Schwerer Verdacht gegen Mohammed bin Salman

Saudi-Arabien weist Vorwürfe gegen Kronprinzen zurück

Dienstag, 20. November 2018 | 15:42 Uhr

Saudi-Arabien hat Berichte über eine Verstrickung von Kronprinz Mohammed bin Salman in den Mord am regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi zurückgewiesen. “Wir im Königreich wissen, dass solche Behauptungen gegen den Kronprinzen völlig falsch sind”, sagte Außenminister Adel al-Jubeir in einem Interview. Unterdessen wurden Zitate aus den türkischen Aufnahmen von der Tat veröffentlicht.

Zugleich warnte Al-Jubeir, sein Land werde keine Anschuldigungen gegen die Führung in Riad dulden. König Salman und der Thronfolger seien eine “rote Linie”, erklärte Al-Jubeir. “Wir werden keine Versuche zulassen, sie anzutasten, von wem auch immer und unter welchem Vorwand auch immer.” Bei den Vorwürfen handle es sich um Medienberichte, Offizielles aus den USA gebe es dazu nicht.

Die “Washington Post” hatte unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, die CIA sehe Mohammed bin Salman als Drahtzieher hinter dem gewaltsamen Tod Khashoggis Anfang Oktober im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul. Das Außenministerium in Washington stellte aber klar, es sei noch keine abschließende Bewertung getroffen worden.

US-Präsident Donald Trump hatte es jüngst als “möglich” bezeichnet, dass die CIA den Kronprinzen beschuldige. Zugleich sprach er aber von einer “sehr voreiligen” Schlussfolgerung. Der vollständige CIA-Bericht werde ihm erst an diesem Dienstag vorgelegt.

Sieben Wochen nach dem Mord an Khashoggi im Istanbuler Konsulat des Landes hat eine türkische Webseite am Dienstag die ersten Zitate aus den türkischen Aufnahmen von der Tat veröffentlicht. Auf den Bändern sei zu hören, wie Khashoggi ruft: “Lass meinen Arm los, was denken Sie, was Sie da tun”, heißt es in dem Bericht des Mediums “Habertürk”. Türkischen Quellen zufolge soll ein aus Saudi-Arabien angereistes 15-köpfiges Spezialkommando Khashoggi getötet und seine Leiche beseitigt haben.

Dem Medienbericht zufolge dokumentieren die Tonaufnahmen zunächst eine sieben Minuten lange Auseinandersetzung zwischen Khashoggi und vier Angreifern. Den Bändern zufolge sei Khashoggi dann in einen anderen Bereich des Hauses, die “Abteilung B”, gebracht worden – eine Version, die früheren Darstellungen widerspricht, wonach Khashoggi bereits kurz nach Betreten des Hauses tot gewesen sein soll.

Eine zweite Aufnahme aus diesem Teil des Hauses sei vier Minuten lang, berichten “Habertürk” und “Hürriyet” weiter. Zu hören sei nun eine weitere verbale Auseinandersetzung mit Khashoggi, aber auch die Geräusche eines Kampfes, dann die von “Schlägen” und “Folter”. Die Aufnahmen seien aber auch fast zwei Stunden lang unterbrochen worden, vermutlich von Störgeräten der Saudis.

Insgesamt seien die Stimmen von sieben Männern zu hören. Türkischen Sicherheitsquellen zufolge, so heißt es weiter, sei einer der Sprecher als Mahir Mutrib identifiziert worden. Er soll gesagt haben: “Verräter. Du wirst zur Rechenschaft gezogen werden.” Das Stimmprofil wurde laut “Hürriyet” mit Stimmproben verglichen, die bei der Einreise des Mannes von Grenzbeamten aufgenommen worden seien. US-amerikanische Medien hatten Mutrib als regelmäßigen Begleiter des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman identifiziert.

Mutribs Stimme sei auch in 19 Telefongesprächen mit Saudi-Arabien zu hören. Vier dieser Gespräche seien mit dem persönlichen Berater des Kronprinzen, Saud al-Kahtani, geführt worden. Das US-Finanzministerium hatte vergangene Woche erklärt, die Operation zur Tötung Khashoggis sei von Mutrib koordiniert worden.

Die saudi-arabische Darstellung der Ereignisse im Istanbuler Konsulat hatte sich mehrfach geändert. Zunächst leugnete Riad den Tod Khashoggis und räumte dessen Ermordung erst nach massivem internationalem Druck ein. Die saudi-arabische Staatsanwaltschaft beschuldigt mittlerweile hochrangige Regierungsmitarbeiter, eigenmächtig ein 15-köpfiges Spezialteam zur Ausführung der Tat geschickt zu haben. Riads Generalstaatsanwalt forderte zuletzt für fünf Personen die Todesstrafe.

In dem Interview gab Al-Jubeir die Schuld für die wechselnden Darstellungen dem Team, das die Tat ausgeführt habe. Dieses habe zunächst einen “irreführenden und wahrheitswidrigen” Bericht vorgelegt, aufgrund dessen Saudi-Arabien die Ermordung dementiert habe. Als jedoch Widersprüche aufgetaucht seien, habe König Salman eine Untersuchung angeordnet, sagte der Außenminister.

Al-Jubeir erklärte weiter, die Türkei habe versichert, dass deren Vorwürfe in diesem Fall nicht auf den Kronprinzen abzielten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte in einem Gastbeitrag für die “Washington Post” geschrieben, der Befehl für die Tötung Khashoggis sei von den “höchsten Ebenen” der saudischen Regierung gekommen. König Salman nahm er dabei ausdrücklich aus. Als starker Mann Saudi-Arabiens gilt jedoch nicht mehr der gebrechliche 82 Jahre alte Monarch, sondern dessen 33 Jahre alter Sohn Mohammed bin Salman.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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3 Kommentare auf "Saudi-Arabien weist Vorwürfe gegen Kronprinzen zurück"


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zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
20 Tage 10 h

Ethik in der europäischen Aussenpolitik ist so ein Unsinn wie soziale Gerechtigkeit. Beides kann und wird es nicht geben. F. D. Roosevelt hat J. Stalin die Hand gegeben. M. Zedong wurde besucht, S. Hussein, und noch viele andere Diktatoren haben den roten Teppich ausgelegt bekommen. Mohammed bin Salman müsste auf Grund seiner Dummheit ausgewechselt werden, nicht wegen seiner Moral.

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
20 Tage 13 h

Verdacht? Gewissheit!

traktor
traktor
Universalgelehrter
20 Tage 12 h

nun ich bin in dem fall für die todesstrafe…

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