Kein Ende des Krieges absehbar

Schwere Kämpfe und russische Verluste in Ostukraine

Samstag, 14. Mai 2022 | 19:39 Uhr

In der Ukraine werden weiterhin schwere Kämpfe aus dem Osten des Landes gemeldet. Bei einer missglückten Flussüberquerung sollen die Russen große Verluste erlitten haben. Unter dem Eindruck der anhaltenden Kämpfe tritt der Krieg nach Einschätzung Kiews in eine “neue, lange Phase”. Dem Land stünden “extrem harte Wochen” bevor, in denen es einem “erzürnten Aggressor” weitgehend allein gegenüber stehe, erklärte Verteidigungsminister Olexii Resnikow auf Facebook.

Vor allem im Osten des Landes setzen die russische Truppen ihre intensiven Kämpfe gegen die ukrainischen Streitkräfte fort – ohne jedoch nennenswerte Fortschritte zu erzielen. Die ukrainischen Soldaten hätten russische Versuche zurückgeschlagen, einen Fluss zu überqueren und die Stadt Sewerodonezk einzukesseln, teilte der Gouverneur der östlichen Region Lugansk, Serhij Gajdaj, am Samstag mit.

“An der Grenze zur Region Donezk, auf der Seite der Stadt Popasna, wird derzeit heftig gekämpft”, erklärte Gajdaj. Nach Angaben des Gouverneurs erlitten die russischen Truppen schwere Verlusten an Soldaten und Ausrüstung. Aus abgehörten Telefongesprächen habe die ukrainische Seite erfahren, “dass ein ganzes russisches Bataillon sich geweigert hat, anzugreifen, weil sie gesehen haben, was passiert”. Luftaufnahmen zeigten Dutzende von zerstörten Panzerfahrzeugen am Flussufer sowie zerstörte Pontonbrücken.

Der ukrainische Generalstab bestätigte in seinem abendlichen Lagebericht am Samstag, dass die russischen Streitkräfte keine nennenswerten Geländegewinne erzielen konnten. “Die größte Aktivität halten die Okkupanten im Raum Sloboschanske und Donezk aufrecht.” Demnach bereiten die russischen Truppen Angriffe auf die Städte Sjewjerodonezk, Soledar und Bachmut vor und haben dazu zwei weitere taktische Bataillone an die Front verlegt. Mithilfe von Artillerie- und Luftunterstützung würde der Feind ukrainische Stellungen stürmen. “Er hat teilweise Erfolg in Awdijiwka”, heißt es. Die Stadt gilt als ukrainische Festung und wird seit Kriegsbeginn erfolglos von den Russen gestürmt.

Derweil gelang es der Ukraine nach eigenen Angaben, die russischen Truppen aus der nördlichen Stadt Charkiw zu vertreiben – die für Moskau ein vorrangiges Ziel gewesen war. In der Region Charkiw “konzentrieren sich die Bemühungen des Feindes vor allem darauf, den Rückzug seiner Einheiten aus der Stadt Charkiw sicherzustellen”, sagte ein Sprecher des ukrainischen Generalstabs. “Die schrittweise Befreiung der Region Charkiw beweist, dass wir dem Feind niemanden überlassen werden”, hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache schon am Freitag gesagt.

Die Ukraine führe eine militärische Gegenoffensive gegen russische Streitkräfte im Gebiet nahe der von Russland gehaltenen Stadt Izium, sagte der Regionalgouverneur von Charkiw, Oleg Sinegobow. “Unsere Streitkräfte sind dort zur Gegenoffensive übergegangen. Der Feind zieht sich an einigen Fronten zurück.” Das Gebiet sei eine Schlüsselachse des russischen Angriffs auf die Ukraine.

