Appell des Vereins für Sachwalterschaft

Schluss mit der Entmündigung

Samstag, 21. Mai 2022 | 11:49 Uhr

Bozen – Heute fand die Jahresversammlung des Vereins für Sachwalterschaft in Bozen statt. Viel Raum gegeben wurde dem Beitrag von Prof. Paolo Cendon, Vater des Gesetzes über die Sachwalterschaft, welcher die nationale Arbeitsgruppe über die Rechte der Menschen mit Beeinträchtigungen vorgestellt hat.

Die Arbeitsgruppe, hat hochgesteckte Ziele für eine geplante Gesetzesreform. Bezüglich des wichtigsten Zieles, der Abschaffung der Entmündigung, wird die baldige Genehmigung erhofft, zumal laut Sachwalterschaft die Entmündigung im Gegensatz zu den grundlegenden Zielen der UNO Konvention der Menschen mit Behinderung steht. Italien ist eines der wenigen Länder in der Welt, in welchem immer noch Maßnahmen zur Einschränkung von persönlichen Rechten bestehen.
Die nationale Arbeitsgruppe befasst sich mit verschiedenen Themen: Dem Studium zur Einrichtung eines Vermögensfonds mit einer Vinkulierung zu Gunsten des Schutzes von Menschen mit Behinderung, der Ausarbeitung von Richtlinien zur Vereinheitlichung der Praxis der Sachwalterschaft auf dem gesamten italienischen Staatsgebiet sowie der Ausbildung für diejenigen, die das Amt übernehmen wollen.
“In Anbetracht der Verbreitung der Schutzmassnahme der Sachwalterschaft ist es erforderlich flächendeckend in ganz Italien territoriale Informations-und Unterstützungsbüros für die Bürger einzurichten”, meint Paolo Cendon “Die nationale Arbeitsgruppe schaut mit Interesse auf gute Praxisbeispiele auf nationaler Ebene, und dabei auf die Tätigkeiten von Seiten des Vereins für Sachwalterschaft, eine der ersten der sich mit der Thematik beschäftigt hat”.

In diesem Jahr besteht die kollegiale Beratung seit zehn Jahren. Es handelt sich dabei um Treffen, an denen Sachwalter teilnehmen, die die Probleme und Kritikpunkte im Zusammenhang mit ihrem Amt besprechen können. Bei der Versammlung wurden die Neuigkeiten mittels Videoaufnahmen eines Mitglieds vorgestellt.  Ab Juni wird die Beratung jeden Monat in gemischter Form stattfinden. Zudem werden den Teilnehmer*innen Fortbildungen angeboten zu den Themen, die bei den Treffen angesprochen wurden.
Während des Jahres 2021 hat der Verein die Informationstätigkeit, Fortbildung, Beratung und Unterstützung zum Tehma Sachwalterschaft ausgeweitet. Es fanden circa 900 Beratungen statt, in Bozen, Altenheim Terlan und bei den territorialen Beratungsschaltern. Zudem wurden auch online und telefonisch Beratungen durchgeführt. Insgesamt bestanden mehr als 5.800 telefonische Kontakte. Seit dem Jahr 2021 besteht ein Zweitsitz in Meran, bei dem der Verein zwei Mal im Monat anwesend ist.

Im Jahr 2021 war es möglich das Projekt Egida weiterzuentwickeln, bei welchem sich der Verein selbst dem Vormundschaftsgericht als Sachwalter vorschlägt. “Die Pandemie hat die Lebensbedingungen von beeinträchtigten Menschen, vor allem unter dem psychologischen Gesichtspunkt, geprägt”, bestätigt Werner Teutsch, Präsident des Vereins für Sachwalterschaft. “Dank der Zusammenarbeit mit einer Psychologin konnten wir Zuhören und Nähe anbieten”. Bis heute werden 14 Begünstigte im Rahmen des Projekts Egida betreut. Alle haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind allein und können nicht auf die Hilfe anderer Personen zählen”.
Begünstigte im Projekt Egida sind nicht nur ältere Menschen mit Altersdemenz, sondern auch junge Menschen mit psychischer Krankheit und mit Abhängigkeitsproblemen. In letzteren Fällen ist die Rolle des Sachwalters auch wichtig, um der Person zu helfen ein individuelles Lebensprojekt zu verwirklichen. Eine Neuigkeit im Jahr 2022 ist, dass das Projekt Egida in eine Einrichtung getragen wird, und ein sogenannter “Sachwalter der Gemeinschaft” eingeführt wird. “Ziel ist es den Bewohner*innen, Angehörigen und Mitarbeiter*innen der Einrichtung eine Anlaufstelle vor Ort für Unterstützung im Bereich der Sachwalterschaft zu bieten: Der Verein bietet nicht nur individuelle Beratungen und Unterstützung an, sondern erklärt auch seine Bereitschaft das Amt als Sachwalter zu Gunsten von alleinstehenden und besonders verletzlichen Bewohner*innen zu übernehmen, die den rechtlichen Schutz benötigen” sagt Roberta Rigamonti “Wichtig ist das Signal, das wir damit aussenden wollen: Ein Neustart in den Altersheimen nach zwei Jahren Pandemie mit Schließungen und Isolation von der Außenwelt”. Im Mai ist das Projekt bei der Seniorenresidenz Melitta Care in Bozen gestartet.

Von: sis

Bezirk: Bozen

Kommentare

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1 Kommentar auf "Schluss mit der Entmündigung"


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thomas
thomas
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

zu häufig wird die Sachwalterschaft im Sinne einer totalen Entmündigung missbraucht

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