Minderheit fühlt sich benachteiligt

Schüler nach Massenentführung im Nordwesten Kameruns frei

Mittwoch, 07. November 2018 | 13:18 Uhr

Zwei Tage nach einer Massenentführung im unruhigen Nordwesten Kameruns sind die 79 verschleppten Schüler wieder frei. “Alle 79 Schüler sind befreit”, sagte Kommunikationsminister Issa Bakary Tchiroma am Mittwoch, ohne Angaben zu den genauen Umständen der Befreiung zu machen.

In ihrer Schule in der Regionalhauptstadt Bamenda hatte es bereits vergangene Woche eine Entführung von mehreren Schülern gegeben. Innerhalb von fünf Tagen wurden in der Oberschule der Presbyterianischen Kirche in Bamenda insgesamt 90 Schüler entführt. Die erste Entführung von elf Schülern am 31. Oktober wurde zunächst geheimgehalten, um Verhandlungen mit den Entführern nicht zu gefährden, wie die Nachrichtenagentur AFP aus dem Umfeld der Schule erfuhr. Am Montag entführten in derselben Schule bewaffnete Männer dann 79 weitere Schüler.

Alle Schüler sind inzwischen wieder frei. Unter welchen Umständen sie befreit wurden und wer die Entführer waren, blieb zunächst unklar. Nach Angaben von Foki Samuel Forba von der Presbyterianischen Kirche verlangten die Entführer kein Lösegeld, sondern “nur” die Schließung der Schule. Die Einrichtung wurde inzwischen bis auf Weiteres geschlossen.

In einem sechsminütigen Video waren nach übereinstimmenden Angaben die elf Ende Oktober entführten Buben zu sehen. Sie stellten sich nacheinander auf Englisch vor und gaben an, von den “Amba boys” aus der Schule entführt worden zu sein. Die Gruppe kämpft für die Unabhängigkeit des englischsprachigen Teils Kameruns vom mehrheitlich französischsprachigen Rest des Landes. Dieser hatte sich vor einem Jahr als “Ambazonia” für unabhängig erklärt.

Viele Angehörige der englischsprachigen Minderheit fühlen sich in Kamerun benachteiligt. In den zwei englischsprachigen Regionen im Nordwesten und Südwesten des afrikanischen Landes gibt es deshalb seit Ende 2017 einen bewaffneten Konflikt. Seit mehreren Monaten kommt es fast täglich zu Zusammenstößen zwischen Soldaten und Rebellen.

Die Unabhängigkeitskämpfer boykottieren Schulen, weil das frankophone Schulsystem ihrer Ansicht nach Schüler der englischsprachigen Minderheit benachteiligt. Es gab bereits mehrfach bewaffnete Angriffe von Rebellen auf Schulen.

Massenentführungen von Schülern gehörten bisher nicht zu den Mitteln der Rebellen in Kamerun. Bisher war dafür eher die Islamistengruppe Boko Haram bekannt, die im benachbarten Nigeria seit Jahren gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats kämpft.

Von: APA/ag

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