Das Ergebnis der Hessen-Wahl wurde ausführlich analysiert

Schwere Verluste für Berliner Regierungsparteien in Hessen

Sonntag, 28. Oktober 2018 | 22:21 Uhr

Die Christdemokraten (CDU) von Bundeskanzlerin Angela Merkel sind aus der Landtagswahl im deutschen Bundesland Hessen mit großen Verlusten als stärkste Partei hervorgegangen. Nach Hochrechnungen verlor die Koalition von Ministerpräsident Volker Bouffier mit den Grünen am Sonntag ihre Mehrheit im Landesparlament.

Zweiter großer Verlierer sind die Sozialdemokraten (SPD), die mit Merkel in Berlin in einer Großen Koalition regieren. Sowohl CDU als auch SPD verloren rund elf Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2013. Für die SPD war es das schlechteste Ergebnis in der Geschichte des Bundeslandes Hessen.

Nach den Hochrechnungen der Fernsehsender ARD und ZDF fiel Bouffiers CDU auf 27,0 bis 27,2 Prozent (2013: 38,3). Die SPD mit Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel stürzte auf 19,7 bis 20 Prozent (30,7). Die Grünen mit Vizeregierungschef Tarek Al-Wazir legten auf 19,5 bis 19,6 Prozent zu (11,1).

Erstmals im hessischen Landtag vertreten ist die rechtspopulistische AfD, die 13,1 bis 13,2 Prozent verbuchte (4,1). Sie sitzt nun in allen 16 deutschen Landesparlamenten.

Die Liberalen (FDP) kamen auf 7,7 Prozent (5,0). Die Linke holte 6,2 bis 6,4 Prozent (5,2) und liegt damit ebenfalls deutlich über der Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament.

Nach Berechnungen der Sender erhielte die CDU 35 bis 36 Landtagssitze, die SPD 26, die Grünen 25 bis 26. Die AfD hätte 17 Mandate, die FDP 10 und die Linke 8 bis 9.

Laut ARD-Berechnungen hätte Schwarz-Grün mit 60 von 121 Sitzen die Mehrheit verloren, laut ZDF fehlt ihnen mit 62 von 124 Sitzen ebenfalls ein Mandat. Die Sitzverteilung und die endgültige Größe des Parlaments können sich wegen des komplizierten Wahlsystems mit Erst- und Zweitstimmen im Verlauf der Auszählung noch ändern. Denkbar wäre nun eine “Jamaika”-Koalition aus CDU, Grünen und FDP, wie sie in Schleswig-Holstein existiert. Laut ARD hätte auch ein schwarz-rotes Bündnis aus CDU und SPD eine Mehrheit oder eine “Ampel” (SPD, FDP, Grüne).

Bouffier sieht im Ergebnis der Landtagswahl einen “Weckruf” für Berlin. “Die Botschaft, die man von Hessen natürlich nach Berlin geben kann und muss: Die Menschen möchten weniger Streit, sie möchten sachorientierte Arbeit”, sagte Bouffier am Sonntagabend im Hessischen Rundfunk. Er will Montag mit SPD, Grüne und FDP über die Bildung einer Koalition Sondierungen aufnehmen. Dabei habe er die klare Präferenz für eine Jamaika-Koalition, sagt der CDU-Vize in der ARD. Nur im Notfall komme ein Bündnis mit der SPD infrage.

Schäfer-Gümbel ließ offen, ob er persönliche Konsequenzen aus der historischen Wahlniederlage ziehen wird. “Der heutige Abend ist bitter für die hessische SPD und er ist es auch für mich persönlich”, sagte er. Auch SPD-Chefin Andrea Nahles zeigte sich bestürzt. “Zu den Verlusten der SPD in Hessen hat die Bundespolitik erheblich beigetragen”, sagte sie in Berlin. Die Koalition in Berlin müsse nun einen klaren, verbindlichen Fahrplan für eine Politik im Interesse der Bürgerinnen und Bürger vorlegen, fügte Nahles hinzu.

Die Wahl in dem wirtschaftsstarken Land galt als Härtetest für den Fortbestand der Großen Koalition von CDU/CSU und SPD in Berlin. Wie schon bei der Landtagswahl in Bayern vor zwei Wochen erlitten die Regierenden in Berlin starke Verluste, während Grüne und AfD stark zulegten.