Im Süden des Landes hingegen versuchen russische Truppen laut Generalstab, sich auf der strategisch wichtigen Schlangeninsel festzusetzen. Dort hätten sie die Luftabwehr verstärkt, meldete der ukrainische Generalstab am Samstagabend. Die Insel vor der Mündung des Donaudeltas war in den letzten Tagen schwer umkämpft. Beide Seiten meldeten dabei eine große Anzahl an Feindabschüssen. Die Angaben konnten unabhängig nicht überprüft werden.

Angriffe aus der Luft und am Boden gab es am Samstag auch erneut auf das Asow-Stahlwerk, teilte der Mariupoler Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko auf Telegram mit. Er veröffentliche dazu ein Video, das Luftaufnahmen des Stahlwerks unter russischem Beschuss zeigen soll. Woher und von wann die Aufnahmen stammen, kann unabhängig nicht überprüft werden.

“Die Grausamkeit des Feindes nimmt zu”, meinte Andrjuschtschenko. Es würden nicht nur die Verteidiger von Mariupol selbst angegriffen, sondern auch ihre Familien. “Gestern haben die Besatzer in den sozialen Netzwerken die persönlichen Kontakte (Telefon, Profile) der Ehepartner ausfindig gemacht”, sagte Andrjuschtschenko.

Die ukrainische Regierung hatte zuletzt erklärt, alles dafür zu tun, um die Verteidiger von Mariupol über Verhandlungen mit Russland aus der Industriezone herauszuholen. Das sei schwierig, hieß es. Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk teilte am Samstag mit, es gehe aktuell um Verhandlungen für 60 Menschen, darunter verletzte Kämpfer und medizinisches Personal. “Dort sind einige Hundert Verletzte, sie müssen zuerst gerettet werden, weil die Russen für alle auf einmal keine Zustimmung erteilen”, sagte sie.

Weiterhin nur Spekulationen gibt es über die Anzahl getöteter russischer Soldaten. Der Generalstab der Streitkräfte der Ukraine sprach am Samstag von rund 27.200 toten russischen Soldaten. Zwischen dem 24. Februar und dem 14. Mai habe der Feind außerdem u.a. 1.218 Panzer, 2.934 gepanzerte Kampffahrzeuge, 200 Flugzeuge, 163 Hubschrauber, 2.059 Kraftfahrzeuge und Tankwagen und 13 Schiffe/Boote verloren.

Jüngste Aufnahmen von Reuters-TV am Stadtrand von Kiew werfen ein Schlaglicht auf die Verluste: Auf einem Bahnhofsgelände wurden dort Hunderte Leichen russischer Soldaten in gekühlte Zugwaggons geladen. Darin sollen sie aufbewahrt werden, bis sie nach Russland zu ihren Angehörigen gebracht werden können, sagte der zivil-militärische Chef-Verbindungsoffizier Wolodomyr Ljamsin. Die meisten Leichen seien aus dem Großraum Kiew, einige aus Tschernihiw und anderen Regionen. Auch in anderen Gebieten der Ukraine gebe es solche Waggons, sagte Ljamsin.

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Kommentare

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25 Kommentare auf "Schwere Kämpfe und russische Verluste in Ostukraine"


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sophie
sophie
Kinig
14 Tage 10 h

Der Russe ist wohl das Allerletzte was die Welt noch
brauchte, einfach nur zum🤮🤮🤮

N. G.
N. G.
Kinig
14 Tage 8 h
Diese Ausage würde ich unterschreiben aber NICHT, wenn man all die anderen Konflikte unter den Tisch kehrt! In der ganzen Diskussion darüber stört mich nur EINES, es wird nur und ausschließlich über die Ukraine geredet, was sonst passiert, scheissegal, wenn sonst um einiges MEHR Menschen gestorben sind , scheissegal,wenns sonst Flüchtlinge gab, scheissegal… Nur das Aktuelle zählt für euch! Außerdem werden Unterschiede gemacht! Wenn man ganz ehrlich sein darf, dann ist dieser Krieg nur aus einem Grund wichtiger als all die anderen die mehr Todesopfer gefordert haben, hier gehts um Geld, Gas und Öl und betrifft viele Staaten! Ginge es… Weiterlesen »
Blitz
Blitz
Universalgelehrter
14 Tage 8 h

