Flucht durch einen von der Regierung gewährten Korridor

Schwere Niederlage für syrische Rebellen in Hammuriye

Donnerstag, 15. März 2018 | 16:33 Uhr

Am siebenten Jahrestag des Bürgerkriegs in Syrien haben die Rebellen mit dem Verlust der Stadt Hammuriye eine schwere Niederlage erlitten: Die Truppen von Machthaber Bashar al-Assad brachten die Stadt im Süden der umkämpften Rebellenenklave Ost-Ghouta am Donnerstag nach heftigen Luftangriffen komplett unter ihre Kontrolle. Tausende Zivilisten flohen aus der Region.

Die Truppen Assads hätten Hammuriye eingenommen, nachdem sich die islamistische Rebellengruppe Faylaq al-Rahman zurückgezogen habe, welche die Stadt zuvor kontrolliert hatte, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mehr als 12.000 Zivilisten hätten Hammuriye sowie die benachbarten Städte Jisrin, Sakba und Kfar Batna durch einen Fluchtkorridor verlassen.

Hunderte Familien flüchteten zu Fuß, per Auto oder auf dem Motorrad aus Hammuriye in Richtung der Gebiete unter Kontrolle der Regierungstruppen. Die Stadt ist nun praktisch verlassen. Verschiedene Quellen bestätigten, dass es die größte Fluchtwelle aus Ost-Ghouta seit Beginn der Offensive war.

Assad hatte vor drei Wochen eine großangelegte Luft- und Bodenoffensive gestartet, um die östlichen Vororte der Hauptstadt unter seine Kontrolle zu bringen. Inzwischen gelang es Assads Truppen, 70 Prozent der Region zu erobern, die seit 2012 von zumeist islamistischen Rebellen kontrolliert wurde, und die mittlerweile in drei Teile gespalten ist.

Am Donnerstag traf im nördlichen Teil ein neuer Hilfskonvoi ein. “Der Konvoi ist in Ost-Ghouta eingetroffen und fährt nun nach Douma”, sagte ein Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK). Douma ist die größte Stadt der Rebellenenklave vor den Toren von Damaskus, in der seit 2013 knapp 400.000 Menschen von Assad belagert werden.

Nach Angaben des IKRK-Sprechers hatten die 25 Lastwagen des Hilfskonvois Lebensmittelpakete und Mehlsäcke für 26.000 Menschen geladen. Es sei nur ein geringer Teil dessen, was die Einwohner von Ost-Ghouta benötigten, sagte der Sprecher. Es war der dritte Hilfskonvoi in zehn Tagen, der die Region erreichte, in der katastrophale humanitäre Bedingungen herrschen.

Seit Beginn der Offensive Mitte Februar wurden laut der Beobachtungsstelle knapp 1.250 Zivilisten getötet, darunter mehr als 250 Kinder. Auch seien mehr als 4.800 Zivilisten verletzt worden. Die oppositionsnahe Organisation in Großbritannien bezieht ihre Informationen von Ärzten und Aktivisten vor Ort, für Medien sind sie kaum zu überprüfen.

Sieben Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs in Syrien hat Assad mit Hilfe iranischer und russischer Truppen den Großteil des Landes wieder unter seine Kontrolle gebracht. Die verbliebenen Rebellen kontrollieren außer Ost-Ghouta nur noch die Region Daraa im Süden und die Provinz Idlib im Nordwesten, doch stehen sie auch dort seit Monaten unter Druck.

Der Norden Syriens wird großteils von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) beherrscht, die ein wichtiger Verbündeter der USA sind im Kampf gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Seit Jänner geht jedoch die Türkei mit verbündeten syrischen Rebellen gegen die YPG in der Region Afrin vor, die bereits zu 70 Prozent unter Kontrolle Ankaras ist.

In den vergangenen Tagen flohen zehntausende Zivilisten aus der Stadt Afrin, die komplett von den türkischen Truppen eingeschlossen ist. “Die Schlinge zieht sich um die Terroristen zu”, sagte der türkische Präsidentensprecher Ibrahim Kalin dem Staatsfernsehen TRT am Donnerstag. In den “kommenden Tagen” werde das Stadtzentrum komplett “von Terroristen gereinigt sein”.

Forderungen des EU-Parlaments nach einem Ende der Militäroffensive gegen die YPG in Syrien wies der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan brüsk zurück. “Es gibt nichts, was das Europaparlament der Türkei sagen könnte”, sagte Erdogan am Donnerstag bei einer Preisverleihung in Ankara. “Für uns gehen diese Worte zum einen Ohr herein und zum anderen wieder heraus.” Und: “Solange unsere Arbeit nicht erledigt ist, werden wir dort nicht weggehen”. Der türkische Europaminister Ömer Celik nannte die Aufforderung des EU-Parlaments “visionslos und dumm”.

Von: APA/ag.