Die Große Koalition aus CDU, ihrer bayerischer Schwesterpartei CSU und der SPD war trotz starker Verluste nach der Bundestagswahl 2017 noch einmal erneuert worden. In Umfragen hätte die “GroKo” derzeit deutschlandweit keine Mehrheit mehr.

Schon die Flüchtlingskrise 2015 hatte die Christ- und Sozialdemokraten viel Zustimmung gekostet und die AfD gestärkt. Seit Beginn der vierten Amtszeit von Bundeskanzlerin Merkel im März gab es mehrere Regierungskrisen. Schon nach der Wahl in Bayern am 14. Oktober wurden in der SPD die Stimmen derjenigen lauter, die die Große Koalition beenden wollen.

Die Parteien haben in Hessen keinen Zeitdruck, ein Regierungsbündnis zu schmieden. Die Wahlperiode des bisherigen Landtags endet erst am 17. Jänner 2019, einen Tag später tritt laut Landesverfassung der neue Landtag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Üblicherweise wählen die Abgeordneten dann den Ministerpräsidenten. Können sie das wegen fehlender Mehrheiten nicht, bleibt die bisherige Landesregierung nur noch geschäftsführend im Amt.

Die CDU stellt im einst “roten” Hessen seit 1999 den Ministerpräsidenten. Bouffier ist seit 2010 in diesem Amt. Nach der Wahl 2013 schloss er ein Zweierbündnis mit den Grüne, das sich nun wohl nicht mehr ausgeht.

Die Wahlbeteiligung lag mit 67,6 Prozent etwas niedriger als 2013 (73,2), als die Wahl in Hessen mit der Bundestagswahl zusammenfiel.

Von: APA/dpa

Kommentare

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44 Kommentare auf "Schwere Verluste für Berliner Regierungsparteien in Hessen"


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zockl
zockl
Superredner
20 Tage 20 h

Merkel muß weg – alles andere ist uninteressant – aber man wird sehen, selbst wenn die CDU an der 5%Hürde scheitert – Merkel wird uns erklären warum das nichts mit ihr zu tun hat

felixklaus
felixklaus
Tratscher
20 Tage 12 h

Südtiroler pegida hat gepostet!

felixklaus
felixklaus
Tratscher
20 Tage 12 h

Lügenpresse lügenpresse hast noch vergessen

denkbar
denkbar
Kinig
20 Tage 11 h

@zockl. Für Rechtspopulisten ist sie natürlich ein Dorn im Auge. Für jene die Politik auf das Thema Flüchtlinge reduzieren und nur sehen wollen, dass man die Grenzen sperrt auch!
Sie hat unpopuläre Politik betrieben, damit Rückgrat und Haltung bewiesen. Sie ist eine authentische Persönlichkeit, die nicht umsonst bereits zum 3. mal zur Kanzlerin gewählt wurde. Sie scheint zu wissen, wie wichtig es ist, dass Europa zusammen hält und wie unverzichtbar die Verteidigung der Menschenrecht eist.
Nebenbei, ihr Populisten seid ja immer die die schreien, die Wahlergebnisse seien zu respektieren, auch ihre Wiederwahl ist es!

65xzensiert
65xzensiert
Grünschnabel
20 Tage 10 h

@felixklaus 

Bei dir und auch den Wahlergebnissen wird deutlich: Wer die Massenmedien kontrolliert, der beherrscht die Masse.

typisch
typisch
Universalgelehrter
20 Tage 9 h

@denkbar
deutschland schafft sich ganz ab, sicher ein hackerangriff afrikas

ivo815
ivo815
Kinig
20 Tage 9 h

@65xzensiert besorg dir ein paar Ohrenwärmer für deinen Aluhut. Wird Winter, auch auf der Erdenscheibe

hoglsturm
hoglsturm
Tratscher
20 Tage 8 h

@denkbar du bisch a blind

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
20 Tage 8 h

@denkbar
AMEN !
Und morgen glaube ich wieder ans Christkind.

