Israel griff Ziele in Gaza an

Schwere Raketenangriffe auf Tel Aviv

Dienstag, 11. Mai 2021 | 21:54 Uhr

Es war der bisher schwerste Raketenangriff auf Israels Küstenmetropole Tel Aviv: Mindestens eine Frau wurde bei den Explosionen am Dienstagabend getötet. Nach Angaben der Rettungsorganisation Zaka starb sie in der Stadt Rishon Lezion bei einem direkten Einschlag. Mehrere Menschen wurden nach Angaben von Sanitätern bei den massiven Raketenangriffen von Militanten aus dem Gazastreifen verletzt. In Tel Aviv waren am Abend immer wieder schwere Explosionen zu hören.

Die islamistische Hamas erklärte noch am Abend, 130 Raketen aus dem Gazastreifen nach Tel Aviv und Zentralisrael abgefeuert zu haben. Bei einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist am Dienstag nach Medienberichten eine wichtige Ölpipeline im Süden Israels getroffen worden. Fernsehbilder zeigten einen großen Behälter, der in Flammen aufging. Die Leitung verläuft zwischen den Städten Ashkelon und Eilat.

Die israelische Armee hatte zuvor ein Gebäude mit Büros von Mitgliedern des Hamas-Politbüros und Sprechern der islamistischen Palästinenserorganisation im Gaza-Streifen zerstört. Die Bewohner des Gebäudes wurden vor dem Angriff von den israelischen Streitkräften gewarnt und angehalten, das 14-stöckige Haus zu verlassen, wie Augenzeugen am Dienstagabend berichteten. Die islamistische Hamas drohte mit einem “harten” Raketenangriff auf Tel Aviv.

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) zeigte sich nach einem Telefonat mit dem Außenminister der Palästinensischen Autonomiebehörde, Rijad al-Maliki, auf Twitter “tief besorgt von der Spirale der Gewalt und den anhaltenden Raketenangriffen aus Gaza”. Schallenberg forderte eine “unverzügliche Deeskalation”. Er bedauere zutiefst den Verlust von Leben von Zivilisten, erklärte Schallenberg.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas verurteilte die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf Israel scharf. “Dass es jetzt noch eine derartige Eskalation der Gewalt gibt, ist weder zu tolerieren noch zu akzeptieren, und das haben wir auch gegenüber der Palästinensischen Autonomiebehörde sehr deutlich gemacht”, sagte Maas in Rom. Die Raketenangriffe müssten sofort beendet werden. “Israel hat in dieser Situation das Recht auf Selbstverteidigung”, fügte Maas hinzu.

Russland rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Es sollten keine Schritte unternommen werden, die mit einer Eskalation der Lage behaftet seien, teilte das Außenministerium am Abend in Moskau mit. “Wir verurteilen nachdrücklich Angriffe auf Zivilisten, unabhängig von ihrer Nationalität oder Religion.” Die Entwicklung der Ereignisse sei sehr besorgniserregend, hieß es in der Mitteilung.

In New York zeigte sich UN-Generalsekretär António Guterres sehr besorgt über die “schwerwiegende Eskalation im besetzten palästinensischen Gebiet und in Israel” sowie in Gaza, wie ein Sprecher mitteilte. “Er ist zutiefst traurig über die zunehmende Zahl von Opfern – darunter Kinder – wegen israelischer Luftangriffe in Gaza sowie Todesfälle in Israel durch Raketen, die aus Gaza abgefeuert wurden.”

Der internationale Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv wurde wegen der Angriffe für Landungen und Abflüge geschlossen. Die Flüge wurden nach Zypern umgeleitet.

Nach Angaben des israelischen Militärs wurden bisher mindestens 20 Mitglieder der islamistischen Hamas und des militanten Islamischen Jihads getötet, darunter hochrangige Vertreter. Zudem seien mehr als 150 Vorrichtungen zum Abschuss von Raketen attackiert worden. Laut Conricus wurden viele von diesen in Gebieten stationiert, in denen Zivilisten wohnen. Zivile Opfer könnten daher nicht ausgeschlossen werden, auch wenn sich die Armee darum sehr bemühe.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hatte sich seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte April zugespitzt. Inzwischen sind es die heftigsten Auseinandersetzungen seit mehreren Jahren. Der Ramadan geht diese Woche zu Ende.

Nach Angaben der israelischen Polizei wurden in der besonders schwer beschossenen Küstenstadt Ashkelon tagsüber bereits zwei Menschen getötet. Der Rettungsdienst Zaka berichtete von massivem Beschuss mit Dutzenden Raketen binnen kurzer Zeit – offenkundig mit dem Ziel, das israelische Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) zu überlasten. Das von Israel entwickelte mobile System fängt üblicherweise einen Großteil abgefeuerter Raketen ab.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza starben im Zuge der Gewalt bisher 28 Menschen, darunter zehn Kinder. Nach Berichten örtlicher Medien und von Augenzeugen wurden drei Kinder durch israelische Luftangriffe getötet, die übrigen sechs durch die fehlgeleiteten Raketen der Extremisten.