@sophie Und Westeuropa und der AMI setzen alles daran den Krieg so lang als möglich, fortzusetzen .

sophie
sophie
Kinig
14 Tage 5 h

@Blitz
Man kann aber auch nicht die Ukrainer ihrem Schicksal überlassen, dieser Überfall ist durch nichts zu recht fertigen…

Zugspitze947
14 Tage 4 h

N.G.du hast leicht daherschwafeln,man wollte den großen Konflikt vermeiden aber nun ist der Mörder Purtin verrückt geworden 🙁

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Grünschnabel
14 Tage 4 h

@Blitz
Was du da schreibst glaubst du doch selber nicht .👎

OrtlerNord
OrtlerNord
Tratscher
14 Tage 4 h

@Blitz
Russland braucht einfach seine Soldaten in ihr eigenes Staatsgebiet zurück ziehen und schon ist Ruhe. Russland hat ein anderen Staaten schon mehrfach angegriffen und dann fremdes Staatsgebiet geklaut.
Die Begründung für diesen Angriffskrieg ist widerlich, verlogen und an hinterhältigheit schwer zu übertreffen.

Kingu
Kingu
Superredner
14 Tage 3 h

@N. G. mag höchstens deine politisch motivierte Meinung sein, ich kenne niemanden, der sich für den Einsatz in Afghanistan eingesetzt hat oder für sinnvoll erachtet hat. Syrien und dessen Opfer können uns auch nicht so egal gewesen sein, da alle EU Staaten Flüchtlinge aufnahmen, die 4000 Kilometer zurückgelegt haben und im jungen wehrpflichtigen Alter sind, während man in der Ukraine dieselbe Demografie als Deserteure (Fahnenflüchtige) ansieht. Die Betroffenheit nimmt höchstens ab, wenn die Bevölkerung bemerkt, dass die eigentlichen Schwachen, also Kinder und Frauen in keiner nennenswerten Zahl antreffen und man nur Fahnenflüchtige aufnimmt.

Neumi
Neumi
Kinig
14 Tage 3 h

@sophie Bei den Tibetern haben wir’s gemacht, aber die Ukraine ist näher.

sophie
sophie
Kinig
14 Tage 2 h

@Suedtirolfan
👍👍

Zefix
Zefix
Universalgelehrter
14 Tage 2 h

na selche leit wia du sein es ollerleste de olle iber uan komm schern sophie

sophie
sophie
Kinig
14 Tage 2 h

@Zefix
Va wellan Kommentar schreibschn du ibbohaupt, wo i olle ibbo oan komm scher ?????
Sollats der va di Russn san, sebbn mua. I sicho net die ollgemeine Bevölkerung, lei amoll klor zi legn….

primetime
primetime
Kinig
13 Tage 23 h

“Der Russe” heißt soviel wie “der Russische Staatsbürger” – Mehrzahl. Wenn dann müsste man direkt Puting & Kollegen schreiben

N. G.
N. G.
Kinig
13 Tage 13 h

@Zugspitze947 Ok, dann erklär mir bitte warum bei der Krim oder auch im Osten der Ukraine seit 8 Jahren, bis zum heutigen Krieg so gut wir nichts brauchbares unternommen wurde!

Vielleicht, weil dem Westen wirtschaftlich Überlegungen wichtiger waren als eine Eskalation des Konflikts?
Und heute tut der scheinheilige Westen wie wenn die Ukrainer immer schon ein Teil Europas gewesen wären aber 8 Jahre hats vorher niemanden interessiert was da los ist?

N. G.
N. G.
Kinig
13 Tage 13 h

@Kingu Ne ne, ganz so ist es nicht. Jenachdem welcher Staatsbürger du bist aber wenn sich jemand damit rühmen kann viele Flüchtlinge aufgenommenen zu haben, dann ist es Deutschland. Der Rest hat gerne zugeguckt!