Karl
Karl
Superredner
20 Tage 8 h

@felixklaus man muss kein Pegidafreund sein um zu verstehen dass Merkel wirklich weg muss. Wieviele Wahlen braucht es noch dafür. Warum allerdings dafür Grün gewählt wird ist nicht zu verstehen. Ich denke der Großteil der Grünwähler sind aber EXSpd Wähler den Rot und Grün sind im Grunde der selbe Haufen.

denkbar
denkbar
Kinig
20 Tage 8 h

@Waltraud .Daran glauben Sie ja lange schon!!!

denkbar
denkbar
Kinig
20 Tage 8 h

@hoglsturm . Ihr seid blind, die ihr euch Ängste einreden lässt bis der Hass dann groß genug ist, um die Realität nicht mehr zu erkennen.

denkbar
denkbar
Kinig
20 Tage 8 h

@typisch . Typisch populistisches Geplärre!!!!

longwolf
longwolf
Tratscher
20 Tage 7 h

@ivo815 und wie wärs, übernimmst du die Schenoni ? Könntest dein Hobby zur Aufgabe machen, nicht nur Blödsinn schmettern.

longwolf
longwolf
Tratscher
20 Tage 6 h

@ivo815 und postest sicher von der Schattenseite des Mondes.

longwolf
longwolf
Tratscher
20 Tage 6 h

@felixklaus bist du eine Witzfigur ?

ivo815
ivo815
Kinig
19 Tage 22 h

@longwolf für den Blödsinn bist doch du zuständig und auch sehr erfolgreich, da möchte ich dich nicht konkurrenzieren

Pacha
Pacha
Grünschnabel
19 Tage 21 h

@denkbar……Frau Merkel hat wie Jogi Löw es verabsäumt, den Hof rechtzeitig zu übergeben

gwin
gwin
Tratscher
19 Tage 19 h

@65xzensiert du bist noch nicht in der gegenwart angekommen: wer die sozialien medien beherrscht, der beherrscht die massen, um dann zu regulieren, was in den massenmedien noch vorkommen darf.

gwin
gwin
Tratscher
19 Tage 19 h

@Karl die sind kein haufen, sondern teil der gesellschaft, wie die afd, cdu oder die linke. und das nennt sich ganz einfach demokratie. himmel.

65xzensiert
65xzensiert
Grünschnabel
19 Tage 19 h

@ivo815 

Immer, wenn den linksideologisierten systemkonformen braven Untertanen die Argumente ausgehen, werden sie persönlich. Sowas von vorhersehbar.

ivo815
ivo815
Kinig
19 Tage 17 h

@65xzensiert ich gebe dir ausnahmsweise recht

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Superredner
20 Tage 9 h

interessant wie die Berichterstattung bei Ard und Zdf die Afd komplett aussen vor lässt….

Rechner
Rechner
Superredner
20 Tage 6 h

Und dass die Afd bei 13 Prozent ist wundert mich nicht. Den rassisten Anteil in meinem Umfeld schätze ich auf ca. 20 Prozent. Immer schon nur durch die sozialen Medien bekommen sie Schung und Mut.
Aber ich finde es gut sie zu ignorieren. Sie haben sich keine Aufmerksamkeit verdient.

m69
m69
Kinig
20 Tage 6 h

Rechner @

Die AFD ist zwar nicht so stark, aber sie könnte von der 5 Sterne Bewegung in Italien lernen, wie man sich vernetzt und sich selber Präsenz in den Medien verschafft. YouTube z.B.

Grillo und der M5S sind auch dank dieser Hilfe so groß geworden! 😎

denkbar
denkbar
Kinig
19 Tage 22 h

@Rechner . Das sehe ich genauso. 13 % sollte man nicht überbewerten, das ist letztendlich ein läppischer Anteil und vermutlich, allem voran Herzensbildungsferne die immer schon mit Autoritarismus geflirtet haben.

real1st
real1st
Tratscher
19 Tage 20 h

@denkbar
“Das sehe ich genauso. 13 % sollte man nicht überbewerten”

hab ich mir auch bei den 6,8% der Grünen in Südtirol gedacht

onassis
onassis
Grünschnabel
20 Tage 17 h

Bouffiert auch nur noch ein Politiker für den Recyklinghof

ivo815
ivo815
Kinig
20 Tage 9 h

Muss sein, deswegen ist er auch so beliebt in seinem Bundesland

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
20 Tage 8 h

@ivo815
Muss sein. Deswegen hat die CDU in seinem Bundesland auch soviel Verluste.

m69
m69
Kinig
20 Tage 6 h

Onassis @

Der gehört echt auf dem Recycling ♻ Hof!

ivo815
ivo815
Kinig
19 Tage 22 h

@Waltraud wenn ich richtig verstanden habe, hat das Wahlvolk nicht den Ministerpräsidenten gewählt, sondern Parteien.

