Leiche von Khashoggi verschwunden

Saudischer Außenminister sprach im Fall Khashoggi von Fehler

Sonntag, 21. Oktober 2018 | 19:50 Uhr

Der Tod des Journalisten Jamal Khashoggi war nach den Worten des saudi-arabischen Außenministers Adel al-Jubeir ein sehr großer und schwerer Fehler. Er versprach den Angehörigen von Khashoggi im Interview mit dem TV-Sender Fox News am Sonntag, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. “Das ist ein furchtbarer Fehler. Das ist eine furchtbare Tragödie”, sagte er.

Saudi-Arabien wisse nicht wo der Leichnam von Khashoggi sei. Man sei auf der Suche nach ihm. Das Königreich steht wegen des Tods von Khashoggi unter Druck, insbesondere im Westen. Großbritannien, Frankreich und Deutschland forderten Saudi-Arabien in einer gemeinsamen Stellungnahme auf, mehr für die Aufklärung des Falles zu tun. Die Darstellung des Königreichs müsse mit Fakten belegt werden, teilten die drei Länder am Sonntag mit. “Es bleibt das dringende Bedürfnis nach Klärung, was genau passiert ist.” Nichts rechtfertige den Tod Khashoggis.

Nach wochenlangem Dementi hatte Saudi-Arabien am Samstag eingestanden, dass der Kolumnist der “Washington Post” im Konsulat des Königsreichs in Istanbul getötet worden sei. Er sei bei einem Kampf mit Personen ums Leben gekommen, die er in dem Konsulat getroffen habe.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will in der kommenden Woche eine ausführliche Erklärung zum Tod Khashoggis abgeben. Er werde am Dienstag vor seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP darüber sprechen, sagte Erdogan bei der Eröffnung einer U-Bahn Linie in Istanbul. “Weil wir suchen Gerechtigkeit.”

Die ganze Wahrheit werde ans Licht kommen. “Warum sind 15 Menschen hierher gekommen? Warum sind 18 Menschen verhaftet worden? Das muss mit allen Details erklärt werden.” Er werde dazu am Dienstag “ins Detail” gehen, sagte Erdogan.

US-Präsident Donald Trump hatte sich am Wochenende mit der saudischen Erklärung “nicht zufrieden, bis wir die Antwort finden”, gezeigt. Er denke weiterhin über Sanktionen nach. Es sei aber auch möglich, dass der junge saudische Kronprinz Mohammed bin Salman nichts von der Tötung Khashoggis gewusst habe. Einen Waffendeal mit Saudi-Arabien zurückzunehmen “würde uns mehr schmerzen als sie”, sagte Trump. Die USA gelten international als einer der wichtigsten Verbündeten Saudi-Arabiens.

Die deutsche Regierung wird Saudi-Arabien nach Angaben von Kanzlerin Angela Merkel vorerst keine Waffen mehr liefern. Die CDU-Chefin verurteilte die Tötung von Khashoggi “in aller Schärfe”. “Was Rüstungsexporte anbelangt, kann das nicht stattfinden, in dem Zustand, in dem wir im Augenblick sind”, sagte Merkel in Berlin.

Es gebe dringenden weiteren Klärungsbedarf durch die saudische Regierung, sagte Merkel. Zudem müssten die saudischen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Die deutsche Regierung strebe auch eine internationale Abstimmung im Vorgehen gegen Riad an.

Von: APA/ag.