In den vergangenen Tagen hatte es zunächst vor allem in Jerusalem heftige Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gegeben. Auslöser waren unter anderem Polizei-Absperrungen in der Altstadt sowie drohende Zwangsräumungen von palästinensischen Familien im Viertel Scheich Jarrah. Seit Montagabend beschießen militante Palästinenser Israel mit Raketen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu stimmte die Israelis auf einen längeren Konflikt ein. Eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt ist der Status Jerusalems. Israel beansprucht Jerusalem als “ewige und unteilbare Hauptstadt” für sich. Die Palästinenser halten am Anspruch auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines unabhängigen Staates fest.

Seit der gewaltsamen Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen 2007 haben sich Israel und die radikale Palästinenserorganisation drei Kriege geliefert. Israel und Ägypten halten das Gebiet unter Blockade und begründen dies mit Sicherheitserwägungen. Etwa zwei Millionen Menschen leben dort – nach Angaben von Hilfsorganisationen unter miserablen Bedingungen. Im August 2020 verkündete die Hamas nach Vermittlung Katars eine Waffenruhe.

Von: APA/dpa

Kommentare

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18 Kommentare auf "Schwere Raketenangriffe auf Tel Aviv"


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Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Eine Schande was da von den Israelis veranstaltet wird.

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

…im Nahen Osten hat sich aber schon herumgesprochen, dass die Israelis auf jeden Raketenbeschuss reagieren…also wird das bewusst provoziert…
😆

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

@doolin
Was bleibt dem Israelis denn sonst zu tun?

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Der Raketenbeschuss ist aber nur eine Reaktion auf die Unterdrückung der Palästinenser.
Israel 2 Tote
Palästina 28 Tote

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Einen Frieden ermöglichen, anstatt jahrzehntelange Unterdrückung.

Chrys
Chrys
Superredner
1 Monat 8 Tage

Das Problem ist ein anderes. Es ist Vorwahlzeit und die Regierende Partei und die Hamas streiten sich darum, wer das eigene Volk besser schützt. Die Wahlen wurden, aus irgendwelchen, eher nicht nachvollziehbaren Gruenden, verschoben und nun ist die Hamas sauer. Offiziell weil es in Ostjerusalem einen Gerichtsbeschluss gibt wo israelischen Bürgern ein wichtiges Haus zugesprochen bekommen hat, es daher tagtäglich Provokationen beider Seiten gibt aber inoffiziell tobt eben ein interner Machtkampf. Und es ist eine alte Weisheit, wenn du innenpolitische Probleme hast dann suche eben den Konsens in der Außenpolitik.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

@wieso..
wer fängt denn immer mit der Gewalt an? Die Palästinienser!

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
1 Monat 8 Tage

@Wiesodenn
Zu einem Frieden gehören immer zwei.
Im nahen Osten ist es nicht so einfach schwarz und weiß.
Das politische Ziel der Hamas ist, den Staat Israel von der Landkarte zu tilgen.
Die Führungsorganisationen der Palistinenser haben, genau wie die aktuelle Regierung in Israel, kein Interesse an Frieden.

DontbealooserbeaSchmuser
1 Monat 9 Tage

Wieder eine Agression von Israel um weiteres Land der Palästinenser zu besetzen/stehlen!

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

@dontbe..
Das war wohl umgekehrt. Wer hat denn wieder mit Raketen begonnen?

quilombo
quilombo
Tratscher
1 Monat 9 Tage

@pfaelzerwald, Israel hat begonnen, bzw nie aufgehört.
Bei underen Medien ist es üblich immer einen Gegenschlag der Palästinenser als Anfang zu bezeichnen.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

@quilombo
selbst Sie müssten wissen, dass das nicht stimmt.

Offline
Offline
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Eines vorab: Der Tod eines Menschen, egal ob natürlich oder aus Gewalt, ist immer, nicht nur für Denjenigen, sondern auch für Familie und Freunde etwas ganz Schreckliches. Und dass über solche Ereignisse berichtet wird, ist Aufgabe einer freien Presse. Wieso jedoch 2 Tote in Israel für die “Headline” dienen, die 22 !! bei Gegenschlägen der Israelis getöteten Palästinenser nur eine normale Erwähnung finden, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.

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Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Da ändert auch eine andere Headline, auf einen freundlichen Hinweis eines aufmerksamen Users, nichts daran, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird…

Faktenchecker
1 Monat 9 Tage

Der Völkermord wird fortgesetzt.

Jiminy
Jiminy
Kinig
1 Monat 9 Tage

in einer einzigen Sache enttäuscht mich der homo sapiens nie: Krieg machen.

Peerion
Peerion
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Da versucht man eine Nation auszulöschen und wundert sich, dass denen das nicht gefällt. Man kann immer das Opfer spielen und es gibt auch immer jemanden, der die Elite in Gaza sponsert, während das Volk blutet. Da kann man weiter vom Endsieg träumen und um Menschrechte schert sich ja ohnehin nur die andere Seite.

Zugspitze947
1 Monat 8 Tage

Die Hammas hat NULL Chancen da auch nur einen Blumentopf zu gewinnen ! Dumm ist nur dass wir den Wiederaufbau im Gazasreifen wieder mit finanzieren müssen 😡  Traurig ist die Art wie man mit Menschenleben umgeht 😢

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