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_84561830/vor-landtagswahl-in-hessen-tarek-al-wazir-beliebter-als-volker-bouffier.html

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
19 Tage 19 h

@ivo815
Richtig! Und er ist nun mal Ministerpräsident in diesem Bundesland.

ivo815
ivo815
Kinig
19 Tage 17 h

@Waltraud und beliebt

m69
m69
Kinig
20 Tage 15 h

Drei Sachen waren wichtig dass Sie eintreten :

1. Die SPD unter 10%, das haben sogar die Bayern geschafft!
2. Die Grünen nicht so stark werden wie in Bayern.
3. Die CDU sollte deutliche Verluste einfahren!

Alles andere ist nicht so wichtig!

Rechner
Rechner
Superredner
20 Tage 7 h

Häää die SPD ist bei 20 Prozent?

m69
m69
Kinig
20 Tage 6 h

Ja wahnsinnig, die SPD hat immer noch 10% zuviel!

Bei den Grünen ist das eingetreten was ich befürchtet hatte! Shit 20% 😓

Die CDU hat weniger auf die Schnauze bekommen als ich mir dachte!

Und wieder die FDP und die Linke drin!

Ein richtig bunter Kessel!
😎

Johnny
Johnny
Grünschnabel
20 Tage 8 h

“Wir schaffen das”. Der Ursprung der aktuellen Wahlergebnisse.
CDU und CSU sind nicht im Stande das Problem Merkel zu beseitigen und werden zurecht dafür abgestraft. Die SPD betreibt nur Symbolpolitik, Frauenquote für ganz Reiche, Homoehe, Genderismus, Migration usw. Was hat das gemeine Volk davon die Familien, Rentner und Arbeitnehmer? Null sie müssen es bezahlen und darunter leiden.

Rechner
Rechner
Superredner
20 Tage 7 h

@johnny wenn es so wäre müssten die Grünen bei 0 Prozent liegen und sich nicht im ganzen Land verdoppeln.

m69
m69
Kinig
20 Tage 6 h

Jonny @

….Was hat das gemeine Volk davon die Familien, Rentner und Arbeitnehmer?

Ich sage dir was das normale Volk davon hat!

0, Josef!

Nullkommajosef!!! Garnitchts!!

zombie1969
zombie1969
Superredner
20 Tage 18 h

A. Merkel wird auch das Wahlergebnis in Hessen, im Gegensatz zu vielen andren CDU-Mitgliedern, mit Gelassenheit zur Kenntnis nehmen wie nach der Wahl in Bayern. Denn ihr neuer grüner Wunschpartner ersetzt ja anscheinend all die im eigenen Lager verlorenen Stimmen. A. Merkel muss aber sehr gut aufpassen, dass ihre CDU am Ende nicht hinter die Grünen zurückfällt. Sonst heisst der neue Kanzler dann plötzlich Robert Habeck.

Realman
Realman
Neuling
20 Tage 9 h

CDU immer noch stärkste Partei….erstaunlich.., auch die SPD noch bei 20 %…wundert mich sehr…! Seltsam…

zombie1969
zombie1969
Superredner
20 Tage 9 h

Die SPD müsste nun rein aus Selbstachtung aus der GroKo austreten, sich von A. Nahles und Co. an der Parteispitze trennen und ein Parteiprogramm entwickeln, dass den Namen sozialdemokratisch verdient. Letzteres sollte auch die CDU im Sinne einer Profilschärfung tun, denn sonst geht sie den gleichen Weg wie ihr Koalitionspartner.

Diezuagroaste
20 Tage 6 h

Alles war vorhersehbar.

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