N. G.
N. G.
Kinig
13 Tage 13 h

@Kingu Syren war und ist ein Bürgerkrieg! Was schwafelst du von Wehrpflicht? Die Wehrpflichtigen von denen du sprichst wurden von ihrer eigenen Regierung verfolgt! Jetzt erzähl mit für wen sie hätten kämpfen sollen, teilweise unbewaffent, ausser den vielen verschiedenen Gruppierungen die da teilweise sogar gegeneinander kämpften.

Sigo70
Sigo70
Superredner
14 Tage 8 h

Wenn man russische Propaganda liest, wird alles 180 Grad verdreht berichtet. Die chinesische Propaganda orientiert sich an der russischen die westliche an der ukrainischen. Demzufolge ist wohl jede Meldung mit Vorsicht und Abstand zu betrachten.

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Grünschnabel
14 Tage 4 h

@ sigo
Es ist ganz offensichtlich, daß vor allem die russische Propaganda lügt und was die Ukraine meldet meistens richtig war !
Könnt ihr ” Neutrallos” das nicht erkennen oder wollt ihr es nicht erkennen ?

aschpele
aschpele
Tratscher
14 Tage 2 h

@Suedtirolfan
@ sigo
“Es ist ganz offensichtlich, daß vor allem die russische Propaganda lügt und was die Ukraine meldet meistens richtig war !”
Wie willst du das beurteilen? Bist du clairvoyant? Und wo lest DU russische Propaganda?

Sigo70
Sigo70
Superredner
14 Tage 2 h

@Suedtirolfan keine Kriegspartei kann sich leisten objektiv zu berichten bzw. hat auch kein Interesse daran. Es wäre naiv die ukrainischen sowie auch die russischen Meldungen als Wahrheit zu interpretieren.

aschpele
aschpele
Tratscher
14 Tage 7 Min

🙂 🙂 🙂

primetime
primetime
Kinig
13 Tage 23 h

@Suedtirol Merkst du nicht selber dass du sehr einseitig bist? Die Ukrainischen Medien haben auch schon genug gelogen von daher ist jede nicht verifizierbare Meldung mit Vorsicht zu genießen.
Aber das lässt ein geblendeter natürlich nicht zu. Propagandaopfer

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Tratscher
14 Tage 8 h

Und letztlich wird sich Russland fragen müssen: wofür das alles??? Leider sind zu viele russische Feldzüge “positiv” für Russland geendet. Das wird spätestens jetzt vorbei sein, und Erinnerungen an das russische (und später auch amerikanische) Afghanistan werden Russland einholen! Aggression lohnt sich (zumeist) nicht!

Obadja
Obadja
Tratscher
14 Tage 4 h

Psalm 52,3
3Was rühmst du dich der Bosheit, du Tyrann,

da doch Gottes Güte noch täglich währt?

4Deine Zunge trachtet nach Schaden

wie ein scharfes Schermesser, du Betrüger!

5Du liebst das Böse mehr als das Gute

und redest lieber Falsches als Rechtes. 

6Du redest gern alles, was zum Verderben dient,

mit falscher Zunge.

7Darum wird dich auch Gott für immer zerstören, /

dich zerschlagen und aus deinem Zelte reißen

und aus dem Lande der Lebendigen ausrotten. 

8Und die Gerechten werden es sehen und sich fürchten

und werden seiner lachen:

9»Siehe, das ist der Mann,

der nicht auf Gott sein Vertrauen setzte,

sondern verließ sich auf seinen großen Reichtum

und war mächtig, Schaden zu tun.«

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
13 Tage 13 h

@Obadja
Jo, das beschreibt Putin nahezu perfekt.

Aber, lange wird es nicht mehr dauern, bis er sich in der Hölle wiederfindet.

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