Schelling würde gerne Finanzminister bleiben

Schelling: Eurogruppen-Chef wäre “große Auszeichnung”

Montag, 06. November 2017 | 13:30 Uhr

Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) würde den Eurogruppen-Vorsitz für Österreich als “große Auszeichnung” sehen. Vor Beginn der Sitzung der 19 Ressortchefs der Währungsunion Montag in Brüssel sagte Schelling, er erwarte “bis zu vier Kandidaten” für die Nachfolge des scheidenden Vorsitzenden Jeroen Dijsselbloem.

Im Lauf des Tages werde er mit den anderen Finanzministern aus der Europäischen Volkspartei die Gespräche vertiefen. “Selbstverständlich hat es schon im Hintergrund Gespräche gegeben, ob ich überhaupt dazu bereit wäre”. Aber “wir wissen noch nicht, wer Kandidat sein wird”. Jedenfalls “sind verschiedene Kandidaten, die im Umlauf immer genannt werden. Ich bin auch einer davon. Ich werde mit meinen Freunden der EVP heute klären, wie sie dazu stehen. Es ist eine große Herausforderung, wenn man überhaupt gefragt wird, so eine Position zu übernehmen”.

Dijsselbloem selbst werde bei der Eurogruppe am Nachmittag den Prozess für die Nachfolge aufsetzen. Bis Mitte November müssten die Kandidaten feststehen, am 4. Dezember werde gewählt. Jedenfalls sei die Eurogruppen-Leitung “eine der wirklich wichtigsten Positionen auf europäischer Ebene. Für Österreich wäre es eine große Auszeichnung, wenn wir den Vorsitz bekämen.” Bisher sei es auch so, dass man nur gewählt werden könne, wenn man amtierender Finanzminister ist, sagte Schelling.

Angesprochen auf die laufenden Koalitionsverhandlungen und seine Chancen auch der neue Finanzminister in der nächsten Regierung zu sein, erklärte Schelling, “die Entscheidungen sind nicht gefallen. Ich bin in gutem Einvernehmen mit (Sebastian) Kurz, was die Regierungsverhandlungen angeht”. Und “man muss nicht immer im Vordergrund sein, um dann wieder in den Vordergrund zu treten”, so der Minister. Aber wenn er gefragt werde, “sage ich mit Leidenschaft und großem Engagement Ja. Wenn nicht, nehme ich das in Demut, Dankbarkeit und Respekt vor der Entscheidung zur Kenntnis”.

Am Dienstag steige das Finanzressort erstmals direkt in die Koalitionsverhandlungen ein. Er selbst sei dafür, dass das Finanzministerium in den “Händen der Partei ist, die auch den Kanzler stellt”. Es sei “einfacher so zu agieren”. Außerdem habe die FPÖ die Arbeit des Finanzministeriums gelobt. Ihm sei bescheinigt worden, dass “sehr gut gearbeitet” wurde und “wir solide, saubere Zahlen vorgelegt” haben. Ab Dienstag “wird es ernst”.

Ob es nicht ein Affront gegen ihn sei, wenn die Verhandlungen mit einem Kassasturz unter einem von der ÖVP geführten Finanzministerium beginnen? – Schelling: “Nein überhaupt nicht, denn es ist völlig klar, dass die Partei, mit der wir in Koalitionsverhandlungen eintreten, viel des Wissens aus dem Budget in Details nicht hat. Daher ist es fair und korrekt, den möglichen Koalitionspartner zu informieren”. Aber “gerade der mögliche Koalitionspartner hat öffentlich erklärt, dass das Finanzministerium und der Finanzminister sehr gut und solide gearbeitet haben. Wir haben nichts zu verbergen, jede einzelne Zahl ist korrekt und nachgewiesen”. Bei früheren Koalitionsverhandlungen sei man dagegen “immer ein bisserl im Blindflug unterwegs gewesen. Der Kassensturz wurde am Schluss gemacht”, womit es auch erst dann möglich wurde zu beurteilen, ob alle Wünsche, die an den Finanzminister herangetragen wurden, überhaupt finanzierbar sind”.

Von: apa

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