhal ein 250.000 Quadratkilometer großes Minenfeld in seinem Land geschaffen. “Es ist derzeit das größte Minenfeld weltweit”, sagte Schmyhal in einem am Samstag veröffentlichten Interview der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Das laut Schmyhal verminte Gebiet entspricht mehr als 40 Prozent der gesamten Landfläche der Ukraine. “Das macht es nicht nur schwer für Menschen zu reisen, sondern es verursacht auch größere Störungen in der Landwirtschaft, die eine unserer Hauptwirtschaftszweige ist”, so der Ministerpräsident.

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Kommentare

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18 Kommentare auf "Russlands Feuerpause lief ab: Explosionen gemeldet"


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bon jour
bon jour
Universalgelehrter
24 Tage 22 h

vielleicht sollte man den russischen Lügen weniger Raum geben.

Faktenchecker
24 Tage 19 h

Putin ist doch ein armes Opfer. Ironie aus.

N. G.
N. G.
Kinig
24 Tage 18 h

Zu erwarten, weil Russland Waffenstillstand anbietet, ob wahr oder nicht, dann den schwarzen Peter ihnen zu zuschieben weil sie antworten ist doch Unsinn! Im Artikel steht die Ukraine hat gefeuert und sie haben geantwortet. Soll Russland da sitzen und sich bombardieren lassen?

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
24 Tage 18 h

Bon….
Wenn die Russen aus der Ukraine verschwinden wird sich keiner verteidigen müssen! Eigentlich ganz einfach.

N. G.
N. G.
Kinig
24 Tage 17 h

@OrtlerNord Ne, denn man muss sich egal aus welchem Grund nicht einfach nur abschlachten lassen. Auch die Russen nicht! Oder sollen sie, weil sie es selbst so wollen, wenn, einfach still halten und sich töten lassen!?

N. G.
N. G.
Kinig
24 Tage 17 h

@OrtlerNord Du erwartest, dass Russland, wenn die Ukraine angreift, still haltrn soll, weil Waffenruhe angeordnet?
Gehts noch? Was vorher war, spielt dabei keine Rolle!
Schmarrn!

N. G.
N. G.
Kinig
24 Tage 17 h

@OrtlerNord Was wäre denn wrnn Russland wirklich nicht zurück schießen würde? Wer wäre dann der Überltäter? Gäbe es dann je ne Waffenruhe zwischen Konfliktparteien? Man man, derart emotionale Einseitigkeit muss man gelesen haben!

pingoballino1955
pingoballino1955
Universalgelehrter
24 Tage 17 h

N.G. von wem ging die”SPEZIALOPERATION” aus? Von Putin,oder von der Ukraine?

der.schon.wieder
der.schon.wieder
Grünschnabel
24 Tage 13 h

@ N.G.
Was kostet eigentlich die Mitgliedschaft in der Partei
“Einiges Russland” ?

Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
24 Tage 11 h

@pingoballino1955 gans genau wer hat angefangen am 24.02….

sophie
sophie
Kinig
23 Tage 20 h

@N. G.
Weniger Lügen, Russland den Russen und Ukraine den Ukrainern, eigentlich ganz einfach, und dann ist vorbei mit dem Krieg

sophie
sophie
Kinig
23 Tage 20 h

@der.schon.wieder
Den Tod unzähliger Unschuldigen Menschen…..

OH
OH
Superredner
24 Tage 15 h

Ist doch wirklich alles Bla Bla !!
Hat jemand ernsthaft gedacht, man kann die Russen beschießen und die wehren sich nicht, weil orthodoxe Weihnachten sind ???
Krieg ist immer Angriff und Verteidigung, da interessiert es niemanden ob Feiertag ist.

N. G.
N. G.
Kinig
24 Tage 14 h

Genau das wollte ich mit meinen Komentaren sagen. Werden ich beschossen, schiese ich im Krieg zurück.Niemand stellt sich auf den Präsentierteller und wartet bis er erschossen wird. Und nur weil Putin Waffenruhe angeordnet hat, selbst wenn sie sie einhalten würden, muss man sich nicht ohne Gegenwehr beschießen lassen.

nightrider
nightrider
Superredner
23 Tage 22 h

@N. G. Auf die Idee dass die Ankündigung pure Propaganda war kommst nicht?

Unioner
Unioner
Tratscher
24 Tage 14 h

Und, das war doch klar das die Russen zurückschiessen.Es ist Krieg den die Russen angefangen haben so lange sie nicht wieder aus der Ukraine raus sind geht das töten weiter. Scheiß Krieg. Sinnlose Vernichtung von Menschen die früher Brüder und Schwestern waren.

So ist das
23 Tage 19 h

Welche Feuerpause? Gab ja keine 🤔

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