Eine Sanktionsliste der Opposition wurde aufgelegt

Schwarze Liste mit Lukaschenko-Helfern in Weißrussland

Donnerstag, 17. September 2020 | 14:52 Uhr

Nach der massiven Gewalt maskierter Uniformierter gegen friedliche Demonstranten in Weißrussland erstellt die Opposition eine “schwarze Liste” mit den Gehilfen von Staatschef Alexander Lukaschenko. Die Namen jener, die an Folter, illegalen Festnahmen und Missbrauch von Gefangenen beteiligt seien, sollten auf eine Sanktionsliste, sagte Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja am Donnerstag.

Dazu gebe es eine enge Zusammenarbeit mit Menschenrechtlern. Die ersten Namen für die Liste seien von Betroffenen bereits übergeben worden, teilte die 38-Jährige mit. Sie kündigte eine Veröffentlichung der Namen an.

Knapp sechs Wochen nach der Präsidentenwahl in Weißrussland (Belarus) geht Lukaschenkos Apparat immer brutaler gegen Andersdenkende vor. Maskierte Uniformierte, die keine Erkennungszeichen tragen, nehmen täglich Bürger fest. Dutzende Anwälte veröffentlichten einen Videoclip, in dem sie die totale Willkür und das “kriminelle” Handeln der Behörden kritisierten.

Staatschef Lukaschenko hatte sich nach der von der EU nicht anerkannten Wahl vom 9. August zum Sieger erklären lassen. Er bereitet sich nach 26 Jahren an der Macht mit Unterstützung von Kremlchef Wladimir Putin auf eine sechste Amtszeit vor. Tichanowskaja beansprucht den Wahlsieg für sich. Sie startete am Donnerstag auch bei Instagram ihren Kanal mit dem Namen prezident.sveta, nachdem sie bisher schon bei Telegram offizielle Stellungnahmen verbreitet. Sie kündigte an, weiter um den Sieg zu kämpfen.

Weißrussland bereitet sich auf ein neues großes Protestwochenende vor. An diesem Samstag haben Frauen in Minsk trotz der Gewalt durch Sicherheitskräfte vorige Woche einen weiteren Marsch gegen Lukaschenko angekündigt. Zum sechsten Mal hintereinander wird es dann am Sonntag in der Hauptstadt Minsk und anderen Städten Massenproteste gegen “Europas letzten Diktator”, wie Lukaschenko von der Demokratiebewegung genannt wird, geben. Es sind die größten Proteste in der Geschichte des Landes.

Von: APA/dpa