Die Pariser Polizei war schwer beschäftigt

Schwere Krawalle am Rande von Mai-Demonstration in Paris

Dienstag, 01. Mai 2018 | 21:23 Uhr

Brennende Fahrzeuge und zerstörte Geschäfte haben den 1. Mai in Paris geprägt: In der französischen Hauptstadt haben sich am Tag der Arbeit mehr als tausend Vermummte Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Polizei nahm fast 200 Angehörige des “Schwarzen Blocks” fest. Zehntausende Menschen protestierten dagegen friedlich an den Mai-Demonstrationen der Gewerkschaften.

In Paris kamen nach Angaben der Polizei 20.000 Menschen zu dem traditionellen Marsch der Gewerkschaften zum Tag der Arbeit zusammen. Die Gewerkschaft CGT sprach von 55.000 Teilnehmern. Die Zahl der Vermummten wurde von der Polizei mit rund 1200 angegeben. Sie trugen schwarze Jacken und Gesichtsmasken; viele führten Banner mit anarchistischen Symbolen mit sich.

Der reguläre Protestzug kam ins Stocken, als aus dem “Schwarzen Block” heraus Ausschreitungen begannen. Vermummte griffen die Polizisten mit Wurfgeschoßen an, zertrümmerten Autos und Fensterscheiben und steckten Fahrzeuge in Brand. Einige plünderten eine McDonald’s-Filiale und setzten sie in Brand. Auch andere Lokale wurden verwüstet. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Vermummten vor. Sie nahm 200 von ihnen fest, nachdem sie diese eingekesselt hatte.

Der französische Innenminister Gerard Collomb verurteilte “mit Nachdruck” die “Gewalt und Sachbeschädigungen” am Rande der Demonstration zum Tag der Arbeit. Die Pariser Polizei hatte zuvor mit Ausschreitungen gerechnet: “Extremistische Gruppen” wollten den Tag zu einem “großen revolutionären Treffen machen”, hatte sie erklärt. In anderen französischen Städten blieb es bei den Mai-Demonstrationen ruhig.

In Frankreich ist in den vergangenen Wochen der Zorn vieler Arbeitnehmer über die Reformen von Präsident Emmanuel Macron gewachsen. Seit Anfang April hat es zahlreiche Streiks im Öffentlichen Dienst gegeben, insbesondere bei der Bahn. Macron will die Staatsbahn SNCF wettbewerbsfähiger machen und den beamtenähnlichen Status der Bahnbeschäftigten abschaffen. An den Mai-Demonstrationen nahmen am Dienstag besonders viele Bahn-Beschäftigte teil.

Der Linkspolitiker Jean-Luc Melenchon führte den Protestzug in Marseille an, an dem nach Polizeiangaben 4200 Menschen teilnahmen. Sie marschierten hinter einem Schriftzug her, auf dem “Gegen Macron und seine Welt” stand. Melenchon sagte, die soziale Bewegung und die politischen Kräfte seien dabei, sich zusammenzuschließen – nicht aber die Gewerkschaften untereinander.

Präsident Emmanuel Macron hielt sich derweil im australischen Sydney auf. Er verteidigte sich dort gegen Kritik, am 1. Mai fernab der Heimat zu sein.”Wollen Sie, dass ich zu Hause bleibe und Fernsehen schaue?”, fragte er. “Ich habe andere Dinge zu tun, ich arbeite weiter, die Reformen werden jeden Tag fortgesetzt.”

Im südfranzösischen Nizza setzte die Rechtspopulistin Marine Le Pen einen Kontrapunkt zu den Maifeiern. Mit Bündnispartnern aus Europa, darunter FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky, rief sie gut ein Jahr vor der Europawahl zu einer Veränderung der EU auf. “Die Perspektive, eine Mehrheit für ein anderes Europa zu bekommen, ist nicht so unwahrscheinlich”, saget sie bei einer Kundgebung der Bewegung für ein Europa der Nationen und der Freiheit (MENL), der unter anderem auch die derzeit in Italien nach der Macht greifende Lega angehört.

Hunderttausende Kubaner feierten indes friedlich mit einem Marsch durch Havanna den Internationalen Tag der Arbeit. Unter dem Motto “Einheit, Verpflichtung und Sieg” zogen die Arbeiter am Dienstag drei Stunden lang durch die kubanische Hauptstadt.

“Das ist eine Demonstration der soliden Basis unserer glorreichen Revolution und des großen Rückhalts der Arbeiter und des Volkes für die Erneuerung unserer wirtschaftlichen und sozialen Systems”, sagte der Vorsitzende der staatlichen Gewerkschaft CTC, Ulises Guilarte. Der Tag der Arbeit ist einer der wichtigsten Feiertage auf der sozialistischen Karibikinsel.

An der Kundgebung auf dem Platz der Revolution nahmen auch Ex-Präsident Raul Castro und der neue Staatschef Miguel Diaz-Canel teil. Es war der erste gemeinsame Auftritt der beiden Männer seit der historischen Machtübergabe vor zwei Wochen. Während der Revolutionsführer Fidel Castro am Tag der Arbeit noch selbst stundenlange Reden gehalten hatte, überließ sein Bruder Raul den Gewerkschafsführern das Wort.

Friedlich verliefen auch die Feierlichkeiten in den Berliner Bezirken Kreuzberg und Friedrichshain. “Bisher ist die Lage stabil, wir haben alles im Griff”, erklärte die Polizei am Dienstag. Obwohl bekannte Kreuzberger Straßenfeste wie das “Myfest” und das “MaiGörli” bereits am frühen Nachmittag “sehr gut besucht” gewesen seien, habe es keinen Anlass für Einschreiten gegeben.

“Die Leute sind überwiegend gut gelaunt, die Stimmung ist entspannt”, erklärte ein Polizeisprecher. Wegen zahlreicher parallel stattfindender Veranstaltungen war die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz: In der ganzen Stadt waren rund 5300 Beamten auf Kundgebungen, Versammlungen und Straßenfesten unterwegs, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Zur Zahl der Teilnehmer bei den Straßenfesten machte die Polizei keine Angaben.

Das Parkfest “MaiGörli” im Görlitzer Park musste gegen 17.00 Uhr wegen Überfüllung geschlossen werden. Zuvor hatte die Polizei bereits einzelne Zugänge zum Fest gesperrt, weil der Andrang zu groß wurde. “Derzeit haben wir eine hundertprozentige Auslastung”, erklärte ein Polizeisprecher. Das entspreche in etwa einer Anzahl von 10.000 bis 15.000 Besuchern im Park. Aus Sicherheitsgründen wurden alle Zugänge bis auf Weiteres gesperrt.

Für den Abend planten linke Aktivisten, ohne Anmeldung bei den Behörden ihre traditionelle sogenannte Revolutionäre Demonstration zum 1. Mai in Berlin-Kreuzberg zu starten. In der Vergangenheit war es bei Demonstrationen rund um den 1. Mai immer wieder zu Ausschreitungen in Berlin und auch in Hamburg gekommen. In den vergangenen Jahren verliefen die Proteste jedoch weitgehend friedlich.

In Hamburg kamen bei nasskaltem Wetter rund 2.200 Demonstranten. Bis zum Abend blieb es zunächst friedlich. Aufgrund von Ausschreitungen in früheren Jahren war die Polizei mit starken Kräften präsent, allein in Berlin waren es 5.300 Beamte.

Von: APA/dpa/ag.